In diesem Jahr feiert die Wernigeröder Thomas-Müntzer-Sekundarschule ihr 100-jähriges Bestehen. Seit ihrer feierlichen Einweihung am 24. April 1909 hat die Einrichtung eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Die Harzer Volksstimme hat anlässlich des Jubliläums in der Schulchronik geblättert.

Wernigerode. Zur großen Freude der Kinder fand am 1. Juni 1949 eine einmalige Ausgabe von " Marmeladen-Gutscheinen " in der Thomas-Müntzer-Schule statt. Der Hintergrund : Jedem Schüler wurden für jeden nicht versäumten Unterrichtstag 5 Gramm Marmelade angerechnet. Mit dem Schulstempel versehen, konnten diese Gutscheine in bestimmten Konsumgeschäften eingelöst werden. So durfte ein Schüler, der im Mai nicht gefehlt hatte, mit 125 Gramm Marmelade nach Hause gehen.

Informationen über die 50 er und 60 er Jahre fallen in der Schulchronik eher spärlich aus. Lediglich besondere Neuerungen und außergewöhnliche Ereignisse sind aufgeführt. An dieser Stelle ein Auszug :

• 1949 / 50 Einrichtung der Schulbücherei

• 1952 / 53 Installation einer Lautsprecheranlage, deren Zentrale sich im Zimmer des Direktors befand. In jedem Klassenraum wurden Lautsprecher angebracht, so dass der Schulleiter Informationen selbst an die Schüler weiterleiten konnte.

• Der Milchverkauf an der Schule begann. Im Angebot : Vollmilch ( 40 Pfennig der Viertelliter ), Kakao ( 50 Pf. ) und Buttermilch.

• Am 22. März löste sich der große Kronenleuchter von der Decke der Aula und stürzte herab. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden.

• Die bisher achtklassige Schule wurde am 3. September 1955 die erste " Mittelschule " in Wernigerode : Zuerst wurden nur zwei 9. Klassen eingerichtet. Schon im folgenden Jahr lernten die Schüler dort bis zum Abschluss der 10. Klasse. Mit dieser Belegung war die Schule voll ausgelastet : 41 Lehrer unterrichteten in 30 Klassen.

• Im Jahr 1959 wurde die Einrichtung in " Polytechnische Oberschule Thomas Müntzer " umbenannt – die erste POS im Kreis Wernigerode.

Anerkennung erlangten die Müntzer-Schüler in den 50 er und 60 er Jahren bei Schrottund Altstoffaktionen, galten sie doch als sehr fleißige Sammler. So kamen laut alten Aufzeichnungen im Jahr 1954 insgesamt 24 Tonnen Schrott und 440 Kilogramm Buntmetall sowie 1955 / 56 fünf Tonnen Papier, drei Tonnen Lumpen, drei Zentner Knochen und 111 Tonnen Schrott zusammen.

Der Erlös der Sammelaktion ging sicherlich auch in die Anschaffung von Lehrmaterialien mit ein. Überhaupt waren Schüler wie Lehrer in der Zeit sehr ideenreich, wenn es um die Finanzierung von Anschaffungen ging. Beispielsweise beim Bau des Lehrschwimmbeckens im Schulkeller ( Baubeginn 9. Oktober 1957 ). Das Geld dafür stammte von Altstoffsammlungen und Ernteeinsätzen der Schüler und Lehrer. Zudem musste jeder Lehrer einen Quadratmeter Fliesen bezahlen oder zumindest beim Anbringen der Fliesen helfen.

Jeder Lehrer musste für die Fliesen bezahlen

Im Schuljahr 1959 / 60 fertigten die Kinder Lehrmaterial im Wert von 1690 DM an – heißt es in den Schuldokumenten. Darunter 60 Biologie-Experimentiersätze, ein Experimentierraum, Montage und Einbau eines Aggregats sowie Nähen von Gardinen für die neu eingerichteten Horträume.

" Die Müntzer-Schule hatte schon immer eine Vorreiterrollen in der Stadt und auch im Kreis inne ", schätzt der heutige Schulleiter Helfred Hauk ein. Das habe sich bis heute fortgesetzt. So nahm in der Einrichtung eine der ersten Schulsozialarbeiterinnen Sachsen-Anhalts ihre Arbeit auf. Seit 2000 gibt es in der Thomas-Müntzer-Schule gemeinsam mit Unternehmen der Region die Praxistage, die den Mädchen und Jungen die Möglichkeit geben, in bestimmte Berufe hineinzuschnuppern. Die Schule brachte auch die Bundesieger im Schülerkochwettbewerb hervor, einen Karate-Doppelweltmeister und einen Vize-Bundesmeister im Slalomski.