Blankenburg. Eine in dieser Form wohl nicht mehr zu sehende Ausstellung mit Ansichtskarten des Kleinen Kreuzers Emden sowie Büchern, Dokumenten, Zeitungsausschnitten und persönlichen Gegenständen seines legendären Kapitäns Karl von Müller ( 1873-1923 ) geht morgen im Keller des Blankenburger Rathauses zu Ende. Die Schau, zusammengetragen von Harry Boog aus Isernhagen sowie geschichtsinteressierten Blankenburgern, erinnert in eindrucksvoller Weise an einen Ehrenbürger der Stadt.

Karl von Müller führte nach Beginn des Erstes Weltkrieges mit seinem Schiff Kreuzerkrieg im Indischen Ozean, war aber aufgrund seiner Ritterlichkeit und Tapferkeit bei seinen Gegnern hoch geachtet. Bereits 1913 hatte von Müller das Haus Kreuzstraße 19 in Blankenburg gekauft. Nach seinem Abschied von der Marine 1919 wurde er in der Harzstadt sesshaft. Allerdings zog es ihn in die Politik, und er wurde Abgeordneter des Braunschweiger Landtages. Sein Grab befi ndet sich noch heute auf dem Waldfriedhof in Blankenburg, wo er unter gro ßer Anteilnahme der Bevölkerung 1923 beigesetzt worden war.

Den Ruhm von Müllers und seines Schiffes begründete außerdem eine abenteuerliche Geschichte : Bei dem Versuch, auf den Kokosinseln eine Kabelstation der Engländer zu zerstören, wurde die Emden am 9. November 1914 vom australischen Kreuzer HMAS Sydney überrascht und kampfunfähig geschossen. 202 Männer gerieten dabei in Gefangenschaft, darunter auch Karl von Müller. Die Handvoll Soldaten, die sich auf den Inseln verstecken konnten, schlugen sich danach auf abenteuerliche Art über Java und Istanbul bis nach Berlin durch.

" Jedes neue Besatzungsmitglied muss zuerst diese Geschichte der Emden lernen ", bemerkte Fregattenkapitän Ulrich Brosowsky bei der Eröffnung der Ausstellung vor drei Wochen. Er ist Kommandant der heutigen Emden – der fünften Fregatte mit diesem Namen. Auch sie fühlt sich der Tradition in besonderer Weise verpflichtet. Als einziges Schiff der Bundesmarine trägt die Emden das Eiserne Kreuz. Gebaut vor immerhin 26 Jahren als " Schiff des Kalten Krieges ", wie Brosowsky anmerkte, hat sich ihr Einsatzgebiet inzwischen stark verändert : Nach ihrer Reparatur wird die Emden ab 2010 ein drittes Mal am Horn von Afrika kreuzen, um Handelsschiffe vor Piratenüberfällen zu schützen.