Wernigerode ( mz ). " Ich bin doch kein Auskunftsbüro. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen direkt an die Harz AG. Der Landkreis Harz verfügt nicht über die abgefragten Informationen. " Mit diesem mürrischen Hinweis beantwortete Landrat Michael Ermrich ( CDU ) jüngst im Kreistag eine Anfrage von Eberhard Schröder ( Linke ) zur Zeitarbeitsfrma Pro Arbeit.

Die Pro Arbeit GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der " Harz AG ", zu deren Eigentümern auch der Harzkreis gehört. Schröder wollte vom Landrat als Vertreter des Kreises im Aufsichtsrat zum wiederholten Mal wissen, ob er auf der Hauptversammlung der " Harz AG " im Juni seine Fragen zur tarifgerechten Entlohnung und dem Einsatz der Zeitarbeiter gestellt hatte. Ermrich verneinte das.

Schröder, der sich als Gegner von Leiharbeit bekennt, berichtete, dass etwa 60 Prozent der Pro Arbeit-Leiharbeiter an die Aktionäre der " Harz AG " günstig ausgeliehen würden. Der Abgeordnete wollte wissen, welche dieser Aktionäre wie viele Leiharbeiter beschäftige. Ob die etwa 150 Leiharbeiter nach Tarif bezahlt werden oder lediglich Billiglöhner sind, wollte der Abgeordnete aus Darlingerode zudem erfahren.

Tarifohn bei Pro Arbeit

Hintergrund seiner Kreistagsanfrage sei die Befürchtung, so Schröder, dass Leiharbeiter nicht tarifgerecht entlohnt werden und so bei den " Argen " und der Kommunalen Beschäftigungsagentur ( KoBa ) als sogenannte Hartz-IV-Aufstocker mit öffentlichem Geld unterstützt werden müssen. Einen konkreten Anhaltspunkt habe er allerdings nicht : " Es wird sich wohl keiner öffentlich äußern wollen, schon aus Angst, seinen Job zu gefährden. " Ein Vorwurf, der für " Harz AG " -Vorstand Dr. Thomas Müller nicht haltbar und unbegründet ist : " Wir zahlen nach Tarif. " Freilich, so bestätigte Schröder. Die Mitarbeiter würden jedoch nach Tarif Christlichen Gewerkschaft – einer " Schattengewerkschaft " – entlohnt, und dieser liege unter Tarifniveau der DGB-Gewerkschaften, weißauchHans-J ürgen Müller, Branchensekretär der IG BAU : " Die machen sehr arbeitgeberfreundliche Tarife. "

Entwarnung kam indes auch von KoBa-Chef Dirk Michelmann : " Viele, die individuelle Hilfeleistungen erhielten und nun bei Pro Arbeit beschäftigt sind, brauchen diese nicht mehr. " Dies schließe bestimmte f nanzielle Aufstockleistungen nicht aus. " Doch das betrifft auch andere Antragsteller, die aus anderen Unternehmen kommen ", erläuterte Michelmann. Ob es von KoBa oder Argen Aufstockleistungen gibt, hänge von den Familienverhältnissen, wie der Zahl der Kinder und dem Gesamteinkommen ab.

Müller verteidigte das Modell von Pro Arbeit Wernigerode : " Die Leiharbeiter sind von vielen Unternehmen der Region sehr gefragt, da hier ein hoher Qualitätsstandard gehalten wird ". " Wir legen Wert auf ständige Qualif zierung der Leiharbeiter und bilden sogar selbst aus. " Ohne Leiharbeiter würde es nach seinen Worten in manchem Unternehmen der Region schlecht aussehen. Für etwa 20 Prozent der Leiharbeiter würde sich jährlich eine Festanstellung ergeben.

Die Pro Arbeit sei ein Standbein der " Harz AG ", verteidigte Müller sein Engagement. Die " Harz AG " habe in der Vergangenheit nicht unerheblich von den Gewinnausschüttungen des Personaldienstleisters prof tiert ( 2008 sollen es 210 000 Euro gewesen sein ). Dadurch habe man erforderliche f nanzielle Eigenanteile für bestimmte Projekte aufgebringen können. " Die Gewinne werden also für einen guten Zweck, den der Wirtschaftsförderung in der Region, eingesetzt ", ist sich Vorstand Müller sicher.

Ein Fakt, den Eberhard Schröder nicht bestreitet, wenn allwedings alles korrekt abläuft und sich sein Verdacht auf Billiglöhner bei der Pro Arbeit nicht bewahrheitet. So zumindest hofft er bis zum nächsten Kreistag dennoch auf konkrete Antworten vom Landrat.