Viele spannende Geschichten wurden beim Wettbewerb im " Platt " -Vorlesen erzählt. Die lange gescholtene Sprache erlebt ein langsames Comeback In der Remise des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins konnte man die Nachwuchstalente bewundern. Am 1. Dezember vertreten drei von ihnen die Region beim Landeswettbewerb in Magdeburg.

Wernigerode. Sarah Kohlrusch sitzt am Mittwoch vor einem Publikum von rund 80 Zuhörern in der Remise des Kunst- und Kulturvereins.

Die Sechstklässlerin des Gymnasiums " Stadtfeld " in Wernigerode beginnt, mit viel Gestik und Mimik einen Text zu lesen. " En paar junke Keerls harrn jeern ewußt, wat sek inner letztn Nacht von Aprille oppm Brocken deiht. Un driestrig, wie de junken nu mal sind, hett se beschlotn : Wie maket tau Walpurgis da mal ropp ". Sarah liest die Geschichte " Walpurgisnacht " von Wolfgang Wenderoth aus Heudeber. Der Text war einer derer, die in der Remise zum Vorausscheid für den 15. landesweiten Vorlesewettbewerb " Schülerinnen und Schüler lesen Platt " vorgetragen wurden. Dafür wurden die besten Vorleser aus dem Altkreis Wernigerode gesucht. Die Erstplatzierten werden die Region beim Landeswettbewerb in Magdeburg am 1. Dezember vertreten und versuchen, gegen andere Teilnehmer aus der Altmark und der Börde zu bestehen. Am Regionalausscheid in der bunten Stadt am Harz nahmen insgesamt 17 Mädchen und Jungen aus Stapelburg, Benneckenstein, Ilsenburg, Wernigerode und Veckenstedt teil.

" Dieses Jahr haben mehr Kinder als in den letzten Jahren teilgenommen. Die Qualität ist wirklich sehr gut ", sagt Dr. Saskia Luther von der Arbeitsstelle Niederdeutsch am Institut für Germanistik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Sie hat den Wettbewerb initiiert. Saskia Luther bemüht sich um den Erhalt des Plattdeutschen, das als Regionalsprache von der Europäischen Union anerkannt wurde und daher als " Kulturgut " besonderen Schutz genießt. " Früher hatten die Platt-Sprecher Angst, in ihrer Sprache zu sprechen. Platt war als ‘ Bauernsprache ‘ verschrien. Der Wettbewerb soll das Selbstbewußtsein der jungen Leute stärken, sich mehr mit der Sprache zu befassen ", sagt die Germanistin.

Stolz sind daher auch die Sieger auf das Erreichte. Vivien Liebscher hat den 1. Platz unter den kleinsten Teilnehmern gewonnen. " Ich freue mich über den Preis, und es hat wirklich Spaß bereitet. Außerdem war es mal gut, sich mit anderen Kindern zu vergleichen ", sagt die Neunjährige, die die 4. Klasse der Grundschule Benneckenstein besucht.

Ursula Föllner leitet die Jury und findet die Auswahl dieses Jahr besonders schwierig. " Die Kinder haben alle sehr gut vorgelesen. Es war niemand dabei, bei dem wir sagen - das war jetzt nichts. " Sie ergänzt : " Wir hatten wirklich Schwierigkeiten, uns zu entscheiden und haben daher in diesem Jahr erstmals bei den Kleinen zweimal den zweiten und dritten Platz vergeben. "

Georg Bruns vom Zentrum HarzKultur fand die Beiträge sehr gut : " Vielleicht wird es in Zukunft wieder mehr Platt-Sprecher geben ". Saskia Luther bemüht sich weiter : " Wenn die Akzeptanz wächst, müssen sich die Plattsprecher bald nicht mehr verstecken. ".