Endspurt beim Thema Gebietsreform : Am 27. September sollen die Derenburger entscheiden, ob sie künftig in einem Blankenburger, Halberstädter oder Wernigeröder Ortsteil leben. Am 15. September stellen drei Bürgermeister ihre Städte vor, bereits jetzt vergleicht eine Art Flugblatt die drei Orte. Und auch das sorgt inzwischen in Derenburg für mächtigen Ärger.

Derenburg / Wernigerode.

" Das ist doch eine Verdummung der Derenburger in höchster Potenz !" Kathrin Albert nimmt am Volksstimme-Lesertelefon kein Blatt vor den Mund. Die Derenburgerin hat in ihrem Briefkasten einen Zettel vorgefunden, " Informationen für die Anhörung zur Gebietsreform " steht darauf. In 17 Kategorien werden dabei die " Angebote " von Blankenburg, Halberstadt und Wernigerode an die Derenburger miteinander verglichen. Was Kathrin Albert so erzürnt, ist die Tatsache, dass unter der Rubrik Wernigerode immerhin 16 mal aufgeführt steht " keine Angabe ". Lediglich beim Buslinien-Vergleich ist aufgelistet " vorhanden ". Dafür ist zu lesen, dass Blankenburg und Halberstadt beispielsweise Derenburgs Wald und Wohnungen nicht verkaufen, das Standesamt weiter unterhalten sowie Kindertagesstätte, Schule, Feuerwehr und Freibad in ihrem künftigen Ortsteil wohl auf Dauer erhalten wollen.

Die Derenburgerin unterstellt den Autoren des Flugblatts, deren Ablehnung von Wernigerode und ihre Bevorzugung Blankenburgs könne man ganz leicht nachlesen. " Woher kommt eigentlich der Frust auf die Veckenstedter ?", will die Leserin wissen. Sollte es mit Derenburg endlich wirtschaftlich bergauf gehen, führe kein Weg an einer Eingemeindung durch Wernigerode vorbei, schätzte sie ein. Kathrin Albert stört übrigens auch, dass dieses " Info-Flugblatt " ohne Impressum und damit anonym verfasst worden sei.

Dazu erklärte Hannelore Striewski als Chefin der Nordharzer Verwaltungsgemeinschaft : " Wir haben diese Schrift genauso verfasst, wie es der Derenburger Rat beschlossen hat. " Ihre Verwaltung habe deshalb nicht im Wernigeröder Rathaus die fehlenden Angaben abgefordert, " weil wir dazu keinen Auftrag hatten ".

Zum Derenburger " Info-Flugblatt ", das auf Wernigeröder Angaben verzichtet, sagte der Bürochef von Oberbürgermeister Peter Gaffert, Andreas Meling : " Von uns hat niemand Vergleichsdaten erbeten. Angaben wie Hunde- oder Gewerbesteuer sind allerdings von jedem ganz leicht einzuholen. "

Keine Daten erbeten

Dass die Wernigeröder bislang nicht über die Derenburger Eingemeindung verhandelt hätten, begründete Meling mit dem Hinweis auf das fehlende politische Mandat. Wernigerodes Hauptausschuss wolle sich am 9. September erstmals mit diesem Thema befassen, der Stadtrat dann am 17. September. Werde Oberbürgermeister Peter Gaffert am 15. September in Derenburg an der Informationsveranstaltung teilnehmen, dann könne der Wernigeröder Rathauschef mit konkreten Aussagen aufwarten. Meling räumte allerdings auch ein, die Zurückhaltung Wernigerodes sei kein Vorbehalt gegenüber den Derenburgern, sondern allein aus Sorge um die Leistungskraft der Stadt.

Derenburgs Bürgermeister Reinhardt Brand verhehlte gestern nicht, dass für ihn der Wernigeröder Eingemeindungszug bereits abgefahren sei : " Uns läuft die Zeit davon, sonst droht Derenburg die Zwangszuordnung. Mit Blankenburg und Halberstadt haben wir als Stadtrat mehrfach und intensiv verhandelt, da liegen unterschriftsreife Verträge vor. Nur von Wernigerode kam wirklich nichts ", schätzte der Derenburger ein. Man habe eigens vor 14 Tagen noch einmal nachgehakt, so Brand, auch wegen des Info-Blatts, aber ohne jegliche Reaktion. " Alle unsere Versuche zur Kontaktaufnahme wurden mit dem Hinweis abgeblockt, dass sich dazu erst der Wernigeröder Stadtrat positionieren müsse ", berichtete der Bürgermeister.

Ein unfaires Spiel

Dieses Verhalten kritisierte Brand als " unfaires Spiel ". Eine einzige noch so kleine offizielle Stellungnahme hätte genügt, um die Position der Wernigeröder zu erfahren. Da dies bis jetzt ausgeblieben sei, habe man gar nicht anders handeln können als die Wernigeröder Info-Spalte auf dem Informationsblatt quasi unausgefüllt zu lassen. Wer sich jedoch jeglicher Verhandlung verweigere, könne nicht erwarten, dass man sich seine Informationen dann von anderer Stelle besorge, betonte Brand.

Dass das Flugblatt keinerlei Hinweis auf den Verfasser enthalte, dazu erklärte der Bürgermeister : " Das ist von uns wohl vergessen worden. " Man habe aber angekündigt, es werde eine Bürgerinfo geben …