Ein Gerücht macht in Halberstadt die Runde : Die Wyludda GmbH ist in der Insolvenz, der Elektronikfachmarkt auf dem Breiten Weg wird in den nächsten Tagen schließen. Nur ein Gerücht ? Volksstimme ging der Frage nach.

Halberstadt. Im Verkaufsraum von Wyludda sind Handwerker am Werkeln. Wird hier der Auszug des Fachgeschäfts vorbereitet ? " Nein ", sagt Stefan Wyludda. " Wir bauen um. Es soll attraktiver für die Kunden werden. Wir richten beispielsweise eine Kaffee-Bar und eine Heimkinopräsentation ein, wir werden das Geschäft noch kundenfreundlicher gestalten. "

Also ist nichts dran an den Insolvenzgerüchten ? " Doch ", sagt er. " Wir haben am 2. Dezember einen Insolvenzantrag gestellt und am 17. Dezember das Gewerbe abgemeldet. Der Auslöser des Insolvenzantrages war die Kündigung eines Überziehungsdarlehens zur Finanzierung des Warenbestandes. Danach sollten wir innerhalb von drei Wochen die gesamte Kreditsumme zurückzahlen. Das konnten wir nicht. Deshalb der Insolvenzantrag ", so Wyludda. Die Bank ist schuld an der Insolvenz ? " Nein ", sagt er entschieden. " Wir haben über Jahrzehnte gut mit ihr zusammengearbeitet und wollen das auch weiterhin tun. "

Wo liegen dann die Ursachen für das Ende des Unternehmens ? " Die sind vielschichtig ", so Wyludda, und er wirft einen Blick in die Geschichte. 1990 hat er ganz klein in der Bakenstraße mit seinem Hausgeräte-Kundendienst angefangen. Dieser erwarb sich schnell einen glänzenden Ruf, der Verkauf von Haushaltsgeräten kam hinzu. Das Geschäft in der Bakenstraße mit seinen 70 Quadratmetern wurde zu klein, in der Gröperstraße fand man ein neues Domizil auf 150 Quadratmetern. Auch hier wurde es zu eng.

" Das ist für mich nicht nachvollziehbar "

" Wir stellten im Jahre 1994 einen Antrag, im Gewerbegebiet, da wo heute Porta und Edeka stehen, einen großen Elektro-Fachmarkt bauen zu dürfen. Das wurde abgelehnt – mit Hinweis darauf, dass wir ein typisches Innenstadtsortiment haben. Heute steht dort der Media-Markt. " Hat der Elektronik-Riese den vergleichsweise Zwerg in die Knie gezwungen ? Das verneint Stefan Wyludda entschieden. " Wir sind nicht am Media-Markt gescheitert. Ich hätte es sogar sehr gern gesehen, wenn dieser Markt in die Innenstadt gezogen wäre. Das hätte die Innenstadt belebt, davon hätten wir profitiert. Uns wurde es als ortsansässiges Unternehmen seinerzeit untersagt, im Gewerbegebiet zu bauen, anderen wurde es gestattet. Das ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar !"

Nach der Absage ist die Wyludda GmbH 1995 in den Breiten Weg gezogen. " Wir haben das Geschäft, das Haus umund ausgebaut, viel Geld investiert. Damit haben wir auch Verantwortung für die Innenstadt übernommen, und das wollten wir ", so Wyludda. Und das Engagement wurde belohnt. " 1998 war unser erfolgreichstes Jahr ", erinnert er sich. " Wir hatten 40 Angestellte, haben Lehrlinge ausgebildet. Die Kunden nahmen unser Angebot und unseren Kundendienst ausgesprochen gut an. "

Wenig später wurde auf dem Fischmarkt ein neues Gebäude errichtet. " Ein Investor wollte einen weiteren Elektromarkt ansiedeln und mit dem neuen Gebäude wurde der Eingang zum Breiten Weg versperrt. Hier wurden in der Stadt die falschen Weichen gestellt ", so Stefan Wyludda. " Das langsame Sterben unserer GmbH begann, auch wenn wir es damals nicht ahnten. "

Das neue Stadtzentrum wurde eröffnet. " Grandios, diese Wiederbelebung ", so Wyludda. " Allerdings zog in die Rathauspassagen ein Elektronik-Markt ein. Uns hat man nicht gefragt, ob wir dort Flächen mieten wollen. 1999 wurde für uns das erste Jahr ohne Umsatzsteigerung, was wir allerdings verkraftet haben ", so Wyludda. " Durch die Trennung vom Stadtzentrum und die schlechte Verkehrsanbindung, wurde es für uns immer enger. "

Er beklagt das nicht, er konstatiert es sehr ruhig. Was ihn aber fast in Rage bringt, das ist, " dass in dieser Stadt mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn ich als Ortsansässiger an einem Standort investieren will, dann wird mir das bis heute untersagt. Bei anderen wird das Investitionsgesetz einmalig außer Kraft gesetzt, ich betone einmalig, damit der Ortsfremde bauen darf. Nicht ortsansässige Investoren wurden dadurch extrem bevorteilt. Das ist ungerecht, und das verstehe ich nicht ! Das ist eine Knebelung des ortsansässigen Handels. "

Auch das Innenstadtkonzept sieht er alles andere als positiv. " Was hat sich denn in den vergangenen Jahren am Breiten Weg getan ?", fragt Wyludda. " Nichts. Seit der Eröffnung der Rathauspassagen ruht doch hier still der See. Wir leben nur noch von der Stammkundschaft. Laufkundschaft gibt es so gut wie gar nicht. Warum sollten die Leute auch hierher kommen ? Was lädt auf dem Breiten Weg zum Verweilen ein ? Wo sollen die Kunden parken ?", sind zwei seiner Fragen.

Er weiß heute : " Wir hätten klagen sollen, als man uns nicht im Gewerbegebiet bauen ließ. Wenn es nicht bald ein tragbares und vor allem durchdachtes Konzept für eine gesamte und vor allem belebte attraktive Innenstadt gibt, dann geht nicht nur die Wyludda GmbH in Insolvenz ", mahnt er. " Wenn Politiker immer vom Schutz der Innenstadt und den dortigen Arbeitsplätzen reden, dann ist das scheinheilig. Ich will Konkurrenz nicht verhindern, sondern das Einzelhandelskonzept muss sinnvoll gestaltet werden. Dabei darf die Innenstadt nicht beschnitten werden. "

" Kundenmehrheit reagiert positiv auf Veränderungen "

Wie geht es mit der Firma weiter ? Das Familienunternehmen, die Wyludda GmbH, gibt es aller Voraussicht bald nicht mehr, das Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Wird das Geschäft im Breiten Weg geschlossen ? " Nein, es bleibt. Es wird umgebaut und dadurch noch attraktiver, das Sortiment wird bereinigt und besser auf unsere Kunden ausgerichtet. Wir wollen damit Angebotsbereiche und Qualitätsmaßstäbe abdecken, die uns deutlich hervorheben.

Damit der Fortbestand des Einzelhandelsstandortes und die Kompetenz unserer Mitarbeiter und unserer Familie gesichert ist, wurde eine neue Firma gegründet. Diese Firma wird das Handelsgeschäft übernehmen. " Und die Familie Wyludda ? " Wir werden darin mitarbeiten. Das Kundendienstunternehmen ist von den bisherigen Vorgängen nicht betroffen und steht weiter für Kundendienstleistungen zur Verfügung. " Wie reagieren die Kunden ? Stefan Wyludda : " Die Mehrzahl unserer Kunden hat auf die Veränderungen bisher positiv reagiert. "