Wernigerode. Zuletzt war es wie bei großen Premieren im Berliner Filmpalast am Zoo auch : Kräftiger Beifall, vom allerdings sitzenden Publikum. " Getrennt auf Zeit " ist am Freitagabend im Wernigeröder Rathaus uraufgeführt worden. Ein 40-minütiger Streifen der Filmemacher Heiko Bilsing und Christof Gorniak, den sie als " Film-Dokumentation Grenzöffnung im Harz 1989 " angekündigt haben.

Das Filmische an " Getrennt auf Zeit " ist eine kurze Sequenz, die die Vorbereitungen eines jungen Mannes am Frühstückstisch auf seine Flucht aus der DDR zeigen. Mit einem Gleichgesinnten kann dieser den wohl in den 1950 er Jahren mehr schlecht als recht gezogenen Grenzzaun überwinden. Auch, weil ein (!) Grenzsoldat glaubt, ein Reh habe ihn im Wald genarrt.

Es sind Fehler wie diese, die sich durch den Film ziehen : Grenzposten sind bekanntlich stets zu zweit unterwegs gewesen ; das Walter-Ulbricht-Zitat wird falsch widergegeben, bei Bilsing und Gorniak heißt es : " Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. "; und schließlich wird Schabowskis 1989 er Grenzöffnungsankündigung

während einer internationalen Pressekonferenz zum " legendären Interview ".

Ein Film mit dem Anspruch, historische Ereignisse darzustellen, muss auch bei diesen nebensächlich scheinenden Details korrekt sein. Zumal, so kündigte es Bilsing an, sein Film auch im Unterricht, in den Harzer Heimat- und Grenzmuseen gezeigt werden solle.

Der 36-jährige Bilsing und der 32 Jahre alte Gorniak lassen vor ihrer Kamera Harzer von " hüben und drüben " zu Wort kommen, darunter sind auch " Grenzgänger " wie Herbert Schneevoigt. Dass Landrat Michael Ermrich, Goslars Rathauschef Henning Binnewies oder die Benneckensteiner Bürgermeister Heinz Möhwald und Herbert Schulteß, auch Ex-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee über ihr Leben vor und während der Grenzziehung sowie seit dem Mauerfall berichten, ist deshalb schwer einzuordnen, weil die Namen der Interviewten nicht eingeblendet sind. Hinzu kommt, dass der Sprecher in dem Streifen hörbar Schwierigkeiten hat, die Zuschauer mit seinen Worten fesseln zu können. Zu den fehlenden Untertiteln erklärte Bilsing, dass zur Uraufführung eine Art Demoversion des Streifens gezeigt worden sei, im " richtigen " Film werde diese Panne behoben.

Zur Grenzöffnung in Stapelburg, in Benneckenstein, auch auf dem Brocken werden in " Getrennt auf Zeit " die allseits bekannten Fotos erneut gezeigt. Weniger bekannt ist der " Daueralarm " in Abbenrode, mit dem – wenigstens kurzzeitig – eine Grenzöffnung auch dort erzwungen worden ist.

Beklemmend und das Unmenschliche der DDR-Grenzanlagen offenbarend sind die Erläuterungen von Minenfeldern und der Selbstschussanlagen am Grenzzaun. Dass noch am 11. März 1986 ein gerade mal 19-jähriger Elbingeröder deswegen sterben musste, weil er die Grenze im Harz überwinden wollte, ließ manchen im Rathaussaal schaudern. Gut, dass sein Tod dank dieses Films unvergessen bleibt. Allerdings, " Getrennt auf Zeit " hätte mehr an solcher Authentizität gewiss vertragen.