Zu 67 Fehlalarmen musste die Feuerwehr in Wernigerode in diesem Jahr bereits ausrücken. Tendenz steigend. Ein Ärgernis, denn die Falschmeldungen kosten nicht nur unnötige Zeit, sondern auch Geld. Harzer Volksstimme hakte nach.

Wernigerode. Montagabend, kurz nach halb 9. Die Sirene heult auf. Wenig später rasen Feuerwehren durch Wernigerodes Straßen. In wenigen Minuten sind sie am Einsatzort – dem Altenp egeheim " Sonneck-Harzfriede ". Dann die Entwarnung. Lediglich ein Fehlalarm, den eine Brandmeldeanlage ausgelöst hat. Ein Einzelfall ? In Wernigerode sind Fehlalarme schon lange nicht mehr die Ausnahme. In diesem Jahr wurden die Brandschützer bereits 67 Mal umsonst alarmiert – so heißt es in der Statistik auf der Internetseite der Feuerwehr. Allein im September waren es zehn Mal.

Oftmals heulen Sirenen mitten in der Nacht

Die freiwilligen Brandschützer werden dann von ihrem Arbeitsplatz abberufen. Oftmals aber heulen die Sirenen auch mitten in der Nacht. " Es ist schon frustrierend, wenn die Kameraden zu einem Einsatzort kommen, und dann heißt es dort : April, April ", sagt Wernigerodes Ortswehrleiter Torsten Breiting. Nicht dass Breiting ein echtes Feuer bevorzugen würde, " aber es wäre uns allen lieber, wenn wir weniger wegen eines Fehlalarms ausrücken müssten ".

Der Anstieg an Falschalarmierungen sei hauptsächlich durch die zunehmende Verwendung der Brandmeldeanlagen zu erklären, sagt Werner Greif, Sachgebietsleiter Brandschutz bei der Kreisverwaltung, auf Volksstimme-Nachfrage. Vor allem bei Industriebetrieben und öffentlichen Einrichtungen verlangen die Brandschutzversicherungen inzwischen den Einbau solcher Sicherheitssysteme. " Wir rechnen damit, dass sich die Anzahl in den nächsten Jahren sogar noch weiter steigert ", so Greif.

Allein in den Gebäuden der Hochschule Harz sind 620 automatische Melder angebracht, informiert Andreas Lammers, der als Betriebstechniker der Bildungsstätte auch für die Brandmeldeanlage zuständig ist. Kein Wunder also, dass die Hochschule in der Fehlalarm-Statistik 2009 mit bisher sechs Alarmierungen – immerhin fünf in den letzten drei Monaten – mit ganz oben steht. Oftmals seien es die Studenten selbst, die für die Falschmeldungen verantwortlich sind – durch angebranntes Essen in den Küchen der Wohnheime, aber auch mutwilliges Betätigen des Alarmknopfes. Im September waren Elektroarbeiten auf dem Hochschul-Gelände der Auslöser – und das, obwohl alle Handwerker belehrt werden, die Melder in Baustellennähe über die Brandmeldeanlage abschalten zu lassen.

Spitzenreiter in der Feuwehr-Statistik ist die Nemak Wernigerode GmbH. Ganze sieben Mal musste die Feuerwehr in diesem Jahr bisher umsonst dorthin ausrücken. Die Gründe dafür sind vielfältig : Mal og eine Schwalbe ins Messfeld der optischen Sensoren, mal war es eine ausgedehnte Rohrleitung, ein anderes Mal eine Dämmplatte, sagt Bernd Oltmann, Abteilungsleiter Kernfertigung. " Wir sind aber bemüht, die Fehlerquellen umgehend abzustellen. "

" Keine Frage, der Schaden, der durch ein echtes Feuer entstehen würde, wäre eklatant größer ", räumt Torsten Breiting ein. " Daher sind Fehlalarme für uns dann doch das kleinere Übel. "

Arbeitsausfall in

Rechnung stellen

Dennoch : Diese Einsätze kosten unnötig Zeit – und auch Geld. " Die Firmen könnten den Arbeitsausfall der freiwilligen Brandschützer gegenüber der Stadt geltend machen ", erklärt der Ortswehrleiter. Dazu kommen Kosten für die Bereitstellung der Fahrzeuge und des Personals sowie ein Pauschalbetrag – pro Einsatz von mindestens 280 Euro.

In der Regel werden die Kosten den Besitzern der Brandmelder jedoch nicht in Rechnung gestellt, bestätigt Matthias Treuthardt vom Ordnungsamt auf Volksstimme-Nachfrage. " Aus Bürgerfreundlichkeit. " Dabei könnte dies bei den betreffenden Firmen zu einem Umdenken führen, weiß Bernd Schönenborn von der VDS Schadensverhütung Köln. " Wenn ein Wärmemelder direkt über einem Kochkessel hängt, dann müssen hier eben andere, dem Risiko angepasste, Meldesysteme installiert werden ", so der Experte für Brandmeldeanlagen. " Und das in Abstimmung mit Versicherung und Feuerwehr – damit Fehlalarme künftig nicht mehr vorkommen. "

Das kann auch Matthias Treuthardt nachvollziehen : " Wir werden die Durchsetzung der Kostensatzung prüfen ", so der Ordnungsamts-Mitarbeiter.