In diesem Jahr feiert die Wernigeröder Thomas-Müntzer-Sekundarschule ihr 100-jähriges Bestehen. Seit ihrer feierlichen Einweihung am 24. April 1909 hat die Einrichtung eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Die Harzer Volksstimme hat anlässlich des Jubliläums in der Schulchronik geblättert.

Wernigerode. Die Geschichte der einstigen Mädchen-Volksschule Unter den Zindeln selbst, so zeigt sich in der achtbändigen Schulchronik, war stets von politischen und gesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst. In der Zeit zwischen der Schuleinweihung im Jahr 1909 ( wir berichteten ) und dem Zweiten Weltkrieg finden sich kaum Fakten in der Chronik, eine Vielzahl an Dokumenten ging in der Nachkriegszeit unwiederbringlich verloren.

Überliefert ist jedoch, dass die Volksschule ab 1941 als Lazarett genutzt wurde. Die Mädchen wurden deshalb auf andere Schulen aufgeteilt. Laut Meldung des damaligen Rektors Brand zogen sechs Klassen in die Knaben-Volksschule und fünf Klassen in die Mittelschule um. Für jeweils eine Klasse fand der Unterricht in der Mädchen-Oberschule sowie im Nadelarbeitszimmer der Pestalozzi-Schule statt.

Im November 1944 mussten die Wernigeröder Schüler ein weiteres Mal umquartiert werden. Die Gebäude, die zu der Zeit noch als Schulen genutzt werden durften, wurden mit " drei Tagesschichten " belegt, damit alle Kinder der Stadt täglich unterrichtet werden konnten.

Schulspeisung im

Jahr 1946 eingeführt

Nach dem Kriegsende im Mai 1945 blieben sämtliche Schulen in Wernigerode mehrere Monate lang geschlossen, in den Gebäuden wurden Evakuierte und Fremdarbeiter untergebracht. Wie aus alten Aufzeichnungen hervorgeht, hatten die Kinder ( außer Schulanfänger ) in dieser Zeit andere Pflichten zu erledigen. Von Mai bis September : vier Tage pro Woche Heilkräutersammlung ; dienstags und freitags Holz sammeln. Von Juli bis August : Einsammeln von Kartoffelkäfern, Kartoffelernte und Hilfsarbeiten in Gärtnereien und bei Landwirten.

Laut Befehl der russischen Militäradministration sollten die Schulen ab dem 1. Oktober 1945 wieder für den Unterricht geöffnet werden. Wegen der Typhusepidemie, die sich damals auf ganz Deutschland ausgebreitet hatte, mussten die Schulen jedoch gleich am 10. Oktober wieder geschlossen werden und wurden dann am 13. November erneut eröffnet. Die Schulspeisung, so heißt es in der Chronik, wurde am 8. Januar 1946 eingeführt.

Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ( 17. Dezember 1948 ) erhielt die ehemalige Mädchen-Volkschule und nach dem Krieg als Grundschule II geführte Einrichtung den Namen " Thomas Münzer " – damals noch ohne " t ". Der Bauernführer ( um 1489 in Stolberg / Harz geboren und 1525 geköpft ) erlangte zu DDRZeiten eine neue Popularität. Straße und Plätze trugen seinen Namen, Geldscheine zeigten sein Abbild. Die Schule Unter den Zindeln trägt seinen Namen heute noch.