Wernigerode. Ungewöhnlich und selten zugleich ist es, wenn sich der Landrat in einem kommunalen Streit zu Wort meldet. Michael Ermrich hat sich dennoch bewusst an die Volksstimme gewandt, um seine Position im Streit um das Wernigeröder Schanzenhaus deutlich zu machen.

Am Rand der Harzfest-Eröffnung sprach sich Ermrich klar und deutlich für den Erwerb des Hotels durch die Kommune aus. " Nicht, weil ich finde, dass der Wernigeröder Oberbürgermeister auch mal ein Hoteldirektor sein sollte, sondern weil wir seit Jahren dort im Zwölfmorgental ein Konzept verfolgen. " Jetzt böte sich die Chance, dieses mit Leben zu erfüllen. Ermrich zufolge sehe dieses Entwicklungspapier vor, im Nachwuchsbereich die Skispringer und Nordisch Kombinierer in Wernigerode sportlich auszubilden ( vergleichbar mit den Biathleten und Langläufern im Westharz ). Dafür sollten im Schanzenhaus des Landessportbundes auch Plätze für ein Sportinternat angeboten werden. Dass es dazu bislang nicht gekommen sei, habe vielleicht auch " am fehlenden Druck hier vor Ort gelegen ", schätzte der Politiker ein.

Der CDU-Landrat verhehlte nicht, dass der Streit um den Kauf des Schanzenhauses im Wernigeröder Stadtrat derzeit kontrovers geführt und es auch innerhalb seiner Partei " sehr differenzierende Meinungen gibt ". Michael Ermrich wolle dennoch noch vor der für Donnerstag im Stadtrat geplanten Abstimmung für die Kaufpläne von Rathauschef Peter Gaffert werben :

" Nicht nur das Land und die Stadt, auch wir als Kreis haben seinerzeit Geld für den Ausbau der Schanzenanlage bereitgestellt. " Damit habe man die Entwicklung des Wintersports im Harz " ganz bewusst fördern wollen ". Laut Ermrich zeigten die großen Anstrengungen beispielsweise im sächsischen Klingenthal, von Oberhof in Thüringen und selbst am Wurmberg im nahen Niedersachsen, dass Wintersport zunehmend auch als Wirtschaftsfaktor und als Besonderheit im Wettbewerb der Orte verstanden werde.

Für Ermrich, eine seiner Töchter ist bekanntlich eine erfolgreiche Skispringerin, ermögliche der Kauf des Schanzenhauses durch die Wernigeröder Stadtverwaltung, " die größte Mattensprungschanze im Harz für die Ausbildung von künftigen Spitzensportlern intensiver nutzen zu können. " Darum unterstütze er die Idee, das Schanzenhaus an die Landessportjugend zu verpachten, die seit Jahren die ‘ Schierker Baude ‘ erfolgreich als Jugendbildungs- und -erlebnisstätte betreibe.

Der CDU-Landrat räumte ein, dass das Sportkonzept fürs Zwölfmorgental bereits einige Jahre alt sei. In der Harzregion gäbe es aber genügend Potenzial, um Strategien zur Nachwuchsförderung im Skisport den aktuellen Bedingungen anzupassen. Zusätzlich, so Ermrich, habe der Deutsche Skiverband mehrfach zugesichert, das Wernigeröder Konzept nicht nur zu begrüßen, sondern es auch aktiv zu unterstützen.

Der Landrat gab sich abschließend als Pragmatiker : Sollte allen guten Ideen und Absichten zum Trotz das Wintersportkonzept mit Schanzen und Internat im Schanzenhaus nicht umgesetzt werden können, gäbe es einen einfachen Ausweg : " Als Hotel kann man es immer noch verkaufen. "