48 Kameraden und dazu 15 hauptamtliche Feuerwehrleute sorgen in Wernigerode dafür, dass im Falle eines Unfalls oder Brandes binnen Minuten Hilfe da ist. 2007 waren 450 Einsätze notwendig. Im letzten Jahr wurde insgesamt 490 Mal Alarm geschlagen. Reicht die sogenannte " Wachbereitschaft " nicht aus, müssen die freiwilligen Feuerwehrleute ran.

Wernigerode. 24 Stunden permanent in Bereitschaft : Wenn die Sirene oder der Pieper anspringen, fällt den Kameraden sofort alles aus der Hand. Das muss man mögen, und ohne Verständnis der Familie würde es schon mittelfristig kaum funktionieren. Wochenenden ohne Einsätze lassen sich beinahe an einer Hand abzählen, berichtet Wernigerodes Wehrleiter Torsten Breiting ( 42 ).

Es gibt zwar keine gesetzliche Verpfichtung, aber binnen einer zwölfminütigen " Hilfsfrist " – gerechnet vom Zeitpunkt der Alarmierung – sollte das erste Einsatzfahrzeug unbedingt vor Ort sein. Und das auch bei einem Aktionsradius von maximal 15 Kilometern. Eine ständig neue Herausforderung, auch wenn das subjektive Empf nden Betroffener, die nachvollziehbar oft in Panik sind, ein anderes ist. Tenor : " Das hat ja mindestens eine halbe Stunde gedauert, bis die erste Feuerwehr angerückt ist !"

Das hören die Feuerwehrleute gar nicht so selten, auch wenn die Fakten eindeutig dagegen sprechen, sagt Torsten Breitling, ein Mann, der seit 1996 dabei ist. Im " richtigen Leben " eigentlich Maschinenführer bei VEM motors GmbH. Dort ist er seit zwei Jahren auch Leiter der Werkfeuerwehr. Breiting selbst hat es schon erlebt : " In dieser enormen Stresssituation, die für jeden einzigartig ist, verliert man jegliches Zeitgefühl !"

Alle Hilferufe über die 112 landen automatisch in der Leitstelle der Kreisverwaltung in Halberstadt. Dort werden die Einsätze koordiniert. 2007 waren es 450, im Vorjahr sogar 40 mehr.

Nicht immer geht es um die Rettung von Menschenleben. Vor ein paar Wochen hatte sich ein Mann genau am Türschloss seines Fahrzeugs die Finger eingeklemmt und konnte sich nicht mehr selbst befreien.

Bei kleineren Hilfeleistungen wie dieser geht lediglich der Funkmelde-Empfänger ( Pieper ) an, den jeder freiwillige Feuerwehrmann ständig bei sich trägt. Ertönt die Sirene, wissen die Männer, der nächste Einsatz wird ein größerer. Ab September soll das System für Feuerwehren und Rettungsdienste einheitlich auf eine digitale Alarmierung umgestellt werden. Ein Quantensprung. Denn, so der Wehrchef, noch überschneide sich der interne Funkverkehr mit der Alarmierung. Benutzt man das Eine, funktioniert zeitgleich das Andere nicht.

Wernigerode gilt als eine der " Schwerpunktfeuerwehren" im Harzkreis. Dieser Umstand geht mit einem größeren Bestand an Technik einher : so mit zwei Tanklöschfahrzeugen, einem Hilfeleistungslöschfahrzeug mit einem " Schere-Spreitzer" sowie einer 32 Meter langen Drehleiter. Zudem gibt es einen speziellen Einsatzwagen für die Tierrettung. Sichtlich stolz ist Torsten Breiting auf die zu Jahresanfang für 17 500 Euro angeschaffte Wärmebildkamera. Deren Nutzen gelte laut Breiting als " absolut unbestritten ". Wegen ihres großen Temperaturspektrums sei sie auch zur Personensuche in brennenden Häusern oder zum Verkürzen der Brandwache hervorragend geeignet.

" Wer hier keinen

Ausbildungsplatz erhält, der ist weg "

Üblicherweise muss eine Schwerpunktfeuerwehr in Zugstärke ausrücken, also mit 21 Kameraden. " Das wäre also schon aus diesem Grund von den sieben Festangestellten der Wachschicht im 24-Stunden-Dienst niemals zu bewerkstelligen", schätzt der Wehrleiter ein. " Wir haben sehr große Probleme mit dem Feuerwehr-Nachwuchs", räumt er ein. Formal würden die 48 Kameraden durchaus reichen. Allerdings sei diese Zahl wegen Krankheit, Urlaubs und arbeitsmäßiger Beschränkungen Einzelner eine bestenfalls theoretische Größe. Um die anstehenden Einsätze angemessen abwickeln zu können, bräuchte man eigentlich mindestens 100 Kameraden. Die Bereitschaft zu einer solchen ehrenamtlichen Arbeit nehme praktisch permanent ab, bedauert Breiting. Hinzu kämen hohe Anforderungen an die gesundheitliche Fitness.

In der Wernigeröder Jugendfeuerwehr sind zurzeit 21 Kinder zwischen zehn und 16 Jahren engagiert. Alle 14 Tage treffen sie sich unter anderem in der Grundschule im Stadtfeld. Als problematisch hat sich der Übergang der Jugendlichen in die Reihen der eigentlichen Brandschützer erwiesen. Torsten Breiting : " Wer hier keinen Ausbildungsplatz erhält, der ist weg. Wenn von zehn Kindern langfristig eines oder zwei bei uns bleiben, ist das viel zu wenig. "