Wernigerode. Wie findet man sich in einer Stadt zurecht – ohne sehen zu können ? Wie orientiert man sich ? Vielen Menschen fällt es schwer, sich in die Welt von Blinden und sehbehinderten Menschen hineinzuversetzen.

Im Helmut-Kreutz-Haus in Wernigerode werden regelmäßig Seminare angeboten, bei denen die Teilnehmer im Umgang mit Sehbehinderten geschult werden. An diesem Wochenende waren es die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bahnhofsmission Halberstadt. Finanziert wurde der Kurs vom Kirchenkreis Halberstadt. " Wir haben bei unserer Arbeit oft mit blinden Menschen zu tun ", sagte Johanna Radloff. " Deshalb erhoffen wir uns viele nützliche Tipps und Hilfestellungen. "

Die zweitägige Schulung war hauptsächlich auf die Begleitung von sehbehinderten Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgelegt, so Rehabilitationslehrer Jochen Bartling. " Außerdem versuchte ich, die Teilnehmer in die Lage zu versetzen, Blinde besser zu verstehen. " Dafür setzten die Missions-Mitarbeiter selbst Augenbinden auf und versuchten, sich, erst im Umfeld des Helmut-Kreutz-Hauses, später dann sogar in Wernigerode zurechtzufinden. Außerdem testeten sie, wie schwierig es ist, mit Augenbinde Abendbrot zu essen. Besonders lehrreich war der Ausflug zum Halberstädter Bahnhof, wo die Teilnehmer die Begleitung von Blinden beim Ein- und Aussteigen trainierten. " Durch den Kurs wurden viele Ängste abgebaut ", sagte Johanna Radloff nach dem Seminar. " Jetzt haben wir bei unserer täglichen Arbeit viel mehr Sicherheit im Umgang mit Blinden. " Zum Abschluss erhielten alle ein Zertifikat von Kursleiterin und Diakonin Christine Oppermann-Zapf.