Wernigerode. Wer meint, Otmar Alt hat ‘ nen Vogel, der hat recht : Alts Vogel ist quietschegelb, hat einen kräftig roten Schnabel und trägt schicke Rücken- und Schwanzfedern. Diese Figur ist nur ein Detail einer im Altschen Stil gestalteten Fassade. Die Ostseite des 1974 in der Burgbreite erbauten Plattenwohnblocks wird nach diesem Entwurf gestaltet. Zum Konzept des international bekannten Künstlers gehört die gesamte farbliche Gestaltung des 80 Meter langen Gebäudes Am Kastanienwäldchen. Den Kontakt zum 69-jährigen Alt, der bekanntlich gebürtiger Wernigeröder ist, hat Rainer Schulze vermittelt ; sozusagen von Kunstpreisträger zu Kunstpreisträger oder von Bundesverdienstpreisträger zu Bundesverdienstpreisträger.

Die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft der Stadt saniert bis Sommer 2011 diese Platte, die lange Jahre 50 Familien eine Wohnung bot. " Wir müssen uns zwei großen Herausforderungen stellen, dem Klimawandel und der Überalterung der Gesellschaft ", erklärte Geschäftsführerin Kirsten Fichtner. Das 4, 3 Millionen Euro teure Projekt – immerhin das teuerste seit GWW-Bestehen – sei der Versuch einer Antwort auf die drängendsten Menschheitsprobleme.

Das Bauvorhaben in diesem Sinne zu verwirklichen, das sei " unser Anspruch ". Der Wohnblock wird nämlich nicht " nur " saniert, es entsteht quasi ein völlig neues Gebäude. Mit einer solchen Wärmedämmung und einem Heiz- und Belüftungssystem, dass das Haus 30 Prozent weniger Energie verbraucht als ein Neubau ( Volksstimme berichtete ). Hinzu kommt, dass aus 50 großen künftig 74 kleinere Wohnungen werden – für Senioren oder auch für Alleinlebende, die laut Fichtner immerhin ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.

Gestern ist erstmals das Gestaltungskonzept für die Fassade für das neue Kastanienwäldchen präsentiert worden. Otmar Alt erwartet durchaus auch Widerspruch : " Meine Farbigkeit ist für manchen vielleicht gewöhnungsbedürftig. Ich sage ihnen aber : Alles, was bequem und einfach ist, das können sie vergessen. " Übrigens