Das Vereinsheim der Wernigeröder Angler und Naturfreunde dient derzeit als Schulungsstätte. 37 künftige Fischereiaufseher aus ganz Sachsen-Anhalt bereiten sich an zwei Wochenenden auf ihre für den 24. Oktober angesetzte schriftliche Abschlussprüfung vor. Die Teilnehmer müssen weitaus mehr können als manch einer vermuten mag.

Wernigerode. Allgemeines Fischereirecht und spezielles Fischereischutzrecht, die Aufgaben der Wasserschutzpolizei, Polizei- sowie Straf- und Prozessrecht, Fischseuchenrecht und die praktische Fischereiausübung : Das sind die Fächer auf dem Stundenplan von 37 angehenden Fischereiaufsehern im Domizil der Angler und Naturfreunde in Wernigerode.

An den beiden vergangenen Wochenenden bereiteten sich die von Vereinen aus ganz Sachsen-Anhalt stammenden Petrijünger auf ihre zweistündige schriftliche Abschlussprüfung am Sonnabend, 24. Oktober, vor. Geleitet wird der jeweils von 9 bis 18 Uhr dauernde Lehrgang im Heim Am Fischerhof von Hermann Stahnke. Der Fischereiberater der Kreisverwaltung Harz hat viel Zeit für die Vorbereitung investiert. Nach 1998 ist es das zweite Mal, dass diese Fortbildung in der bunten Stadt am Harz ausgerichtet werden kann. Der 75-Jährige : " Unser ausdrücklicher Dank gilt deshalb dem Verein der Angler und Naturfreunde für die Bereitstellung der Räume. Das trägt wesentlich zum guten Gelingen bei. "

Laut Stahnke sind die Teilnehmer zwischen 20 und 60 Jahre alt, die meisten aber so um die 40. Der Wernigeröder : " Erfreulich, das viele jüngere dabei sind. Das ist schon schön. "

" Das müssen Respektspersonen sein "

Fischereiaufseher tragen eine hohe Verantwortung, betont der Experte. Deshalb müssen sie ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können. Immerhin überwachen die Petrijünger die Einhaltung der Richtlinien des Fischereigesetzes von Sachsen-Anhalt. Dabei kontrollieren sie nicht nur Fischereischeine und Berechtigungskarten, sondern kümmern sich um alles, was im Zusammenhang mit einem Gewässer steht. Hermann Stahnke : " Das müssen Respektspersonen sein !" Dazu reicht es nicht, einfach nur präsent zu sein. Fachliche Kompetenz und persönliche Ausstrahlung sind in jedem Fall die entscheidenden Kriterien.

Dafür sind die Aufseher auch mit einigen Kompetenzen ausgestattet, ergänzt Matthias Winkelmann. Der 39-Jährige ist verantwortlich für den Fischereischutz innerhalb der Pachtgemeinschaft Bodetalsperren. Winkelmann : " Das reicht von der Feststellung der Personalien bei Verstößen bis hin zur Anzeigenerstattung und Sicherstellung von Angelgeräten. " Ebenso kann Amtshilfe durch die Polizei angefordert werden.

Allein im Landkreis Harz gibt es derzeit etwa 30 Vereine mit rund 2500 Mitgliedern. Hinzu gesellen sich viele nichtorganisierte Petrijünger, die den Fischereischein besitzen und mit Tageskarten ihrem Hobby frönen. Um die 35 bis 40 Aufseher sorgen dafür, das auf den ungefähr 650 Hektar bewirtschafteten Gewässern alles seine Ordnung hat. Deshalb, so sind sich Stahnke und Winkelmann einig, ist es überaus wichtig, kontinuierlich Nachwuchs auszubilden.

" Wenn die Hälfte dabei bleibt, dann ist das gut "

Was die bevorstehenden Abschlussprüfungen durch die Obere Fischereibehörde im Landesverwaltungsamt anbelangt, dürften die künftigen Hüter der Seen, Teiche und Talsperren gut darauf vorbereitet sein. Dafür stehen schon die hochrangigen Referenten, wie der Verfasser des Fischereigesetzes für das Land Sachsen-Anhalt, Dr. Dietrich Meyer-Ravenstein.

Welche Fragen die Männer erwartet, verrät Hermann Stahnke natürlich noch nicht. Nur soviel : " Es geht darum, das man erkennt, dass derjenige es verstanden hat. "

Matthias Winkelmann weiß dazu aus Erfahrung : " Wenn bei einem Lehrgang die Hälfte dabei bleibt, dann ist das gut. "