Mit deutlicher Mehrheit haben Wernigerodes Stadträte gestern Abend entschieden, das Schanzenhaus nicht zu kaufen. Pläne des Oberbürgermeisters sahen vor, das insolvente Hotel als Jugendgästehaus samt Sportinternat fortzuführen. Weil CDU und Linke das Projekt abgelehnt haben, wird ein Makler das Schanzenhaus für 630 000 Euro kaufen.

Wernigerode. Die Abstimmung zum Schanzenhaus geriet zur nicht unerwarteten deutlichen Schlappe für Peter Gaffert. Allein die SPD-Fraktion hat gestern Abend zugestimmt, das Hotel aus der Insolvenzmasse kaufen zu wollen. Wie die Volksstimme aus Kreisen der Stadträte erfuhr, hätten die beiden großen Fraktionen CDU und Linke quasi geschlossen den Daumen über der Gaffert-Vorlage gesenkt. 24 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen bedeuten gegenüber 14 Zustimmungen insgesamt ein deutliches Nein zum Hotelkauf.

Wernigerodes Rathauschef bestätigte auf Nachfrage am Donnerstagabend, der Stadtrat habe seinen Vorschlag abgelehnt. Daher werde er nicht erneut das Recht in Anspruch nehmen, einem Hotelverkauf an einen meistbietenden Bewerber zu widersprechen. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen Wernigeröder Immobilienmakler handeln, der 630 000 Euro geboten habe.

Gaffert äußerte sein Bedauern darüber, dass es eine Ratsmehrheit gibt, die seiner Auffassung nach Entwicklungspotenzial für Wernigerode vergeben habe. Der Wirtschafts- und Tourismusort hätte als Sportstadt ein zusätzliches positives Bild vermitteln können, das bundesweit beachtet worden wäre. Das Konzept einer aktiven Ski-Nachwuchsförderung im Zwölfmorgental sei mit dem Ratsbeschluss nicht mehr unter der aktiven Beteiligung der Stadt umzusetzen.

Der parteilose Oberbürgermeister schätzte ein, eine Stadt mit ausgeglichenem 65-Millionen-Euro-Etat müsse in der Lage sein, rund 600 000 Euro für eine Chance auf Stadtentwicklung zu investieren. Zumal seine Idee gewesen sei, die Summer für den Hotelkauf über einen langjährigen Pachtvertrag für das Jugendgästehaus nahezu wieder einzunehmen. Zugleich hätten erhebliche Ausgaben gespart werden können, da sich das Gästehaus in Hasserode in einem sehr sanierungsbedürftigem Zustand befi nde.

" Bin verwundert über eine sprachlose CDU

Wie Gaffert erklärte, sei er weniger über die nicht zu übersehende Eintracht von CDU und Linke im Stadtrat verwundert, sondern über die Sprachlosigkeit speziell der Christdemokraten. Sie hätten einerseits in der Öffentlichkeit Betreiberkonzepte und zusätzliche Informationen eingefordert, sich andererseits in der nichtöffentlichen Ratssitzung jeglicher Meinungsäußerung entzogen. Ein Wettstreit der Argumente sei so jedoch nicht möglich.

Wie der Oberbürgermeister zudem beklagte, seien belastbare Zusagen selbst von der Bundesebene des deutschen Skisport im Sinne einer Entwicklung für Wernigerode und den Harz nicht anerkannt worden. Gafferts Auffassung nach habe eine Mehrheit der Stadträte nicht zum Wohle Wernigerodes entschieden.