Der Wernigeröder Blindenweg nördlich des Amelungskopfes konnte gestern nach sechsmonatiger Komplettsanierung offiziell wieder freigegeben werden. Zehn Beschäftigte der Heureka Bildungsseminar GmbH hatten dafür Eichen gefällt und geschält, Wildwuchs beseitigt sowie neue Bänke gebaut.

Wernigerode. " Vor einem Jahr bin ich den Weg gegangen, da war er nicht schön ", erinnert sich Birgit Zehe. Die blinde Frau aus Langenweddingen-Sülzetal ist zurzeit Gast in der Aura-Pension " Brockenblick " am Amelungsweg.

Gestern Mittag lässt sie sich von deren Leiter Christian Winzerling erneut den Pfad hinaufführen. Diesmal zeigt sie sich uneingeschränkt begeistert. Und überhaupt : " Wernigerode ist für uns optimal. " Jedes Mal, wenn sie die bunte Stadt am Harz besucht, haben sich die Bedingungen für Blinde und Sehschwache wieder spürbar verbessert.

Dass der im Stadtwald gelegene Wernigeröder Blindenweg wieder ohne Probleme begehbar ist, dafür haben zehn sogenannte Ein-Euro-Jobber gesorgt. Finanziert von der Kommunalen Beschäftigungsagentur ( KoBa ) Wernigerode waren sie seit dem 10. März in Regie der Heureka Bildungsseminar GmbH auf rund 1, 1 Kilometer Länge damit betraut, Ordnung zu schaffen. Michael Selmikat : " Ich kann mich nur bedanken. Die Arbeit ist bemerkenswert gewesen. " Etwa 200 Eichen wurden dafür gefällt. Pro Stamm fünf bis zehn Meter konnten für die den Pfad für Gehstockgänger säumenden Bohlen verwendet werden, informiert der Sachgebietsleiter. Sechs neue Bänke aus dem gleichen Holz wurden aufgestellt, vier alte aus Stein wieder hergerichtet. Der Weg selbst wurde verbreitert und geebnet. Bedienstete einer Spezialfirma hatten zudem trockene Äste beseitigt, um der Verkehrssicherungspflicht zu entsprechen.

" Die Arbeit ist bemerkenswert gewesen "

" Solch ein Vorhaben wäre ohne Förderung nicht möglich ", bedankt sich Volker Friedrich bei allen Beteiligten. Wernigerodes Ordnungsdezernent befindet " wir sollten froh darüber sein ". Aus einer Verwaltung heraus sind solche Projekte nicht unbedingt zu leisten. Negativ fällt ins Gewicht, so Friedrich, " dass Holz vergänglich ist ". Der 1995 zu Ehren von Claus Brehmer als Leiter des Blindenheimes Wernigerode ( 1951-1990 ) angelegte Weg musste bereits 2001 einmal instandgesetzt werden. Und auch jetzt wird er nach den Worten des Dezernenten " nur eine bedingte Lebensdauer haben ".

" Wir haben viel probiert ", erklärt Ingrid Albrecht. Die Geschäftsführerin der Heureka Bildungsseminar GmbH räumt ein, für ihre Beschäftigten " war es nicht so einfach, die Braille-Schrift für die neue Infotafel umzusetzen ". Gern würde ihre Firma weitere wie das zum 18. September beendete Projekt in Angriff nehmen. Ingrid Albrecht : " Wir helfen gerne. "

Ausdrückliche Anerkennung zollt den zehn Blindenwegbauern auch Heike Elfaza. Die Assistentin für Projektplanung bei der KoBa hätte dies den Beteiligten auch gern persönlich gesagt. Diese legen allerdings ausnahmslos keinerlei Wert darauf, für ihr Werk in der Öffentlichkeit zu stehen.