Blankenburg. Wenn in der Familie von Hans Ulrich Müller ( 74 ) gefeiert wird, übernimmt der Fleischermeister gern das Kommando. Dann verwöhnt er seine Gäste lukullisch mit einem Kuppmagen-Essen. Dabei handelt es sich um eine nach einem Hausrezept hergestellte bessere Sülze mit viel magerem Fleisch. Es wird in einem großen Magen stundenlang gekocht.

In der elterlichen Fleischerei im Haus Winde 1 aufgewachsen, wollte auch Hans Ulrich Müller den Beruf des Fleischers erlernen. Das war zunächst nicht möglich, so wurde er Verkäufer. Schließlich erlernte er dann doch noch seinen Wunschberuf. Gerade mal 19 Jahre alt wurde ihm die Fleischverkaufsstelle der staatlichen Handelsorganisation in der DDR ( HO ) in Elbingerode übergeben. 1958 absolvierte er die Meisterschule in Magdeburg. Danach bemühte er sich, im ehemaligen elterlichen Geschäft in Blankenburg einen Feinkostladen mit Aspik-Abteilung zu eröffnen. Dafür erhielt er jedoch nicht die erforderliche Genehmigung. Der Fleischermeister qualifizierte sich weiter und übernahm die Leitung mehrerer großer Kaufhallen. Schließlich wurde er ein sogenannter Instrukteur im staatlichen Handel.

Dann erhielt er ein Angebot aus der Thalenser Stadtverwaltung. Er bekam die Chance, dort ein Eiscafé zu eröffnen. Dafür musste er sich allerdings noch zum Eiskonditor qualifizieren. Eine im gleichen Haus gelegene Gaststätte gliederte er später an. Schaschlik und Bouletten waren dort besonders gefragt, wahrscheinlich, weil er als Fleischermeister den Geschmacksnerv seiner Kunden traf. Mit der Wende kam für Hans Ulrich Müller ein beruflicher Tiefschlag. Eine in den westlichen Bundesländern lebende Erbengemeinschaft schraubte die Miete für sein Eiscafé derart in die Höhe, dass er passen musste. " Der Ertrag hätte dafür nie ausgereicht ", resümierte er und gab auf.

Offensichtlich verspekulierten sich die Hausbesitzer, denn sie fanden keinen Nachmieter. " Das Haus verfällt ", erzählte Hans Ulrich Müller jetzt auch in Magdeburg, als ihn die Handwerkskammer mit dem Goldenen Meisterbrief ehrte, zunächst aber mit einem falschen. In jener ersten Urkunde war ihm bescheinigt worden, vor 50 Jahren die Meisterprüfung als Bäcker bestanden zu haben. Gelernt hatte er aber Fleischer.