Das Robert Koch-Institut soll bis 2010 zu einem " Bundesinstitut für die Gesundheit der Bürger " ausgebaut werden. Die Berliner Behörde verfügt in Wernigerode über ihre einzige Außenstelle. Der SPD-Politiker Andreas Steppuhn hat beim Institutspräsidenten Prof. Dr. Jörg Hacker nach der aktuellen Situation gefragt. In seiner Antwort zeichnet er für den Harzer Wissenschaftsstandort eine positive Perspektive auf.

Wernigerode. Spätestens seit die sogenannte Schweinegrippe weltweit die internationalen Schlagzeilen beherrscht, sorgen sich Menschen um ihre Gesundheit und fragen verstärkt nach, wie sie sich gegen gefährliche Krankheiten schützen können. Einen anerkannten Beitrag im Gesundheitsschutz leistet das Robert Koch-Institut. Seit 1991 unterhält die zum Geschäftsbereich des Bundes-Gesundheitsministeriums gehörende Behörde in Wernigerode eine Außenstelle.

Diese zeigt sich derzeit personell und fi nanziell ausgestattet wie seit vielen Jahren nicht mehr präsentiert. Der SPDBundestagsabgeordnete Andreas Steppuhn zur Volksstimme : " Das Wernigeröder Robert Koch-Institut ist in seinem wissenschaftlichen Kampf gegen Krankenhausinfektionen und Antibiotika-Resistenzen deutlich gestärkt worden. "

Diese Einschätzung konnte der Parlamentarier treffen, nachdem er sich bei Prof. Dr. Jörg Hacker nach dem aktuellen Stand im Harz erkundigt hatte. Der Institutspräsident habe mitgeteilt, " bis 2011 werden zusätzlich 147 Personalstellen im wissenschaftlichen, technischen und administrativen Bereich neu besetzt sein. " Das stärke sein Haus nachhaltig und versetze es in die Lage, " neuen gesundheitlichen Herausforderungen kompetent und effizient zu begegnen ".

Wissenschaftsbereich

deutlich gestärkt

In zwei Jahren soll das Robert Koch-Institut zu einem " Bundesinstitut für die Gesundheit der Bürger ", zu einem Nationalen Gesundheitszentrum ausgebaut werden. Von diesem Projekt profitieren auch die Wernigeröder, so Steppuhn. Eine direkte Folge des Institutsausbaus sei, dass im Harz weitere sechs Stellen für Wissenschaftler und drei für technische Mitarbeiter geschaffen wurden. " Der Anteil der Wissenschaftlerstellen, der Anfang 2008 in Wernigerode bei 22 lag, beträgt aktuell 39 Stellen. Einschließlich des Personals, das durch eingeworbene Drittmittel in Höhe von 800 000 Euro befristet eingestellt werden konnte ", heißt es in einem Schreiben von Prof. Dr. Hacker an Steppuhn. Der Präsident voller Stolz : " Das bedeutet in diesem Bereich eine Zunahme um fast 80 Prozent. " Er verweist zudem darauf, dass zwei der drei wissenschaftlichen Nachwuchs gruppen des Instituts in Wernigerode etabliert worden sind. Für die fachliche Qualität des Harzer Forschungsstandorts spräche zudem, dass von den bundesweit 14 sogenannten Nationalen Referenzzentren zwei der fünf Zentren am Robert Koch-Institut in Wernigerode tätig sind.

Die Nachfrage Steppuhns kommt nicht von ungefähr. Der Politiker besuchte im April 2008 mit dem Parlamentarischen Gesundheits-Staatssekretär Rolf Schwa nitz ( SPD ) das mehr als 60 Jahre alte Institut in Wernigerode, das zu DDR-Zeiten als Institut für Experimentelle Epidemiologie fi rmierte. Vor mehr als einem Jahr hatte die Berliner Institutsspitze vor Ort betont wie wichtig ihre Dependance im Harz sei. Seinerzeit waren dort 75 Mitarbeiter beschäftigt.

Tiefpunkt im Jahr 2005, nur 64 Mitarbeiter

2003 war in Wernigerode ein für 25 Millionen Euro von Grund auf erneuertes, modernisiertes und erweitertes Wissenschaftsgebäude übergeben worden, das Arbeitsbedingungen für 100 Beschäftigte bietet. Kaum zwei Jahre später war die Forschungsstätte in die Schlagzeilen geraten. Im Berliner Robert Koch-Institut war laut überlegt worden, die Harzer Außenstelle aus generellen Kostengründen zu schließen. Daraufhin musste CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer gegenüber Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ( SPD ) intervenieren. Seinerzeit gab es gerade noch 64 Mitarbeiter, 1991 waren im Harz hingegen 88 Frauen und Männer tätig.

Ihre fachlichen Forschungsschwerpunkte sind Krankenhausinfektionen, Infektionen der zunehmend älter werdenden Bevölkerung sowie der Einfl uss des Klimawandels / Tourismus auf Infektionskrankheiten. Heute, so berichtete Andreas Steppuhn durchaus zufrieden, könnten in Wernigerode inzwischen knapp 100 Beschäftigte " für ihre wissenschaftlichen Arbeiten die hervorragenden Bedingungen nutzen ".