Die fünf Bundestagskandidaten Undine Kurth, Elke Reinke, Heike Brehmer, Andreas Steppuhn und Wolfgang Döcke standen am Dienstag im Gymnasium " Am Thie " mehr als 100 Jugendlichen Rede und Antwort. In diesem Forum konnten sich vor allem die Erstwähler unter ihnen ein Bild von den Kandidaten, ihren Vorstellungen und Zielen verschaffen.

Blankenburg. Eine etwas andere Sozialkundestunde erlebten am Dienstag mehr als 100 Schüler der Klassen 9 bis 12 im Gymnasium " Am Thie ". Sie hatten die Möglichkeit, fünf Kandidaten, die sich am 27. September um ein Direktmandat für den Deutschen Bundestag bewerben, kennenzulernen, sich über deren persönliche und politische Erfahrungen, Ziele und Vorstellungen zu informieren. Mit dabei waren neben den drei bereits im Bundestag vertretenen Mitgliedern Undine Kurth ( Bündnis 90 / Die Grünen ), Elke Reinke ( Die Linke ) und Andreas Steppuhn ( SPD ) auch zwei Neulinge : Heike Brehmer ( CDU ) und Wolfgang Döcke ( FDP ). Sie hatten es neben den rhetorisch geschulten Politikprofis sichtlich schwer, ihre Positionen zu verdeutlichen.

Immerhin einte ein Thema alle fünf Bewerber über die Parteigrenzen hinweg : die Bildungspolitik. Angestoßen hatte das Thema Sozialkundelehrer Karl-Heinz Meyer, der die Runde moderierte. " Das Mitwirkungsverbot des Bundes ist vollkommen falsch ", meinte Undine Kurth. Neben der Quedlinburgerin sprachen sich auch Elke Reinke, Andreas Steppuhn und Heike Brehmer gegen die " Kleinstaaterei " aus. Wolfgang Döcke : " Die derzeitige Situation ist unverantwortlich. Bildung ist unteilbar, wie die deutsche Sprache. "

Für Paul Weidner war die Befürwortung eines zentralistischen Bildungssystems über alle Parteigrenzen hinweg doch überraschend. " Wenn das im Sinn des Volkes ist, aber es doch nicht gemacht wird, das kann doch nicht sein ", meinte er. " Das ist das Problem der Politik ", entgegnete Andreas Steppuhn, der auf eine geplante Grundgesetzänderung verwies, die aber auch von den Ländern mitgetragen werden müsse. " Die Länder würden sich damit aber selbst überflüssig machen ", warf Wolfgang Döcke ein. Undine Kurth sagte deutlich : " Politik ist das Finden von Kompromissen. "

Lukas Horn meinte, dass die Jugend von der Politik etwas vernachlässigt und zu wenig für die Integration ausländischer Mitbürger getan werde.

Elke Reinke plädierte daraufhin für die Schaffung von Kinder- und Jugendparlamenten und empfahl den Jugendlichen,

sich selbst einzumischen : " Ihr müsst selbst aktiv werden und nicht nur wählen gehen, sondern Euch auch wählen lassen. " Andreas Steppuhn verwies darauf, das Sachsen-Anhalt die geringste Ausländerquote Deutschlands habe. " Dies bietet die beste Möglichkeit für Integration. Nur müssen wir die Menschen auch so ansiedeln, dass keine Cliquen entstehen. "

Das sah Toni Sorowka anders und fragte, ob eine Integration ausländischer Mitbürger nicht einfacher sei, wenn es mehr wären, da sie dann auch von der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen würden. Diese Ansicht konnten die Bundespolitiker mit ihm aber nicht teilen.

Außerdem wollte er wissen, wieso Quedlinburg 10, 9 Millionen Euro bekommt und das Blankenburger

Schloss eine Million Euro. Zum einen stamme das Geld aus unterschiedlichen Förderprogrammen. Zum anderen müssten Prioritäten gesetzt werden, erläuterte Undine Kurth. Und da sei das Weltkulturerbe Quedlinburg, das auf einer Stufe mit den Pyramiden von Gizeh und dem Kölner Dom stehe, höher einzustufen.

Kevin Lutze sprach das Thema der Schülerbeförderung an. " Wieso muss ich im Monat 60 Euro dafür bezahlen, dass ich hier zur Schule gehen darf ?", fragte er. Karl-Heinz Meyer spitzte es sogar zu : " Müssen dann nicht auch Bundes-

Afghanistan-Aufenthalt bezahlen ?"

Heike Brehmer informierte, dass der Landtag jüngst beschlossen habe, dass die Schülerbeförderung komplett übernommen werde. " Es müssen alle Schüler gleich behandelt werden ", sagte sie. Andreas Steppuhn verwies auf das Wahlprogramm seiner Partei, die sich generell für kostenfreie Bildung einsetze. Elke Reinke forderte sogar kostenfreies Essen und ein Bafö G, das unabhängig vom Taschengeld der Eltern ist. Undine Kurth setzte sich für die Abschaffung von Studiengebühren ein und ein Bafö G, " von dem man leben kann ". Auch die Beförderung von Berufsschülern solle kostenfrei sein. Wolfgang Döcke meinte, dass man " nicht nur über die Verteilung von Wohltaten reden müsse, sondern auch, wie wir es machen ".

Für Mareike Wendenburg ist es ein Widerspruch, dass die Menschen die Umwelt schonen sollen, aber eine Bus- und Bahnfahrt immer noch teurer ist, als das Auto.

Das sah Undine Kurth genauso. Sie sprach sich für eine Steuersenkung für den Öffentlichen Nahverkehr aus. " Wir dürfen nicht dafür sorgen, dass man zum Taxi tarif fl iegen kann ", so die Politikerin.

Für Paul Weidner ist es außerdem unverständlich, dass die Politiker davon reden, in Bildung investieren zu wollen, aber die Bildung der erste Bereich ist, an dem gespart werde. Steppuhn : " Wir wollen nicht sparen, sondern in die Köpfe investieren. "

Zum Abschluss des Forums warben alle fünf Kandidaten bei den Jugendlichen, sich die Parteiprogramme genau anzuschauen. " Was wurde geleistet und was haben wir zu erwarten, wie es in Zukunft weitergehen soll ", so Elke Reinke. Wolfgang Döcke bat die Gymnasiasten darum, wählen zu gehen und Freunde, Familienmitglieder und Verwandte für die Wahl zu mobilisieren. " Aus Sachsen-Anhalt muss auch ein deutliches Signal kommen : Wir wollen rechts nicht. "