Soll die Stadt Wernigerode das " Aktivhotel Schanzenhaus " erwerben ? Ein entsprechender Vorschlag von Oberbürgermeister Peter Gaffert sorgt derzeit im Stadtrat für Diskussionsstoff. Die Resonanz ist momentan verhalten, den Fraktionschef fehlt ein schlüssiges Finanzierungskonzept. Das hat eine gestrige Umfrage ergeben.

Wernigerode. Im Hauptausschuss vor einer Woche wurde der möglich Kauf des " Schanzenhauses " erstmals intern behandelt ( wir berichteten ). Ein Votum gab es zunächst nicht, das dürfte auch niemand ernsthaft erwartet haben.

Oliver Franke sieht den Vorstoß skeptisch. Der CDU-Fraktionschef : " Uns fehlt ein schlüssiges Konzept. " So lange dies nicht vorliege, " sagen wir, dass es nicht notwendig ist, sich dort weiter zu engagieren ". Die Gaffertsche Intension, sich vom Jugendgästehaus zu trennen, hält Franke hingegen für richtig. Natürlich bestehe die Möglichkeit, die Einrichtung qualitativ auszubauen. Der CDU-Mann : " Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. " Inzwischen gebe es genügend Angebote in diesem Preissegment für die Gäste der Stadt. Generell halte er den Zeitpunkt der jetzigen Diskussion vor der Beratung des ersten Nachtragshaushaltes für heikel. Franke : " Niemand weiß, wo die Reise hingeht im neuen Finanzjahr. "

Für Helmut Porsche steht fest : " Die Stadt als Hotelier entspricht nicht unseren wirtschaftlichen Vorstellungen. " Solch ein Schritt müsse verhindert werden, zeigt sich der Vorsitzende der Fraktion Haus & Grund / FDP entschlossen. Was die Trennung von Jugendgästehaus und im Übrigen auch vom Karlshaus anbelange, " dazu haben wir uns noch nicht verständigt ". Ebenfalls ungewiss sei, ob sich durch den Erwerb der " Schanzenhaus " -Immobilie mittelfristig tatsächlich Geld sparen lasse, wie Gaffert suggeriere. Porsche : " So viel, wie ich weiß, liegt uns da noch nichts Konkretes vor. "

Die Linke-Fraktion im Stadtrat steht der Kaufidee ebenfalls ablehnend gegenüber. Deren Vorsitzender Dieter Kabelitz betont, kein weiteres öffentliches Geld ins " Schanzenhaus " investieren zu wollen. Das Problem beim Jugendgästehaus sei, dass diese Einrichtung damit werbe, behindertengerecht zu sein. Tatsächlich ist sie das jedoch nicht. Eine notwendige aufwändige Sanierung hätte womöglich Übernachtungspreise zur Folge, die Behindertengruppen kaum mehr bezahlen könnten. Zur in diesem Zusammenhang geplanten Karlshaus-Veräußerung bekennt Kabelitz : " Die liegt mir besonders im Magen. " Fürst Stolberg besitze das Vorkaufsrecht, Grund und Boden gehörten ihm bereits. " Das ist es mir einfach nicht wert, dass dieses Gebiet noch weiter privat besetzt wird " so der Linke.

Mit einem neuen Renommier-Projekt habe der " Schanzenhaus " -Plan keineswegs zu tun, begegnet Rainer Schulze bereits laut gewordenen Kritiken. Durch die Pachteinnahme werde das Haus Wernigerode mittelfristig zusätzliche Einnahmen bescheren, zeigt sich der Vorsitzende der SPD / Grüne-Fraktion überzeugt. Schulze : " Die Rücklage einer Stadt ist dafür da, sie einzusetzen, wenn sich solch ‘ eine Gelegenheit bietet. " Zudem habe Wernigerode seinerzeit viel Geld in die Sprungschanze investiert, um damit ein deutschlandweites Trainingszentrum zu etablieren. Der Fraktionschef : " Das hat nicht funktioniert und sich unsere 1-D-Mark-Investition bisher nicht ausgezahlt. " ( Für diesen Preis hatte der Landessportbund das " Schanzenhaus " erworben. ) Im Falle eines anderen Hotelerwerbers hätte die Stadt keine Möglichkeit mehr, Einfluss zu nehmen. Jugendgästehaus und Karlshaus " möchte die SPD verkaufen ". Schulze : " Zunächst muss jedoch ein Betriebskonzept für das ‘ Schanzenhaus ‘ her. " Sein Eindruck, viele seiner Kollegen seien dem Projekt " nicht abgeneigt ".