Die Wernigeröder Innenstadt wird ab Frühjahr um eine Baustelle reicher sein. Der Geschäftsmann Jürgen Sallier lässt auf einem Grundstück an der Breiten Straße 6 ein Haus errichten. Gleichzeitig werden eine gotische Kemenate und ein Gewölbekeller vor dem endgültigen Verfall bewahrt. In den Neubau zieht übrigens 2011 eine große Textil-Kette ein.

Wernigerode. " Hier sind verschiedene historische Zeugnisse vorhanden, und sie waren auch schon immer ersichtlich. " Jürgen Sallier steht im Hof des Gebäudes Breite Straße 6 und weist auf ein altes unansehnliches Gemäuer und einen Kellereingang darunter. Beides werde erhalten, betont der Chef der Bauträger GmbH & Co. KG Lüneburg.

" Weil das eine

Mikrolage ist, ein

richtiges Zentrum "

Auf dem Grundstück entstehe zudem ein modernes Geschäftshaus, und der große Textil-Anbieter C & A werde dort auf 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche einziehen. Sallier : " Wir wollen versuchen, das im Februar 2011 zu übergeben. " Er kenne die Kette bereits von anderer Stelle. Als durch die Bank signalisiert worden sei, sie wolle sich verändern, habe er das schon seit mehr als zehn Jahren im eigenen Besitz befindliche Objekt angeboten. Mit Erfolg. Der Investor : " Weil das eine Mikrolage ist, ein richtiges Zentrum. " Und : " Das ist wie im richtigen Leben. Es muss alles passen. " Eine Ecke weiter, z. B. an der Burgstraße, hätte sich das Unternehmen nicht angesiedelt.

Für ihn habe immer festgestanden, so der Geschäftsmann, dass in der Innenstadt " was Großflächiges fehlt, damit nicht nur die Touristen, sondern auch die Wernigeröder hier einkaufen ". Zudem nehme man niemandem etwas weg. Im Gegenteil : Er könne sich vorstellen, dass noch weitere renommierte Firmen in die bunte Stadt am Harz ziehen werden.

Rund 3, 5 Millionen Euro würden in das Projekt fließen, sagt Jürgen Sallier. Seit gut einem Jahr werde es geplant. Immer in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden, wie z. B. der Denkmalpflege. Sechs Monate lang seien auf dem Areal Befunde aufgenommen worden. Jetzt rechne er tagtäglich mit der Baugenehmigung. Der Finanzier : " Der politische Wille steht ebenfalls dahinter. Ansonsten hätte das auch keinen Sinn. "

Die eingangs erwähnten historischen Mauern würden im Übrigen dann für alle zu sehen sein. Saniert durch eine Glaswand vom Kaufhaus aus. In dem Haus bringe die Kette ihre Technik und die Umkleideräume für die Beschäftigten unter.

" Das ist ganz sicher eine notwendige Ergänzung zur Stärkung des Einzelhandels in der Stadt und folgt unserem Konzept ", zeigt sich Burkhard Rudo überzeugt. Wernigerodes Baudezernent betont : " Wir haben immer Wert darauf gelegt, dass sich hier ein größerer Anbieter ansiedelt. " Das könne aus seiner Sicht nur positive Auswirkungen haben. Zudem werde erreicht, " dass ein wertvolles Gebäude wieder sichtbar wird, das bisher nur Insidern bekannt war ".

Es handele sich um eine spätgotische Kemenate aus dem 16. Jahrhundert. Davon gebe es zwei aus Fachwerk in der Stadt, die eine in der Marktstraße 1, die andere im Foyer des Hotels " Gothisches Haus ". Rudo : " Dass diese hier aus Bruchstein ist, deutet darauf hin, dass ihr Erbauer noch wohlhabender war. " Auch der alte Keller sei durchaus eine Besonderheit und vergleichbar mit dem Ratskeller. Allerdings dürfte es nach seiner Ansicht, so Rudo, schwierig werden, ihn zu nutzen. Das Gewölbe mit seiner Mittelsäule sei leider " sehr nass ".