Rund 30 Schüler haben vor den Besuchern des Generationencafés gesungen. In einem Gespräch mit der Harzer Volksstimme berichten Sänger und Besucher, warum sie das gern tun.

Wernigerode. An jedem Tag der Woche geht die Musik- und Religionslehrerin am " Stadtfeld " -Gymnasium, Susanne Ristau, mit einer Gruppe von 20 Schülern in das benachbarte Pflegeheim, um für die älteren Menschen Volkslieder zu singen. " Meist gehen wir in der großen Pause. Oft kommen Schüler mit, die gerade nicht bei mir Musikunterricht haben ", berichtet sie. Im Foyer oder auf den Stationen geben die Gymnasiasten dann Volkslieder zum Besten. " Dadurch werden sie sicherer in der Öffentlichkeit ", schätzt die Musiklehrerin ein.

In der Vorwoche haben rund 30 dieser Jugendlichen nicht nur deshalb ein Programm vor den mehr als 50 Besuchern des Generationencafés vorgetragen. Die Gäste hatten sich in der " Altstadtresidenz " in der Abert-Barthels-Straße zusammengefunden, um sich gemeinsam auf Weihnachten einzustimmen. Zu den Besuchern zählte Inge Lüdecke. Die 75-jährige Wernigeröderin geht so oft sie kann ins Generationencafé. " Ich habe zwar fünf Enkel, aber hier hat man die Gelegenheit, sich mit anderen jungen Menschen zu unterhalten ", sagt die Rentnerin. Sie findet es bewundernswert, dass die Gymnasiasten nach der Schule ihre Zeit opfern, um für ältere Menschen zu singen.

Das Programm des Nachmittags war dann auch sehr abwechslungsreich. Die Schüler boten nicht nur die üblichen Weihnachtslieder wie " Stille Nacht, heilige Nacht ", sondern schmetterten zudem russische, französische und englische Weisen. Doch die Schüler erfreut diese Begegnung wohl auch und so setzen sich fast alle an die gedeckten Tische, um mit Rentnern zu sprechen.

" Für mich ist es immer eine gute Erfahrung, mich mit den älteren Leuten zu unterhalten ", sagt Andreas Hanl. Der 17-Jährige ist einer von Susanne Ristaus Musikschülern und singt regelmäßig in den Pausen im Seniorenheim neben der Schule. " Das Schönste ist, wenn die Altenpfleger uns dann erzählen, dass manche der Senioren ein halbes Jahr nichts gesagt haben und dann plötzlich anfangen mitzusingen. Da steht auch den Pflegern oft das Wasser in den Augen ", erzählt der Elftklässler.

" Vor Publikum zu singen ist viel besser und die Leute freut

es wirklich "

Diese Momente genießt auch seine Schulkameradin Jasmin Kaeding. Sie sieht aber auch die Vorteile für das eigene musikalische Können : " Ich liebe Musik. Vor Publikum zu singen, ist viel besser und die Leute freut es wirklich ".

Renate Schulze, die Vorsitzende des Wernigeröder Seniorenbeirats, organisiert das Generationencafé. Sie findet den Besuch nicht selbstverständlich und freut sich deshalb umso mehr über die jungen Sänger. " Ich hatte die Idee in der Stendaler Volksstimme gelesen. Es ist eine gute Sache, die älteren Menschen mal so aus ihrer Einsamkeit herauszuholen, in der manche von ihnen leben. " Das Café trifft sich ungefähr vierteljährlich, jedes Mal an einem anderen Ort in Wernigerode.

Susanne Ristau bringt den Sinn des Singens auf den Punkt : " So steigern wir die Sozialkompetenz der Jugendlichen. Das ist heute sehr viel wert. Das kann man ihnen im Unterricht kaum beibringen ".

Andreas Hanl stimmt ihr zu : " Oft sitze ich abends daheim und denke darüber nach. Mittlerweile habe ich eine andere Sicht auf die Probleme älterer Menschen. " Seitdem kann er sich sogar einen Zivildienst in einem Pflegeheim vorstellen. Und vielleicht singt er den Senioren dann auch allein einige Lieder vor.