Wernigerodes Stadtführergilde hat zwei neue Mitglieder. Damit kümmern sich nun 36 Frauen und Männer um die Besucher der bunten Stadt am Harz. Erstmals sind jetzt auch Führungen auf Arabisch möglich.

Wernigerode. Die Lehrerin Gabriele Schenck und der LandwirtschaftsexperteWerner Kropf wurden während der jährlichen Vollversammlung in die Abteilung des Geschichtsund Heimatvereins aufgenommen. Beide hatten sich dafür umfassend qualifiziert sowie nach Anfertigung einer komplexen schriftlichen Arbeit und einer Probeführung auch die beiden letzten Hürden genommen, um von nun an mit hohem Fachwissen Gäste durch Wernigerode begleiten zu dürfen.

Werner Kropf war nach seinem Studium Chef verschiedener Landwirtschaftsbetriebe und in Ägypten sowie im Jemen tätig. Er erarbeitete für die Aufnahme in die Stadtführergilde eine Chronik der Wernigeröder Landwirtschaftsschule seit 1921. Sie war später Fachschule für Landwirtschaft und wurde 1992 als Agraringenieurschule aufgelöst. Kropfs Engagement in der Gilde ist umso wichtiger, da er sowohl Englisch als auch Arabisch fließend spricht.

Gabriele Schenck hatte sich schriftlich intensiv mit den Grabdenkmälern in der Stiftskirche St. Sylvestri befasst. Sie will nun ihrerseits ihr umfangreiches Detailwissen darüber an die Stadtführer während einer der monatlichen Weiterbildungsveranstaltungen im Herbst weitergeben.

Mit diesen regelmäßigen Qualifizierungen befasste sich auch Gerda Hamel, Vorsitzende der Stadtführergilde. So dankte sie den Mitgliedern für ihre Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung und würdigte auch die Unterstützung durch Partner. Im vergangenen Jahr informierten sich die Stadtführer unter anderem in Betrieben und erlebten eine umfangreiche Führung durch das Schloss Wernigerode.

In seinem Grußwort würdigte Gottfried Werther, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, die Arbeit der Vereinigung.

Wolf-Dieter Wittig, Inhaber der Krellschen Schmiede an der Breiten Straße 95, berichtete über seine neuen Freizeitangebote, darunter Schmieden mit Kindern.

" Thematische Angebote erfreuen sich wachsender Beliebtheit "

Erdmute Clemens, Geschäftsführerin der Wernigeröder Tourismus GmbH, bilanzierte, dass es im Vorjahr sechs Prozent weniger durch dieses 100 prozentige städtische Tochterunternehmen vermittelte Führungen von Reisegruppen gegeben habe. In Zahlen seien dies insgesamt 24 170 betreute Besucher und damit 1613 weniger als 2008. Das müsse aber nicht zwangsläufig auch weniger Gäste bedeuten, hieß es während der Diskussion. Sparzwänge bei Reiseveranstaltern hätten dazu geführt, dass inzwischen auch Busfahrer mit Prospekten in der Hand Gäste begleiten. Mehrere Stadtführer berichteten, dass damit ein erheblicher Qualitätsverlust verbunden sei, ja sogar Falsches vermittelt werde. Bei den von der Tourismus-GmbH angebotenen sogenannten offenen Führungen wurden im Vorjahr 5524 Menschen und damit 330 mehr als 2008 mit Wernigerode vertraut gemacht. Das lasse auf mehr Individualgäste schließen, waren die Stadtführer überzeugt. Immer größerer Beliebtheit erfreuten sich, so Erdmute Clemens, die mehrmals im Monat jeweils sonnabends angebotenen thematischen Führungen. Insgesamt wurden bei diesem neueren Angebot im Vorjahr bei 38 Führungen 551 Gäste gezählt. 13 verschiedene solcher Rundgänge gibt es, wobei sich für " Innenhöfe mit Atmosphäre ", " Hexen und Teufel ", " Entlang der Stadtmauer " sowie " Verborgene Orte " die meisten Besucher interessierten.