Wernigerode. In der ausverkauften Remise des Kunst- und Kulturvereins wartete am Sonnabend ein höchst gespanntes Publikum auf das von dem Berliner Jazzpianisten und Komponisten Christoph Reuter initiierte Projekt, westeuropäische und orientalische Musik miteinander zu verbinden.

Mindestens seit den Beatles und George Harrison kennt man die Bestrebungen, sich mit der Sitar als Instrument zu befassen und orientalische Musik in die eigenen Kompositionen einfließen zu lassen. Spannend ist dieses Experiment auf jeden Fall, da sich hier musikalisch zwei völlig verschiedene Welten gegenüberstehen. Seitdem Johann Sebastian Bach das wohltemperierte Klavier eingeführt hat, beruht die westeuropäischen Musik nicht mehr auf Naturtönen. Dieses Spannungsfeld zwischen westeuropäischer und orientalischer Musik zu überwinden, ist Christoph Reuter hervorragend gelungen.

Die Klangwelt, die die Remise erfüllte, war einmalig und zog vom ersten Ton an die Zuhörer in den Bann. Sie wirkte sehr beruhigend, aber nicht langweilig, gelang es doch den Musikern, sich abwechslungsreich die Themen zuzuspielen. Die musikalischen Improvisationen an diesem Abend entwickelten eine Eigendynamik mit hervorragenden Klangsequenzen. Da war der Jazzpianist einmal im Vordergrund, dann der pakistanische Sitarspieler Khan. Thomas Rüdiger an der Tabula und Percussion schuf dazu einen unvergesslichen Rhythmusteppich.

Hatte Christoph Reuter den Abend solo mit Jazzimprovisationen über ein Bach-Thema begonnen, trafen in der Mitte des Konzertes deutsches Volkslied mit Orientalischem zusammen, um am Schluss mit dem Klassiker " Greensleeves " auf der Sitar melodiehaft geführt zu enden.

Diesen musikalischen Hochgenuss feierten nach einem zweistündigen Konzert die Besucher teils mit stehendem Applaus und rhythmischem Klatschen.

Das nächste Konzert fi ndet am Sonnabend, 24. Oktober, ab

20 Uhr in der Remise statt. Dann wird die Jazzsängerin Jorinde Jelen mit ihrer Band mit vertonter deutscher Lyrik

zu hören sein.