Königshütte ( bfa ). Wie viele Male der alte Herr in den letzten 20 Jahren schon hier im Harz war, kann Joachim Bergmann aus Helmstedt in Niedersachsen gar nicht sagen. " Ich hab ‘ s nicht gezählt ", erklärt der 69-Jährige gestern am Straßenrand bei Königshütte.

Denn dort machte der Tagestourist kurz Station, obwohl kein Gasthaus in der Nähe zu sehen ist. Der Grund war ein anderer : Kühe, braune Harzkühe. Sie weiden friedlich auf dem an diesem Vormittag sonnenüberfluteten Wiesenhang. Im Hintergrund eine frisch sanierte Villa in gelb-weiß, das Haus " Waldesruh " des Mutterhauses, in dem Schwestern und Pflegebedürftige ihren Lebensabend verbringen. Minutenlang hält der Gast seine kleine Kamera auf die Landschaft. " So schön, da konnte ich nicht widerstehen. Ich will nachher auch noch nach Tanne, vieleicht Harzkuhprodukte kaufen ", sagt er und erzählt, dass er regelmäßig den Harz durchstreift. Mit dem Auto oder zu Fuß.

" Gleich als ich damals in Helmstedt hörte, die Grenze ist auf, habe ich mir eine Landkarte besorgt, und dann sind wir auch bald losgefahren ", berichtet der Harzfreund. Vor allem das ehemalige Braunschweiger Land des früheren Kreises Blankenburg habe es ihm angetan. " Ich bin die ganzen alten Grenzen abgewandert, habe überall die Grenzsteine gesucht und oft gefunden ", so der rüstige Senior voller Stolz. Er wanderte dabei auch um den Regenstein bei Blankenburg – " das war vielleicht ein Marsch !". Und er kam bis Allrode : " Dort wollte mir ein Förster gar nicht sagen, wo noch braunschweigische Grenzsteine sind, er dachte wohl, ich will sie ausgraben ", blickt der Grenzgänger guten Willens zurück. Aber auch den Brocken und die anderen Sehenswürdigkeiten der Region besuche er gern und auch künftig weiter. " Ich komme wieder, so lang dat gait ", meint der Mann und fährt ab in Richtung Tanne. Wohlwissend, dass die braunen Harzkühe und seine geliebten Besuche vor 21 Jahren noch schier unvorstellbar waren.