Bücher über die Harzer Schmalspurbahnen GmbH ( HSB ) gibt es inzwischen etliche. Eine Premiere ist hingegen ein Band mit dem Titel " Das Bahnbetriebswerk Wernigerode Westerntor ". Der Autor Dirk Endisch hat dessen Geschichte detailliert und umfangreich illustriert aufgearbeitet.

Wernigerode. Wie viele Eisenbahnbücher Dirk Endisch inzwischen selbst geschrieben hat, weiß er nicht so genau. Verlegt wurden von ihm bisher 49, sagt der gebürtige Langensteiner und heute in Stendal lebende Autor bei der Premiere seines neuesten Bandes " Das Bahnbetriebswerk Wernigerode Westerntor ".

Sie findet im wahrsten Sinne des Wortes am Ort des Geschehens statt. Zwischen Triebwagen und Dampfrössern gibt Endisch einen ausführlichen Einblick in die Historie der Betriebsstätte. Zuvor zeigt sich Matthias Wagener sichtlich stolz, diese bisher einmalige Publikation präsentieren zu dürfen. Der HSB-Geschäftsführer : " Seit 83 Jahren wird hier drin gearbeitet. " Am 1. Februar 1993 wurde das Bahnbetriebswerk von der HSB übernommen. Heute sorgen 45 Mitarbeiter dafür, dass der 17 Loks und über 100 andere Gefährte umfassende Fuhrpark gewartet bzw. repariert wird. Seit 1997 werden laut Wagener zudem jährlich zehn Lehrlinge ausgebildet.

Dirk Endisch spannt sodann den Bogen weit in die Vergangenheit hinein. Danach reichen die Ursprünge der Dienststelle zurück in das Jahr 1887. Damals nahm die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahngesellschaft ( GHE ) die Teilstrecke zwischen Gernrode und Mägdesprung in Betrieb. Im Juni 1896 wurde die Gründung der Nordhausen-Wernigeröder Eisenbahn-Gesellschaft ( NWE ) vollzogen. Das Unternehmen wuchs stetig weiter. Endisch : " 1916 verlegte die NWE die Betriebsleitung von Nordhausen nach Wernigerode. " Die vorhandene Werkstatt hatte bald darauf ihre Leistungsgrenze erreicht. Deshalb wurde am Bahnhof Westerntor ein Neubau mit Büros, Lackiererei, Tischlerei, Elektrowerkstatt und Schmiede errichtet, der am 20. Dezember 1926 feierlich eingeweiht werden konnte. Nach dem 2. Weltkrieg wurden GHE und NWE enteignet.

Am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn ( DR ) Harzquer-, Brocken- und Selketalbahn. Mit dem 1. Januar 1950 wurde aus der NWEHauptwerkstatt das Bahnwerk ( Bw ) Wernigerode Westerntor. Ihm unterstanden die Lokbahnhöfe Benneckenstein, Gernrode, Hasselfelde und Nordhausen Nord. Der Autor : " Mit rund 200 Beschäftigten war das Bw Wernigerode Westerntor eines der kleinsten Bahnbetriebswerke der Deutschen Reichsbahn. "

" Vor allem der

Dieseleinsatz kam

bisher zu kurz "

Dirk Endisch reiht in seinem Buch diese und viele andere Fakten mehr aneinander. Ergänzt wird der 160 Seiten starke Band mit 130 Fotos, 50 Tabellen und zehn Zeichnungen. Der Leser erfährt nicht nur, welche verschiedenen Lokomotiv-Baureihen auf den Strecken der heutigen Harzer Schmalspurbahnen ihren Dienst versahen bzw. versehen. Erwähnung finden auch Episoden, wie jene von Plänen der Reichsbahn, die Dampftraktion Ende der 80-er Jahre zu beenden. Nur durch die politische Wende in der DDR und die Wiedervereinigung wurden diese letztlich vereitelt.

Von der ersten Auswertung eines Betriebsbuches bis zur Veröffentlichung hat der Autor eigenem Bekunden nach zehn Jahre benötigt, für das Schreiben lediglich acht Wochen. Endisch : " Vor allem der Aspekt Dieseleinsatz kam bisher immer zu kurz. "

Matthias Wagener nimmt die Vorstellung zum Anlass, ein weiteres gemeinsames Projekt mit dem Wahl-Altmärker anzukündigen. Denn mit 125 Jahre Selketalbahn zwischen Mägdesprung und Gernrode 2012 und 20 Jahre HSB 2011 steht gleich ein doppeltes Jubiläum ins Haus. Der Geschäftsführer : " Es werden deshalb zwei Bände sein. "

Dirk Endisch zeigt sich zuversichtlich, den geplanten Erscheinungstermin im November 2011 einzuhalten. Mit bisher unveröffentlichtem Material. So wurde z. B. über die Selketalbahn noch längst nicht alles offengelegt. Endisch : " Aus politischen Gründen. "