Die jüngste, inzwischen bereits die fünfte, Besucherbefragung im Auftrag des Wernigeröder Schlosses liegt vor. Mit ebenso zu erwartenden wie überraschenden Ergebnissen : Die meisten Befragten wohnen in Sachsen-Anhalt, russische Gäste sind auf dem Vormarsch, und das alte Schlossbahnprojekt für Nöschenrode bekommt neuen Zuspruch.

Wernigerode. Wenn Christian Juranek eines nicht mehr hören mag, dann ist es diese Antwort : " Die tolle Aussicht. " Seit Jahren unangefochten an erster Stelle wird stets der einmaligwunderbare Ausblick von der Großen Terrasse auf Wernigerode und den Harz bis hin zum Brocken genannt, wenn die Besucher gefragt werden, was ihnen im Schloss am besten gefallen habe. Dass er sich als Museumsleiter darüber nur bedingt freuen könne, sei wohl verständlich, sagte Juranek.

Gemeinsam mit Projektleiter Alexander Schröder von der Hochschule Harz hat der Schloss-Geschäftsführer Teile der seit 1998 fünften Besucherbefragung öffentlich gemacht.

Das aus Sicht des Auftraggebers Positive zuerst : 96 Prozent der Befragten

kannten das Schloss,

57 Prozent seien des Museums wegen nach Wernigerode gekommen, 18 Prozent waren bereits öfter als zweimal im Museum, auch die Weiterempfehlungsrate sei sehr hoch – ein konkreter Wert wurde indes nicht genannt.

Schröder erklärte, wie diese Statistik zustande gekommen sei. Von April bis Juni hätten Studenten an zehn Plätzen in der Stadt ausschließlich Erwachsene befragt, die nicht aus Wernigerode kämen. Die Antworten der 354 Schlossbesucher und 102 Wernigerode-Touristen, die das Museum nicht besichtigen wollten, böten die Grundlage aller Daten. Diese seien auch deshalb nicht repräsentativ, so schränkte Schröder ein, weil solche Befragungen üblicherweise im Verlauf eines kompletten Jahres vorgenommen würden. Auch Juranek musste einräumen, Angaben und Einschätzungen wichtiger Besuchergruppen fehlten, weil diese traditionell im Herbst sein Haus besichtigten.

Neu, so der Schlossherr, erstmals seien die meisten Gäste Sachsen-Anhalter, haben damit die Niedersachsen vom ersten Platz abgelöst. Die Besucher-Ränge drei und vier gehen an Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Gesunken ist in diesem Frühjahr der Anteil des internationalen Publikums, von zuletzt zehn auf knapp acht Prozent. Mit einer weiteren Überraschung, es gibt im Schloss immer mehr Russen.

Immer mehr Russen

Diesem Trend Rechnung tragend kündigte Juranek an, dass derzeit die ersten Texte mit Informationen über die Ausstellung im Museum ins Russische übersetzt würden. Ohnehin sei man in punkto Mehrsprachigkeit weithin ganz weit vorn : Führungen würden auf Englisch und Deutsch angeboten, " Erklär-Kopfhörer " sind mit englischen, holländischen und deutschen Erläuterungen auszuleihen, ab kommendem Jahr sogar auf japanisch. Und zusätzlich, so Juranek stolz, verfüge man auch über französische und spanische Texte.

Natürlich lieferte die Hochschule auch Kritik zutage : Die Erreichbarkeit in der Stadt und die Ausschilderung des Schlosses wurden bemängelt, mehr kindgerechte Angebote eingefordert, weniger häufig, aber dennoch gewünscht : mehr Parkplätze und ein geringerer Eintrittspreis. Apropos Erreichbarkeit : Die meisten Schlossbesucher sind inzwischen nicht mehr Bimmelbahn-Fahrer, sondern Fußgänger vom neuen Parkplatz am Lustgarten aus. Um auch Busreisegruppen wieder häufiger im Schloss begrüßen zu können, wirbt der Geschäftsführer für ein Projekt vergangener Jahre : Eine Standseilbahn vom Garagenhof in Nöschenrode hinauf zum Schloss. Eine Attraktion für den Stadtteil und sein Museum gleichermaßen, gibt sich Christian Juranek zuversichtlich.