Am 27. September sind Bundestagswahlen. Die Hälfte der Abgeordneten wird direkt in den 299 Wahlkreisen gewählt. Der Harzkreis und Teile des Salzlandkreises bilden den Bundestagswahlkreis 69. Die Volksstimme stellt die Direktkandidaten der im Berliner Parlament vertretenen Parteien vor, heute : Undine Kurth ( Bündnis 90 / Grüne ).

Quedlinburg. Themen wie Atomenergie, Klimawandel oder auch Ressourcenknappheit haben in diesen Zeiten alle sogenannten etablierten Parteien im Programm. Undine Kurth, die seit acht Jahren für die Bündnisgrünen im Berliner Parlament tätig ist, könnte zufrieden sein. Grüne Positionen, für die man vor 20 und 10 Jahren – wohlwollend – müde belächelt wurde, sind längst zeitgemäß. Und doch muss sie mehr als nur ein Lächeln quittieren, zitiert sie den Satz : " Systemrelevant ist der Regenwurm, nicht die Bankenwelt ".

Damit ist die Quedlinburgerin mitten in ihrem Thema. In der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise habe die Politik bewiesen, dass sie zu schnellem und aktivem Handeln in der Lage sei. " Da nehmen wir unsere Verantwortung ernst, aber bei drängenderen Problemen wie dem Umwelt- und Naturschutz, dem Klimawandel bin ich entsetzt, wie sorglos mit diesen Bedrohungen umgegangen wird. "

Die Pkw-Abwrackprämie ist aus Sicht der Politikerin völlig falsch angepackt worden. Fünf Milliarden Euro, ohne damit einen Technologieschub zu verbinden, mit dem einzigen Kriterium, das Auto müsse neu sein. Kurth : " Selbst für einen ‘ Familienpanzer ‘ hätte es diese Prämie gegeben. Bloß gut, dass viele Menschen so schlau waren und sich verbrauchsarme Kleinwagen gekauft haben. "

Als Erfolg bezeichnet es die Abgeordnete, dass ihre Partei seit langem nicht mehr ausschließlich auf " grüne Themen " reduziert werde. Darum verteidigt sie die Hartz-IV-Gesetze als " im Kern gerecht ". Vorbei sei die Unterscheidung in Sozialhilfe- und Arbeitslosenhilfebezieher, alle hätten jetzt einen diskriminierungsfreien Anspruch auf Fortbildung und andere staatliche Unterstützungen. Hartz IV heute sei indes nicht mehr das, was Rot-Grün wollte, sondern das, was der Bundesrat mit seiner CDU-Mehrheit daraus gemacht habe, bekräftigt Kurth. Darum habe ihre Partei erfolgreich für einen Streitschlichter gestritten, den Ombudsrat.

Für Undine Kurth ganz persönlich ist das Politikfeld der Bildung und der Kultur ein für die Zukunft der Gesellschaft bedeutsames. In der Bundestags-Enquete-Kulturkommission hat sie sich genauso engagiert wie sie auch den Deutschen Bibliotheksverband unterstützt. Ihr politisches Ziel ist, dass die Bildung – nicht allein die Ausbildung an den Gymnasien – mehr Aufmerksamkeit, mehr fi nanzielle Unterstützung und vor allem mehr gesellschaftliche Anerkennung erfahre. Das erfordere qualifi - zierte und gutbezahlte Kindererzieherinnen, freie Lehrmaterialien und gut ausgestattete ( auch Haupt- und Berufs- ) Schulen sowie ein Kinder- und ein Erwachsenen-BAfö G ( vergleichbar mit der Förderung von Studenten ), um lebenslanges Lernen besser zu unterstützen. " Wir müssen nach der Krise zur Kenntnis nehmen, falsche Verkäufer haben mit falschen Produkten ihre Kunden arglistig getäuscht, weil sie ohne Werte, ohne Kultur, ohne Moral sind. " Investitionen in Bildung, so Kurths Hoffnung, erschwerten künftig solchen Menschen ihr falsches Tun.

Ökonomie und Ökologie seien keineswegs ein Paar wie Sonne und Mond, fi ndet die Bündnisgrüne. Deutschland habe oft bewiesen, ein technologischer Vorreiter sein zu können. Warum solle das bei nachhaltigenThemenwieKlima-und Umweltschutz nicht auch gelingen ? Sachsen-Anhalt gelte bereits als Musterland für erneuerbare Energien, als " Solar-Valley ", und niemand fürchte mehr ernsthaft, mit dem Abschalten der Atomkraftwerke werde es in Deutschland kalt und fi nster.

Die Bündnisgrünen reklamieren für sich den politischen Anspruch, die einzigen zu sein, die nicht nur an die Probleme vor Ort, sondern " unserer gemeinsamen Welt " denken. Lokales Handeln angesichts globaler Herausforderungen könne dabei bereits der bewusste Einkauf von Waren und Dienstleistungen aus der Region sein, das Speisenangebot in der Kantine, das von Landwirten aus der Nachbarschaft kommt, oder die Kennzeichnung von Produkten mit einem " Nachhaltigkeitssiegel ".

Millionen von Menschen werden es nämlich auf Dauer nicht akzeptieren, dass sie verdursten und verhungern sollen, Darum, so Undine Kurth, könne Europa noch so hohe Mauern bauen, die Flucht der Menschen aus dem Süden vor Not und Elend werde das nicht stoppen. Selbst ärgste politische Konkurrenten müssten inzwischen die grüne Position anerkennen, saubere Luft, unverseuchtes Wasser und fruchtbare Ackerböden lassen sich technisch nicht herstellen, sie erforderten vielmehr ein bewusst ökologisches Handeln.