Wernigerode ist um eine Attraktion reicher. In der Neustadt ist ein Ausstellungsraum entstanden, der mit der Geschichte des Bierbrauens in Wernigerode vertraut macht. Außerdem sollen spezielle Stadtführungen zu diesem Thema angeboten werden. Schon am Eröffnungstag gab es viel Anerkennung.

Wernigerode. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, am Sonnabend wäre er geliefert worden : Das Interesse der Wernigerode-Besucher an thematischen Führungen nimmt spürbar zu. Der Rundgang mit Gerda Hamel zu den " verborgenen Schätzen der Stadt " war schon Tage zuvor ausgebucht, so dass kurzfristig noch eine Führung durch Wernigerodes Höfe angesetzt wurde. Nun soll es bald ein neues Angebot geben.

Die Einheimischen und Gäste können sich " noch vor Weihnachten ", wie es aus der Tourist-Information heißt, mit der Wernigeröder Braugeschichte vertraut machen. Stadtführerin und Hotel-Geschäftsführerin Kerstin Nagy ist konkreter : " Ab 1. Dezember sind Besichtigungen geplant, ebenso Stadtführungen mit dem Bierbrauer sowie Vorträge zur Braugeschichte. " Somit gibt es zweierlei Offerten : Einmal wird Manfred Förster Vorträge im neuen Ausstellungsraum halten, zum anderen ein auf das Thema spezialisierter Stadtführer entsprechende Rundgänge unternehmen.

Beliebt : Stadtführung

zu speziellem Thema

Diese neuerlichen Offerten sind der Initiative einiger Wernigeröder zu verdanken, neben Kerstin Nagy und der kommunalen Tourismus-GmbH allen voran Manfred Förster. Einmal Bierbrauer, immer Bierbrauer, könnte man über ihn sagen. Er hatte 1962 bei Radeberger seinen Beruf erlernt. Nach Armeezeit und Studium wurde er 1968 bei Hasseröder Produktionsleiter und Braumeister. 1999, als er altersbedingt aus dem Betrieb ausschied, sagte er längst nicht adé. Das wandelnde Lexikon in Sachen Hasseröder stellt seinen Erfahrungsschatz weiter zur Verfügung, zum Beispiel als der Pavillon auf dem Betriebsgelände gebaut wurde. Nun vertritt er ehrenamtlich unter anderem das Unternehmen im Beirat des Vorstandes der Brau- und Malzmeister von Sachsen-Anhalt. Jetzt hat er ein weiteres Ehrenamt übernommen.

Während der Eröffnung des Ausstellungsraumes im ehemaligen " Kupperkeller " gab es reichlich Zustimmung zur Idee sowie viele interessante Begegnungen. Nicht nur, dass weitere Exponate als Leihgaben gebracht wurden, auch ehemalige Mitarbeiter fachsimpelten miteinander. Kommunalpolitiker wie Vizebürgermeister Andreas Heinrich, Ex-Oberbürgermeister Ludwig Hoffmann, Mitglieder des Stadtrates und von Wernigeröder Vereinen und Gesellschaften kamen ins Gespräch und lobten die Ausstellung. Zu bestaunen sind neben Gläsern, Fotos und Brauereigerät beispielsweise auch ein Haustrunkgefäß. Dazu hieß es beispielsweise, dass früher der Haustrunk im Betrieb getrunken werden musste, heute darf dieser nur zu Hause genossen werden.

Entdeckt : Haustrunk

im Wandel der Zeit

Zur Eröffnung der Ausstellung wurden weitere erfahrene Brauer begrüßt, beispielsweise Udo Müller, der von 1961 bis 1998 Firmengeschichte bei " Hasseröder " mit schrieb, ebenso Dieter Schröder, von 1960 bis 1997 Mitarbeiter des Betriebes, und schließlich Werner Lindner, der 1961 in dem Unternehmen begonnen hatte. Sie alle lobten, wie auch der heutige Geschäftsführer Rüdiger Rönisch, dass es neben der eindrucksvollen Ausstellung und zusätzlich zu den eigentlichen Brauereiführungen künftig Stadtführungen zur Geschichte des Bierbrauens in Wernigerode geben wird.

Erweitert : Museum und Veranstaltungsraum

" Diese Schulungen der Stadtführer beginnen bald ", ist Werner Förster zuversichtlich. So wird er zum Besten geben, dass das Hotel " Am Anger " schon 1744 Braurecht besaß, wie Kerstin Nagy nach Recherchen im Stadtarchiv herausfand. Daraufhin hatte sie im Mai die Idee, den längere Zeit ungenutzten Kupperkeller wieder touristisch zu nutzen.

Dank der Gebefreude vieler Wernigeröder, die dort einen Raum mit interessanten Exponaten schmückten, und der Investitionsfreude von Uwe Steinmann, Besitzer des Anger-Komplexes, wurde ein Raum in der ehemaligen Nachtbar mit moderner Beamertechnik für Vorträge ausgestattet. Jedermann, so hieß es, soll sich dort in gemütlicher Atmosphäre treffen können.