Wernigerode. Die Stadt will das bankrotte " Aktivhotel Schanzenhaus " übernehmen.

Entsprechende Informationen der Harzer Volksstimme bestätigte gestern Oberbürgermeister Peter Gaffert auf Nachfrage. Der Hauptausschuss des Stadtrates soll sich damit heute erstmals beschäftigen – wie bei Grundstücksangelegenheiten üblich – hinter verschlossenen Türen.

Vorab lehnte es Gaffert ab, sich zu Details zu äußern. Der Rathauschef erklärte lediglich, sein Ziel sei es, eine Einrichtung mit sowohl sportlicher als auch touristischer Bedeutung zu erhalten. Das eröffne die Chance, diesen für Wernigerode wichtigen Bereich forcieren zu können. Zudem, so Gaffert, böte sich mit dem Erwerb die Chance, mittelfristig die Stadtkasse sogar zu entlasten.

Wie der Rathauschef betonte, wolle er mit seinem Vorschlag eine Debatte im Stadtrat anstoßen. Nach Volksstimme-Information ist es sein Ziel, das von Sachsen-Anhalts Landessportbund ( LSB ) verfolgte Konzept einer Kaderschmiede für Wintersportler dauerhaft zu erhalten.

Kaufpreis soll bei etwa 500 000 Euro liegen

Rückblende : 1998 hatte die Stadt Wernigerode ihr Grundstück im Zwölfmorgental an den LSB für gerademal eine symbolische Mark verkauft. 2004 hatte der Sportbund begonnen, sein Haus mit 40 Doppelzimmern, zwei Appartements, Fitnessbereich und Restaurant auszustatten. Im Jahr darauf wurde Einweihung gefeiert.

Insgesamt flossen 1, 8 Millionen Euro öffentliches Fördergeld in das rund 3, 5 Millionen Euro teure Projekt. Der LSB übernahm 14 Prozent der Gesellschafteranteile.

Nachdem die Sport-Dachorganisation Anfang 2008 in finanzielle Schieflage geraten ist, wurde auch das " Schanzenhaus " mit in den Strudel gerissen. Im vergangenen April musste die Gesellschafterversammlung reagieren : Insolvenzeröffnung. Nur wenige Tage später musste die damalige Interims-Sportbundpräsidentin, Gudrun Steinbach, einräumen, auf ihrem Wernigeröder Hotel laste eine Schuldensumme von rund 1, 7 Millionen Euro.

Apropos Geld : Etwa eine halbe Million Euro soll das " Schanzenhaus " kosten. Kann sich Wernigerode diese Summe in Zeiten sinkender Steuereinnahmen leisten ? Muss der Rathauschef nebenbei auch den Hoteldirektor geben ? Und reichen die städtischen Übernachtungsangebote nicht aus ?

Übrigens : Anlass für Gafferts Vorstoß ist das Drängen der Harzsparkasse als Hauptgläubigerin der Hotelschulden auf eine Lösung. Sollte die Stadt nicht ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen, gibt es nach Volksstimme-Recherchen mindestens einen Interessenten für das Haus, der sich in den früheren Strukturen des Landessportbundes sehr gut auskennen soll. Wäre das vielleicht noch zu verschmerzen, so soll diesem Mann dem Vernehmen nach die Zukunft des Ski-Clubs Wernigerode 1991, der aufwändig sanierten Sprungschanzenanlage und des Wintersport-Nachwuchses so ziemlich egal sein ...