Denis Loeffke tritt heute seinen ersten Arbeitstag in Ilsenburg an. Der 41-jährige Christdemokrat aus Drübeck ist am 27. September mit fast 53 Prozent Wählerstimmen zum Nachfolger des langjährigen Rathauschefs Wilfried Obermüller ( SPD ) gewählt worden. Volksstimme-Redakteur Tom Koch war mit Ilsenburgs neuem Bürgermeister im Gespräch.

Volksstimme : Die einst selbständigen Dörfer Darlingerode und Drübeck sind seit 1. Juli Ortsteile Ilsenburgs. Empfinden Sie es als Vorteil, als ein Nicht-Ilsenburger dieses Amt in einer neu gebildeten Gemeinde anzutreten ?

Denis Loeffke : Wie Sie wissen, bringe ich Erfahrungen aus Ströbeck mit. Als Leiter der Verwaltungsgemeinschaft dort habe ich es durchaus verstanden, die Interessen aller sechs Dörfer zu bündeln. Hinzu kommt, ich ganz persönlich bin beinahe " überall in den drei Ortsteilen zu Hause " : in Ilsenburg aufgewachsen, in Drübeck wohnend und mit vielen Verwandten in Darlingerode " ausgestattet ".

Volksstimme : Eines Ihrer erklärten Ziele ist, das oft beschworene Wir-Gefühl zu erzeugen, die Gemeinsamkeit zu stärken. Wie soll das gelingen ?

Loeffke : Es sind beispielsweise so banal klingende Dinge wie ein gemeinsamer Internetauftritt, vielleicht auch die Herausgabe eines Amtsblatts. Ich weiß, es wird eine schwere und nicht schnell zu lösende Aufgabe sein, das Miteinander in unserer Gemeinschaft nicht nur stets zu betonen, sondern tagtäglich zu leben. Dennoch will ich mich dieser Aufgabe gern stellen.

Volksstimme : Herr Loeffke, Sie übernehmen eine seit 1990 erfolgreich entwickelte Kleinstadt. Wer meint, Sie haben im Rathaus nur noch Spaß, hat derjenige Recht ?

Loeffke : Nun ja, den Spaß am Leben, auch an der Arbeit sollte man sich schon bewahren, wenngleich unsere Sorgen derzeit nicht zu übersehen sind. Die drastisch gesunkenen Steuereinnahmen sind ein wirklich großes Problem.

Volksstimme : Wie werden Sie darauf reagieren ?

Loeffke : Ich habe eine Reihe von Ilsenburger " Prestigeobjekten " geerbt, die in jedem Falle zu hinterfragen sind : Sportplatz, Bahnhof, Schulhof. Allein die zwei Millionen Euro für den Sportplatz sind wirklich ‘ ne Menge Geld. Wir werden zunächst einen Kassensturz aller drei Haushalte aus Darlingerode, Drübeck und Ilsenburg machen müssen und dann im Stadtrat solche Vorhaben ernsthaft neu auf den Prüfstand stellen.

Kloster Ilsenburg : Ich beobachte eine Art Kleinkrieg

Volksstimme : Auch, weil Sie einer Neid-Diskussion, beispielsweise bei der Vereinsförderung in den Dörfern, ausweichen wollen ?

Loeffke : Ausweichen ? Nein, das ist nicht meine Art. Es wird auch bei der Vereinsförderung in Zukunft Unterschiede geben. Das will ich nicht unter den Tisch kehren, aber transparent machen und gern auch erklären.

Volksstimme : Ist das Ihr typischer Arbeitsstil, erklären, vermitteln …

Loeffke : … ja, und auch Entscheidungen zu treffen, das gehört schließlich dazu. Ich möchte aber nicht wie von einer Kanzel herab Beschlüsse lediglich verkünden. Stattdessen baue ich auf ein vertrauensvolles Miteinander aller Verantwortung tragenden Personen. Dabei möchte ich auch die Bürger wieder stärker einbeziehen und einen Mittelweg gehen zwischen : Niemanden dumm sterben zu lassen und alles in endlosen Debatten zu zerreden.

Volksstimme : Die Jahre einer absoluten SPD-Ratsmehrheit sind vorbei. Sie sind nicht angesichts des Kräfteverhältnisses im neuen Ilsenburger Stadtrat auf Gedeih und Verderb gezwungen, auch auf die anderen Parteien als nur Ihre CDU zuzugehen ?

Loeffke : Ich habe Vertrauen in die politisch Handelnden im neuen Stadtrat und möchte möglichst alle von meinen Vorstellungen überzeugen. Das muss ich schließlich auch, SPD, Linke und Grüne haben bekanntlich 11 der 20 Mandate. Daher haben Sie Recht : " Per order mufti " wird es gewiss nicht mehr gehen.

Volksstimme : Ein kommunaler Dauerbrenner ist Ilsenburgs Kloster. Wie stehen Sie zu einem Neuanfang im Verhältnis zur Klosterstiftung ?

Loeffke : In jedem Fall bin ich dazu bereit. Aus der Ferne habe ich dieses Thema wie einen persönlichen Kleinkrieg erlebt. Das Kloster ist für Ilsenburg wichtig, alle Beteiligten gehören schnell an einen Tisch, und das ohne rein ideologische Vorbehalte. Drübeck macht es uns doch erfolgreich vor, was aus einem solchen Komplex Tolles werden kann.

‘ Strom-Zoff ‘ : Meine

Meinung dazu

ist unverändert

Volksstimme : Letzte Frage : Wochen vor der Eingemeindung hat der " Strom-Zoff " ganz Darlingerode bewegt. Schließlich hat der Gemeinderat als letzten selbständigen Beschluss entschieden, die Strom-Konzessionsrechte an einen Versorger vor Ort, an die Wernigeröder Stadtwerke zu geben. Dagegen hat Wilfried Obermüller als Verwaltungsleiter Widerspruch eingelegt. Wie stehen Sie dazu ?

Loeffke : Meine Aussage aus dem Wahlkampf dazu ist nach wie vor gültig : Ist der Beschluss der Darlingeröder Gemeinderäte nicht gesetzwidrig, so werde ich dem Ilsenburger Stadtrat vorschlagen, diesen Darlingeröder Beschluss zu bestätigen.