Premiere in Minsleben. Zum ersten Mal hatte Wernigerodes Stadtverwaltung die Bewohner aller Ortsteile zu einer gemeinsamen Versammlung gebeten. Gut 40 Gäste folgten der Einladung in das Dorfgemeinschaftshaus. Nur aus Schierke ließ sich niemand sehen.

Minsleben. " Die ganz großen Probleme sind nicht mehr so präsent ", konstatierte Peter Gaffert am Dienstagabend mit Blick auf Benzingerode, Minsleben und Silstedt 16 Jahre nach deren Eingemeindung. Flankiert wurde er dabei von seinen Dezernenten Volker Friedrich ( Ordnung ), Burkhard Rudo ( Bau ) und Andreas Heinrich ( Gemeinwesen ).

Anders verhält es sich dagegen mit dem jüngsten Ortsteil Schierke. Wernigerodes Oberbürgermeister mochte vor den gut 40 Zuhörern im Saal des Minslebener Dorfgemeinschaftshauses nicht deutlicher werden. Musste er wohl auch nicht, denn es hätte ihn mangels Teilnahme von den Angesprochenen ohnehin niemand gehört. So beließ es der Rathauschef dabei, an die Bewohner der " alten Ortsteile " zu appellieren. Gaffert : " Es ist ein großes Maß an Kreativität und Solidarität nötig, um in Schierke etwas zu bewegen. "

Das soll allerdings anderswo nicht gleichzeitig einen Stillstand bedeuten. Der Oberbürgermeister nannte das zu Ende gehende Jahr in dieser Hinsicht für alle erfolgreich. Beispiele dafür sind der Bau eines Durchlasses für den Hellbach in Benzingerode, der Beginn einer Brückenreparatur in Minsleben sowie Planung und Errichtung eines zweiten Rettungsweges für die Silstedter Kindertagesstätte " Benjamin Blümchen ". Soweit die Bilanz.

Aber, so Gaffert weiter : " 2010 wird sicherlich kein leichtes Jahr. " Die weltweite Finanzund Wirtschaftskrise hat auch den Wernigerödern hohe Einbußen bei den Steuereinnahmen beschert. Dennoch sollen einige Vorhaben umgesetzt werden ( siehe Infokasten ).

Den Reigen der Fragen an die Stadtverwalter eröffnete mit Wilfried Pöhlert einer der zahlreich erschienenen Ortschaftsräte. Der Benzingeröder u. a .: " Ich möchte noch mal an den Erhalt des Kleinods Schulmuseum erinnern. " Zudem muss dringend das " völlig kaputte " Parkett im Kulturhaus repariert werden. Während letztgenanntes stillschweigend notiert wurde, äußerte sich Andreas Heinrich zum lange gewünschten Umzug der Einrichtung in die Geschäftsstelle. Der Dezernent : " Wir wollen noch in diesem Jahr versuchen, ein Konzept für das Schulmuseum vorzustellen. " Das große Problem : Durch den erheblichen Investitionsbedarf steigen die Mietkosten von jetzt 800 Euro auf über 4000 Euro im Jahr. Andreas Heinrich : " Wie die aufzubringen sind, ist noch unklar. "

Karl-Heinz Mänz kommentierte die Wunschliste aus dem Nachbardorf leicht lakonisch. Silstedts Ortsbürgermeister : " Wenn wir das alles realisieren wollen für Benzingerode, bleibt für Schierke nichts mehr übrig. " Er selbst brachte das ursprünglich geplante Projekt Errichtung eines kombinierten Fuß- / Radweges an der Silstedter Steineiche zur Sprache. Mänz : " Das scheint, untergegangen zu sein. "

" Sein Minslebener Kollege Knut Festerling bat ebenfalls um Unterstützung. Der innerörtliche Ausbau der Kreisstraße in drei Abschnitten von 2010 bis 2012 soll nach Auffassung des Ortschaftsrates innerhalb eines Jahres erfolgen, die Finanzen dafür gebündelt werden. Festerling : " Es ist den Anwohnern nicht ständig zuzumuten, große Umwege zu fahren. " Baudezernent Burkhard Rudo erklärte, sich des Falles anzunehmen. Er verwies allerdings gleichzeitig auf die begrenzten Möglichkeiten einer Einflussnahme durch die Stadt, da es sich um eine Kreisstraße handelt.

Nach gut 80 Minuten angeregter Diskussion wurde es still im Saal. Bis Rüdiger Borchert sich zu Wort meldete. Minslebens Vize-Ortsbürgermeister : " Ein Dankeschön an die Gemeindearbeiter für ihren Fleiß. " Und : " Das gilt für alle Ortsteile. " Der herzliche Beifall belegte, dass auch die Benzingeröder und Silstedter sich dieser Meinung ohne Abstriche anschließen konnten.

Und noch ein zweites Mal gab es kräftigen Applaus. Diesmal für Volker Friedrich, der als Ordnungsdezernent für die eingemeindeten Dörfer zuständig ist.

Peter Gaffert nahm indes sein Schlusswort zum Anlass für ein Versprechen. Der Rathauschef : " Ich möchte den Vorschlag von Karl-Heinz Mänz aufgreifen, dass sich die Ortsbürgermeister drei bis vier Mal pro Jahr mit mir treffen, um die Probleme zu diskutieren. " Mänz hatte nämlich zuvor in der jüngsten Sitzung des Stadtrates deutliche Kritik daran geübt, dass es künftig nur noch eine Einwohnerversammlung für alle geben soll.