Nur noch wenige Stunden bis Neujahr. Für die kleine Nordharzgemeinde Reddeber ein besonderer Jahreswechsel. Mit dem 1. Januar tritt die bereits beschlossene Eingemeindung nach Wernigerode in Kraft. Was erwareten die zukünftigen Städter ?

Reddeber. Die 870-Seelen-Gemeinde gehört mit dem 1. Januar zur Stadt Wernigerode. Die Weichen dafür sind längst gestellt. " Wir werden davon profitieren ", so Bürgermeister Reiner Oppermann auf der allerletzten Ratssitzung ( wir berichteten ).

Zu den konkreten Verbesserungen zählt der 53-Jährige Ortschef in erster Linie " die Sauberkeit und Instandhaltung ". Bislang konnte sich nur ein Gemeindearbeiter um die Pflege von Anlagen kümmern, " nun steht uns ein Grünamt und Bauhof zur Verfügung. " So manch schrägstehende Straßenlaterne könnte somit wieder aufgerichtet werden, wünscht sich der Bürgermeister. Bereits garantiert sei die Modernisierung der Kläranlage auf dem Sportplatz.

Und damit Reddeber weiter so lebenswert bleibe, " werden wir sehr aufmerksam verfolgen, welche Firmen sich in dem neuen Gewerbegebiet an der Schmatzfelder Straße ansiedeln. " Oppermann erläutert, dass dieses Industriegebiet unmittelbar am Ort angrenzt und es durch die Hauptwindrichtung West zu Lärmbelästigungen kommen könnte. " Deshalb möchten wir hinsichtlich der Emissionsbelastung rechtzeitig informiert und auch angehört werden ", fügt der Elektroingenieur hinzu.

In der Umfrage in Reddeber ein eindeutiges Ergebnis : Beinahe jeder der Angesprochenen sieht der Eingemeindung nach Wernigerode positiv entgegen. Volker Thaus, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins, lobt die gründliche Vorbereitung des Wechsels. Die Stadt habe den Vertrag des Vereins mit der Gemeinde akzeptiert, Wernigerode übernehme die Betriebskosten für das Domizil der Züchter. " Wir profitieren von der Eingemeindung ", ist sich der Vereinschef sicher.

Horst Schädel, der sich als früherer Bürgermeister von Reddeber in den Jahren 2002 und 2004 noch vehement gegen eine Eingemeindung ausgesprochen hatte, sieht es nun anders : " Unser Ort hat sich gut entwickelt, nun können wir mit besseren Voraussetzungen als damals Ortsteil werden. " Schädel habe schon gute Erfahrungen mit verschiedenen Ämtern der Stadt gemacht. So seien seine Anfragen zügig und zufriedenstellend beantwortet worden. Nun bemüht er sich um die Einrichtung einer Art Heimatstube oder Ortsmuseum. " Da erhoffe ich mir weitere Hilfe ", so Schädel.

" Nun werde ich wieder Wernigeröder ", freut sich Torsten Längefeld. 1999 hatte er wegen des preiswerteren Baulandes in Reddeber ein Einfamilienhaus errichtet und war aus der Stadt ins Dorf umgezogen. Während der Bürgeranhörung hatten sich er und seine Familie für die Eingemeindung ausgesprochen. Nun sei er froh, dass es dazu kommt. " Silvester werden wir anstoßen, wieder Wernigeröder zu sein ", kündigte er an. Annemarie Bläß ( 73 ) weiß, dass nun die Behördengänge erleichtert werden. " Da ich kein Auto habe, bin ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Nach Wernigerode gelangt man mit dem Bus leichter als nach Veckenstedt. "

Heike

Triebe, Erzieherin in der Kindertagesstätte, erwartet ebenfalls nur Vorteile : " Der Bestand der Einrichtung bleibt gewährleistet, unsere Arbeitsplätze

sind sicher ", weiß sie aus Gesprächen. Schließlich erhofft sie sich einen Erfahrungsaustausch mit Wernigeröder Erzieherinnen bei Weiterbildungen und Urlaubsvertretungen.

Katharina Alb, einer 19-jährigen angehenden Köchin, ist es eigentlich egal, von wo aus Reddeber verwaltet wird. " Ich habe auch bei der Bürgeranhörung nicht mit abgestimmt. Mal sehen, wie sich das entwickelt. "

Maximilian Kaie ( 10 ) hingegen freut sich, dass Reddeber zur Stadt gehört. " Ich bin dann nicht nur Reddeberaner sondern auch Wernigeröder ", sagt er, um dann noch hinzuzufügen : " Hinsichtlich meiner Grundschule ändert sich nichts, ich lerne weiter in Heudeber. " Das sei schön.