Verhüllt von einer großen Folie wird momentan das traditionsreiche einstige Hotel " Wiener Hof " abgerissen. Bis Oktober 2010 soll es mit ähnlich gebauter Fachwerkfassade neu entstehen. Das benachbarte kleine Haus wird integriert. Hotelzimmer, Café, Eisdiele und Biergarten entstehen neu.

Wernigerode. Seit der politischen Wende gab es mehrere Versuche, dem desolaten Gebäude des ehemaligen Hotels " Wiener Hof " in der Wernigeröder Marktstraße neues Leben einzuhauchen.

Hans Lemke hatte zunächst in dem um 1830 erbauten Haus das Dach neu eindecken und eine Heizung installieren lassen, um seiner Mutter, Betreiberin des Hotels, das Wohnen zu ermöglichen. Die Treuhandanstalt, der das Gebäude zugesprochen wurde, unternahm etliche Anstrengungen, es " an den Mann " zu bringen.

Siegfried Kasten, Eigentümer des " Altwernigeröder Hofes " und des integrierten Kartoffelhauses, berichtet von eigenen Bemühungen, den " Wiener Hof " zu erwerben. Mehrmals hätten jedoch andere Investoren den Zuschlag bekommen, die aber wohl sämtlich an den Sanierungsauf agen gescheitert seien. Auch fnanziell, bis hin zu Insolvenzen. Über die Jahre habe sich der Zustand des Hauses dramatisch verschlechtert, weiß Siegfried Kasten aus eigenem Erleben. So sei ein Teil des Daches eingestürzt und durch die folgende Etage durchgebrochen. Fachleute hätten sich schließlich angesichts der immer maroderen Substanz nur noch für einen Totalabriss aussprechen können. Zur Jahreswende 2007 / 08 begannen allerdings erneute Verkaufsverhandlungen.

Im Vorjahr erwarb Alexander Kasten, der von seinem Vater Siegfried bereits den " Altwernigeröder Hof " pachtete und betreibt, den " Wiener Hof ". Er leitete damit jenes Kapitel ein, das dem einst traditionsreichen Hotel eine neue Perspektive bescheren soll.

Mit engagierter Unterstützung durch Wernigerodes Bauamt und mit dem " Segen " der Denkmalpfege erfolgt gegenwärtig der Gebäudeabriss, um anschließend an gleicher Stelle etwas Hochwertiges zu errichten. Da es wegen der schlechten Bausubstanz mit vertretbaren Kosten auch nicht möglich war, die Originalfassade zu erhalten, wird eine dem bislang gewohnten Bild angepasste neue entstehen, wieder mit Fachwerk und Ziegeln. 17 Hotelzimmer mit 34 Betten sollen dahinter geschaffen werden. Der Eingangsbereich wird verändert. Die Gäste müssen künftig nicht mehr über den Hof gehen, sondern können in etwa einem reichlichen Jahr von der Straße aus zu den Zimmern gelangen. Im Erdgeschoss des alten " Wiener Hofes " wird laut Alexander Kasten ein Café eingerichtet. Im benachbarten kleinen, vor etwa 250 Jahren errichteten Haus, das momentan innen " entkernt " und damit für den umfassenden Innenausbau vorbereitet wird, soll eine Eisdiele geschaffen werden. Dahinter ist ein Biergarten geplant. weitere Außenplätze sind an der Marktstraße vorgesehen.

" Das alles soll bis spätestens Oktober 2010 fertig sein ", verspricht der Vater des Eigentümers, der in den jetzigen stressigen Monaten für seinen Sohn als eine Art Baubetreuer tätig ist. Dabei überwacht er auch die Abrissarbeiten und sorgt mit dafür, dass Bewahrenswertes erhalten bleibt.

Siegfried Kasten räumt auch mit einem sich in der Stadt hartnäckig haltenden Gerücht auf : Nicht er habe einst der Deutschen Post das Postamt gekündigt, der Konzern selbst habe dies getan, bekräftigt er. Ziel der Post in Wernigerode sei es wie überall in Deutschland gewesen, ihre Leistungen einem privaten Kleinunternehmer zu übertragen. Im alten Postamt soll möglichst auch bis zum Herbst kommenden Jahres ein Tagungsraum mit Platz für bis zu 150 Personen entstehen. Der Raum eigne sich nach Einschätzung des Eigentümers dann auch für Vereine und Familienfeiern.