Blankenburg. " Hier oben ! Hiiiier !" Auf der rauchgeschwängerten Balustrade des Jugendgästehauses ruft ein Junge um Hilfe. Er hat schwere Verbrennungen an den Händen. Neben ihm liegt sein Freund mit rußverschmiertem und schmerzverzerrtem Gesicht. Er ist von Holzlatten überdeckt. Ein weiterer Junge hat es mit einem offenen Schienbeinbruch nur bis zur Fluchttreppe geschafft. Da eilen ihm bereits zwei Feuerwehrmänner unter Atemschutz zu Hilfe. Sie sprechen ihn an, dann wird er vom qualmenden Gästehaus auf eine benachbarte Wiese gebracht. Dort kümmern sich sofort Sanitäter um ihn. Nach und nach füllt sich das Grün mit Verletzten, während die Feuerwehr zum Löschangriff übergeht.

Dieses Szenario spielte sich am Sonnabendmorgen am Jugendgästehaus am Heidelberg in Blankenburg ab. Zum Glück war es nur eine Übung, um das Zusammenspiel von Feuerwehr und Rettungskräften aus dem gesamten Landkreis bei einer sogenannten " Großschadenslage " zu proben. Dabei erwies sich die ehemalige Jugendherberge als geeignetes Terrain : enge Zu- und Abfahrt für die mehr als 110 Einsatzkräfte, eine nicht ganz einfache Löschwasserversorgung und bei voller Belegung des Hauses eine im Ernstfall schwer zu beherrschende Situation für die Ersten am Brandherd : die Feuerwehrmänner.

Schnelle Versorgung

Auch am Sonnabend hielten die im Vorfeld professionell geschminkten und in ihre Rollen eingewiesenen " Opfer – ein 28-köpfiger Pfadfinderstamm aus Gifhorn – die 40 Kameraden aus Blankenburg, Börnecke und Cattenstedt auf Trab. Immer wieder mussten sie flüch-tende und unter Schock stehende " Verletzte " daran hindern, zurück ins Gästehaus zu rennen. Wimmern und Schreien der Jugendlichen brachten auch die Sanitäter an ihre psychische Belastungsgrenze. Immerhin füllte sich binnen Minuten der schnell eingerichtete Verbandsplatz, auf dem unterschiedlichste Verletzungen versorgt werden mussten : von Brandwunden, über Schädel-Hirn-Traumata bis hin zu offenen Brüchen. Parallel sorgten Heidrun Ebert und Ina Elsner für die namentliche Erfassung, ehe die Opfer in Krankenwagen abtransportiert wurden.

Das Fazit nach knapp dreieinhalb Stunden : " Die Verletzten wurden schnell behandelt und schnell abtransportiert. Dabei ging es vor allem darum, die Zusammenarbeit aller Rettungskräfte zu proben. Und das ist gut abgelaufen ", war Notarzt Martin Stielow recht zufrieden. Dem schloss sich auch Dieter-Klaus Bisch, Beobachter vom Amt für Brandund Katastrophenschutz des Landkreises, an. Er verwies unter anderem darauf, dass es die erste gemeinsame Übung des DRK-Kreisverbandes mit dem Malteser-Hilfsdienst aus Ballenstedt und Halberstadt, dem ASB Thale und dem DRKOrtsvereins Blankenburg war. Ein besonderes Lob richtete seine Kollegin Kerstin Koch an die jungen Pfadfinder : " Die Darsteller waren einfach klasse. Sie haben die Verletzten sehr realistisch dargestellt und waren sehr gut vorbereitet. "

" Fachlich gibt es aber einige Kleinigkeiten noch auszumerzen ", erklärte DRK-Ausbilder Mario Meyer. Dies wolle er beim Erstellen des Ausbildungsplans 2010 mit berücksichtigen.