Die Diskussion um den Kauf des Hotels " Schanzenhaus " durch die Stadt Wernigerode hält an. Während die vier Fraktionschefs vor Wochenfrist gegenüber der Volksstimme ein schlüssiges Konzept vermisst haben, scheint es so etwas inklusive der Belange des Ski-Klubs inzwischen zu geben. Ein bis dato ungenannter Interessent hat sich bei der Harzer Volksstimme zu Wort gemeldet.

Wernigerode. Thomas Konietzko heißt der neue Eigentümer des Aktivhotels " Schanzenhaus ". Das erklärte Konietzko selbst gegenüber der Harzer Volksstimme. Er habe zuvor unter mehreren privaten Investoren mit 550 000 Euro das höchste Gebot zum Erwerb der Immobilie im Wernigeröder Zwölfmorgental abgegeben und den Zuschlag erhalten. Gleichzeitig, so der 45-J ährige, " habe ich erläutert, dass ich kurzfristig einen sechsstelligen Betrag investieren will, um einen wirtschaftlichen Hotel-Geschäftsbetrieb zu ermöglichen ".

Das Schanzenhaus mit seinen 90 Hotelbetten war wegen dubioser Finanzgeschäfte des Landesgeschäftsbundes in den Strudel der Insolvenz geraten ( Volksstimme berichtete ). Vor allem die heimische Harzsparkasse kann beim Ringen um das Schanzenhaus einen gewichtigen " Joker " ziehen. Sie verfügt über die Zusage des Landessportbundes (" Patronatserklärung "), er stehe für die Verluste des bankrotten Hotels über 1, 7 Millionen Euro ein. Der Landessportbund unter dem früheren Hauptgeschäftsführer Gerd Henke hatte eigens für das Schanzenhaus eine Betreiber-Gesellschaft gegründet.

Konietzko suchte den Kontakt zur Harzer Volksstimme, weil er sich darüber geärgert habe, öffentlich als jemand bezeichnet zu werden, " der an der Zukunft der Schanze und des Ski-Klubs nicht interessiert " sei. Das Gegenteil sei der Fall betonte der Geschäftsmann, der zu den Aktiven beim Durchforsten des dubiosen Finanzgestrüpps des Landessportbunds gehörte und als Anwärter fürs Präsidentenamt galt.

Wer aber ist Thomas Konietzko ? Der 45-J ährige war Kanute, kam zu DDR-Zeiten in dem Sport zu Meisterehren. Später war er Trainer und Mitarbeiter im DDR-Turn- und Sportbund. Von 1999 bis 2005 war er Präsident des Bitterfelder Kreissportbundes, seither ist er Vize-Präsident des Deutschen Kanu Verbandes. Beruflich ist Konietzko als Unternehmer inzwischen europaweit tätig ( Gebäudemanagement, Gartenlandschaftsbau und Werbeagentur, noch kein Hotel ). In Gräfenhainichen bei Wittenberg und im österreichischen Markersdorf bei St. Pölten betreibt er jeweils eine " Media GmbH für Aussenwerbung ". Diese Gesellschaften werben damit, an Baumärkten, Tankstellen oder Kfz-Prüfzentren Reklame zu platzieren. Auf der Internetseite der deutschen Firma steht, in Prinzersdorf bei Wien werde eine Niederlassung betrieben. Die österreichische Firma hingegen verweist ihrerseits auf eine Dependance in Gräfenhainichen. Rund 250 Beschäftigte soll Thomas Konietzko haben, darunter übrigens auch den frühren Landessportbundchef Gerd Henke.

Zurück zum Schanzenhaus. Der neue Eigentümer : " Gegenüber dem Insolvenzverwalter und der Harzsparkasse habe ich mich verpflichtet, das Hotel in der jetzigen Form und Ausrichtung weiter zu betreiben. " Laut Konietzko gehöre zu seinen Zusagen ebenfalls die Übernahme des Hotelpersonals zu bestehenden Konditionen und aller bestehenden Verträge inklusive der Nutzungsvereinbarung mit dem Wernigeröder Ski-Klub.

Ohnehin ist der frühere Kanute auch heute dem Sport auch geschäftlich verbunden. Konietzko fördert mit seiner Firmengruppe in Sachsen-Anhalt und Deutschland eigenen Angaben nach Vereine und Athleten jährlich in einem sechsstelligen Bereich. Grün-Weiß Wolfen und Union Sandersdorf aus der Fußball-Verbandsliga sowie die Abteilung Kanu des SC Magdeburg kommen in den Genuss seines Sponsorings. Im Rathaus von Bitterfeld-Wolfen ist man übrigens voll des Lobes für den Sponsor. Die parteilose Oberbürgermeisterin Petra Wust zur Volksstimme : " Herr Konietzko ist wirklich seit Jahren sehr engagiert. "

Unabhängig vom früheren Finanzdesaster und der drohenden Rückzahlung von öffentlichen Steuergeldern habe er mit der jetzigen LSB-Spitze vereinbart, dass diese Sportorganisation bis September die Möglichkeit erhält, eine Einigung mit der Bank und der Stadt Wernigerode zu erzielen, um weiter Eigentümer oder Betreiber des " Schanzenhauses " zu bleiben. Konietzko : " Für diesen Fall habe ich zugesagt, mein Angebot zurückzuziehen. " Sollte dies scheitern, so habe er angeboten, " in den Kaufvertrag zwischen Insolvenzverwalter und meiner Firmengruppe ein Vorkaufsrecht für eine Zeit von fünf Jahren für den Landessportbund einzuräumen ".

Der neue Hoteleigentümer sieht sein Engagement in Wernigerode inzwischen distanzierter. Konietzko zur Volksstimme : " Ich will mich nicht aufdrängen. Dann nehme ich halt mein Geld und gehe woanders hin. " Ihm liege daran, dass die von ihm genannten Fakten geprüft werden, damit die Stadträte für ihre Entscheidung " über objektive Tatsachen verfügen können ".

Ob die Stadträte diese Pläne Konietzkos kennen, ist nicht bekannt. Dafür aber, dass bislang alle Ausschüsse die Schanzenhaus-Pläne des Oberbürgermeisters abgelehnt haben.