" Così fan tutte ( Die Schule der Liebenden )" heißt es ab 7. August auf dem Hof des Wernigeröder Schlosses. Die Mozart-Oper bildet den Mittelpunkt der diesjährigen Schlossfestspiele. Volksstimme-Redakteurin Ivonne Sielaff traf sich vorab mit Regisseur Christian Georg Fuchs und Ausstatter Gregor Sturm und sprach mit ihnen u. a. über Liebe und Treue.

Volksstimme : Was macht für Sie als Regisseur / Ausstatter den Reiz der Mozart-Oper " Così fan tutte " aus ?

Christian Georg Fuchs : Mozart-Opern sind immer etwas Besonderes. Sie sind beim Publikum beliebt. Mozart inszeniert jeder Regisseur gern. Mozart ist einfach der Gipfel.

Gregor Sturm : In " Così fan tutte " gibt es keinen festen Handlungsort wie einen bestimmten Hof oder ein Schloss. Als Ausstatter kann ich voller freier Fantasie drauf os denken. Und das mache ich auch.

Fuchs : Die Oper ist an sich sehr konzentriert : Sechs Figuren, kein großes Orchester, kein großer Chor. Ein psychologisches Kammerspiel. Für mich ist es ein doppelter Ansporn, einem Kammerspiel viel Raum zu geben und es zum Sommertheater auszuweiten.

Volksstimme : Das zentrale Thema von " Così fan tutte " ist Treue – …

Fuchs : – … nicht unbedingt nur Treue. Für mich ist eher die Liebe das zentrale Thema. Die Liebe hat ganz eigene Spielregeln. Sie lässt sich nicht manipulieren. Sie ist ein gesetzloses Gefühl.

Volksstimme : Zu Mozarts Zeiten galt " Così fan tutte " als unmoralisch, weil Themen wie Untreue und Partnertausch aufgegriffen wurden. Das ist heute nicht mehr so. Was hat sich geändert : die Menschen selbst oder ihre Vorstellung von Moral ?

Sturm : Was bedeutet schon unmoralisch ? Damals gab es keine Möglichkeit zur Trennung oder Scheidung. Junge Menschen wurden in die Ehe versprochen, arrangierten sich dann und suchten sich ganz bewusst Liebhaber. In der Oper wird nur das gezeigt, was viele hinter verschlossenen Türen ohnehin machten - eben " Così fan tutte ". Deshalb lassen wir die Oper auch hundert Jahre später – also zu Beginn des 20. Jahrhunderts – spielen, um das Ganze noch zuzuspitzen. Die wilhelminische Zeit war die Ära des Militärs und der Soldatenehre. Damals wurden die Mädchen einem Partner versprochen, verheiratet und dachten, das ist Liebe – eine gefährlich naive Vorstellung von Liebe und Partnerschaft.

Fuchs : Das ist das Besondere am Musiktheater. Hier gibt es keine schlechten oder guten Gefühle, sondern nur gesungene Aufrichtigkeit. Hier werden die Partner in aller Aufrichtigkeit getauscht. Und das ist auch heute noch verstörend.

" Gefährlich naive

Vorstellung

von der Liebe "

Volksstimme : Wie interpretieren Sie die Figur des Don Alfonso ? Er glaubt nicht an die Treue der Frauen und stiftet die beiden Männer schließlich zu der Wette an.

Fuchs : Bei Mozart ist er ein alter Philosoph. Eine katalytische Figur. Er bringt das Spiel in Gang. Aber man weiß nicht, was er selbst erlebt hat. Bei uns sind die drei Männer gleichaltrig. Doch Don Alfonso hat mehr Erfahrung. Er ist seinen Freunden ein paar Verwundungen seines Herzens voraus.

Volksstimme : Und was ist für Sie die Moral der Geschicht ?

Fuchs : Nicht mit dem Feuer spielen.

Sturm : Nicht versuchen, die Liebe zu überrumpeln. Wer mit dem Feuer spielt, muss mit den Konsequenzen rechnen. Dennoch wir wollen nicht zu moralisch werden. Das wollte Mozart schließlich auch nicht.

Volksstimme : Wie wollen Sie das Publikum mit einem mehr als 200 Jahre alten Stück über veraltete Moralvorstellungen begeistern ?

Fuchs : " Così fan tutte " wird mit jedem Tag aktueller. Es ist eine sehr lebendige Geschichte, kein Vitrinenstück hinter Glas. Ich glaube, das ist der Schlüssel zum Publikum.

Sturm : Das Stück handelt von Männern und Frauen, darin kann sich jeder selbst entdecken. Was, wenn die Ehe nicht mehr so frisch ist ? Man hält trotzdem an seinem Partner fest, weil das Gefühl der Liebe immer noch sehr stark ist. Diese Oper fokussiert Probleme, die jeder kennt. Und das ist fesselnd.

Volksstimme : Was erwartet das Publikum ?

Fuchs : Es gibt viel zu lachen. Das Beste ist, das Schloss spielt mit. Wir leuchten es nicht weg, es gehört zum Spiel.

Sturm : Wir entführen die Zuschauer in die Zeit um die Jahrhundertwende. Eine Zeit, in der sich die Menschen Traumwelten aufbauten, sich nach Exotik und dem Mittelalter sehnten. Auch das zeigen wir in der Oper.

Fuchs : Von ihrem Baumhaus aus träumen sich unsere beiden Schwestern in die Ferne.

Volksstimme : Apropos Baumhaus. Müssen die Zuschauer wieder ihren Kopf in den Nacken legen, um dem Geschehen auf der Bühne zu folgen ? ( Teile der Orpheus-Oper im vergangenen Jahr spielten auf einem elf Meter hohen Gerüst. ) Sturm : Unser Baum ist zwei Meter hoch. Wir garantieren : Man sieht von allen Plätzen gut.

" Das Stück hat Esprit – gepaart mit bitterbösem Witz "

Volksstimme : Auf welche Details können wir uns noch freuen ?

Fuchs : Auf zwei altertümliche Badewannen zum Beispiel. Und auf einige weitere Überraschungen. Da wollen wir aber noch nichts verraten. Außerdem gibt es schöne Kostüme. Etwas militärisch-zackiges für die Männer und hübsche Kleider für die Frauen.

Volksstimme : Welches Publikum glauben Sie, mit der Oper aufs Schloss locken zu können ?

Fuchs : Alle, die schon mal verliebt waren. Die Oper wird auf deutsch gesungen, sie ist nicht zu lang …

Sturm : … es gibt viel Action auf der Bühne …

Fuchs : … und tolle Musik. Wir versuchen, Mozart so großartig zu zeigen, wie er eben auch war.

Sturm : Das Stück hat Esprit gepaart mit bitterbösem Witz. Ein sommerliches Spiel. Es spricht einfach jeden an.

Volksstimme : Was erhoffen Sie sich für die Premiere ?

Fuchs : Gutes Wetter, gutes Wetter, gutes Wetter. Das ist das Entscheidende. Wenn es leise nieselt, ist die schönste Inszenierung angezählt – obwohl der Marstall als Ausweichquartier auch schön ist. Und selbstverständlich, ein begeistertes Publikum.

f " Così fan tutte " ( So machen es alle ) – oder " Die Schule der Liebenden " f Oper in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Text von Lorenzo da Ponte f Uraufführung am 26. Januar 1790 im Wiener Burgtheater f Handlung : Don Alfonso schließt mit seinen Freunden Ferrando und Guglielmo eine Wette, ob deren Freundinnen wirklich treu sein können. Die Männer verabschieden sich überraschend und kehren verkleidet zurück, um die Treue ihrer Verlobten zu testen. Die Mädchen Fiordiligi und Dorabella sind zunächst standhaft, doch dann überschlagen sich die Ereignisse … f Vorstellungen : Premiere am 7. August, weitere Aufführungen am 8 ., 11 ., 12. 14. und 15. August jeweils um 20 Uhr im Wernigeröder Schlosshof f Ausweichquartier : Marstall, Schlechtwetter-Hotline ab 18 Uhr ( 01 76 ) 52 22 02 56