Wernigerode. Was der " Baumeister Thomas Hilleborch " längst praktiziert, soll nun auch ein " Braumeister " oder " Bierkutscher " in Wernigerode tun : Touristen und Einwohner über Besonderheiten der Stadtgeschichte informieren. Denn, die bunte Fachwerkstadt mit ihrem schmucken von Hilleborch erbauten Rathaus " hat eine jahrhundertealte Brautradition ", weiß Kerstin Nagy. Die Hotelchefin ist auch als Stadtführerin sehr aktiv und bedauert : " Jedes Mal, wenn ich Besucher auf diese uralte Tradition hinweise, ist sie, mal abgesehen von Werbung an Gaststätten, im Stadtbild nicht erkennbar. "

Das soll sich nun ändern. Im ehemaligen " Kupperkeller ", der zum Hotel " Am Anger " gehört, entsteht gegenwärtig ein Museum zur Geschichte des Brauwesens in Wernigerode. Gleichzeitig soll regelmäßig ein Stadtrundgang zu diesem Thema angeboten werden, zumal es noch etwa 13 Grundstücke mit Braurecht gebe. " Unser Hotel in der Breiten Straße 92 gehört dazu ", sagt Kerstin Nagy. Eine Kopie der Urkunde von 1744 ist in einer Vitrine ausgestellt, daneben liegt eine Preistabelle von 1954. An einer verklinkerten Wand hängt die Brauordnung von 1707, aus heutiger Sicht sehr amüsant. " Das sind unsere ersten Raritäten, die wir morgen zum Tag der offenen Tür zeigen ", so die Wernigeröderin.

Von 14 bis 17 Uhr wird am Sonnabend der " Kupperkeller ", von 1992 bis 1996 eine beliebte Nachtbar, als kleines feines " Bier-Museum " erstmals wieder geöffnet. Zum einen, um die bislang " ziemlich mühsam zusammengetragenen Stücke " zu präsentieren, und vor allem, " um die Bürger für diesen Teil ihrer Stadtgeschichte zu begeistern ". Kerstin Nagy weiß genau, dass viele Einwohner in und um Wernigerode mit dem Bierbrauen verbunden sind. So erhofft sie sich auch, neue Zeitzeugnisse zur Verfügung gestellt zu bekommen, ob Schilder, Plakate, Etiketten, Bierflaschen, Gläser, Fotografien oder " einen ausgestopften Auerhahn ". Jeder, der einen Beitrag leisten möchte, werde mit einer kleinen Überraschung belohnt.

Herzlich willkommen seien alle Interessenten sowie ehemalige und aktuelle Mitarbeiter der Hasseröder Brauerei, die übrigens – wie auch die Tourismus GmbH – das Projekt unterstützt. " Mächtig geholfen " habe auch Manfred Förster, der langjährige Braumeister bei Hasseröder. " Er wird beim Tag der offenen Tür dabei sein, und hoffentlich viele seiner Ex-Kollegen auch ", wünscht sich Kerstin Nagy.