Gröbern / Langenweddingen

( ddp ). Es ist noch dunkel, als das Auto von Wolfgang Mengel in Gröbern ( Anhalt-Bitterfeld ) auf einen unbefestigten Weg in den Wald einbiegt und hält. Aus dem Kofferraum holt er ein Gewehr. Nun kann für ihn die Jagd beginnen. Wie er gehen in diesen Tagen zahlreiche Jäger in den Wäldern Sachsen-Anhalts auf Pirsch. Seit Anfang September ist Hauptjagdzeit für alle Wildarten.

Mengel ist einer von 11 000 Jägern, die im Landesjagdverband Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen sind. Die meisten von ihnen sind passionierte Hobby-Jäger, wie Verbands-Geschäftsführer Dietrich Kramer in Langenweddingen ( Landkreis Börde ) sagt. Der Nachwuchs komme oft aus Jägerfamilien, wo die Leidenschaft für dieses Hobby schon in frühen Jahren geweckt werde. Wer sich dafür entscheidet, müsse sechs bis neun Monate lang eine anspruchsvolle und nicht billige Ausbildung durchlaufen sowie drei Prüfungen bestehen.

In der Hauptsaison treffen sich auch mal größere Gruppen zum gemeinsamen Jagen in den Bundes- oder Landesforsten. Meist aber sitzen sie allein in der Dunkelheit auf dem Hochstand, den sie selbst gebaut haben, und warten auf das Wild. " Da kann man die Seele baumeln lassen und sich an der Natur erfreuen ", sagt Kramer. Geduld, das dürfte sicher sein, muss jeder Jäger aufbringen. Schließlich laufe ihm im Schnitt nur bei jedem zehnten Versuch ein Wildtier vor die Flinte.

Auch Mengel, der als ehrenamtlicher Kreisjägermeister für den Raum Anhalt-Bitterfeld verantwortlich ist, verbringt den Morgen allein auf seinem 15 Meter hohen Hochsitz. Von dort oben kann er die vor ihm liegende Lichtung genau überschauen. In der Mitte der Lichtung steht eine Plastikschale auf einem Baumstamm. Der Mais darin ist zum Anfüttern und soll die Wildschweine anlocken. " Wenn ich schon mal hier bin, will ich auch was erlegen, ansonsten könnte ich mir auch einfach einen Tierfilm anschauen ", sagt Mengel.

Wegen der Spaziergänger oder Fahrradfahrer, die dort häufig vorbeikommen, habe sich das Wild weiter ins Dickicht zurückgezogen und sei viel vorsichtiger geworden, sagt er. " Manchmal sitze ich hier stundenlang und kein einziges Tier kommt vorbei ", sagt der Jäger.

" Ich bin auf dem Land groß geworden, habe als kleiner Junge meinen Vater schon bei der Jagd begleitet ", erzählt der 52-Jährige. Seine Begeisterung für das Jagen habe er an seine Familie weitergegeben. Seine Frau sei auch Jägerin. Manchmal gingen sie gemeinsam auf Pirsch. Als ihre mittlerweile erwachsenen Kinder noch klein waren, hat Mengel sie oft in den Wald mitgenommen.

In dem 3012 Hektar großen Areal, für das der Kreisjägermeister die Verantwortung trägt, gibt es vor allem Rot-, Reh- und Schwarzwild. Mengel vernimmt einen Schuss aus der Ferne. Er ist somit nicht allein. Auch ein anderer versucht sein Glück bei der Jagd. " Wo man sitzt, sitzt man falsch. Das Wild ist immer woanders ", sagt er. Mengel wartet weiter, vielleicht laufen die aufgeschreckten Tiere nun in seine Richtung. Die Flinte hält er stets griffbereit.