Mit Musik und 700 Euro Spendengeld im Gepäck sind die Wienröder Wanderfreunde nach Nachterstedt, dem Ort, der durch einen verheerenden Erdrutsch heimgesucht wurde, gereist und haben Hoffnung verbreitet. Zusammen mit einem Chor aus Ostfriesland sangen sie für die Opfer, deren Angehörigen und Einwohner auf einem Benefizkonzert.

Nachterstedt / Wienrode ( mz ). " Erinnern, das ist vielleicht die qualvollste Art des Vergessens und vielleicht die freundlichste Art der Linderung dieser Qual ", hat sich Pfarrer Holger Holtz auf die Worte Erich Frieds besonnen. Vier Wochen sind mittlerweile vergangen seit dem verheerenden Erdrutsch in Nachterstedt. Vier Wochen, in denen sich das Leben der von der Katastrophe Betroffenen, den Angehörigen der drei Opfer sowie all jener Familien, die ihr Zuhause von heute auf morgen verloren haben, grundlegend geändert hat. Vier Wochen, in denen, laut Holtz, Kraft und Mut zu wichtigen Worten geworden sind und in denen Werte wie Mitgefühl und Solidarität dankenswerterweise großgeschrieben werden, so Ortsbürgermeister Siegfried Hampe. Alles Menschenmögliche habe man versucht, den Hinterbliebenen und Betroffenen den Schmerz so erträglich wie möglich zu machen, sagt er.

Hilfe ereilte die Nachterstedter aus nah und fern, so auch aus dem Harz. Weil sie die Ereignisse dort tief bewegt haben, wollten die Wienröder Wanderfreunde unter der Leitung von Ilona Ulrich für die Menschen in Not singen. Und das haben sie am vergangenen Sonnabend in der Nachterstedter Kirche getan. Zur Unterstützung hatten sich die Wienröder den Kirchenchor aus Holtland im Landkreis Leer unter Leitung von Hanna Tammena sowie die beiden Solisten Anja Hoffmann ( Orgel ) und Tina Kobbe ( Cello ) eingeladen.

Gemeinsam haben sie zum Benefizkonzert eine musikalische Brücke geschlagen, den vom Schicksal Gebeutelten kurzzeitig die Möglichkeit zum Abschalten eingeräumt, die Gemüter der zahlreichen Konzertbesucher in einer bewegenden Veranstaltung berührt und sie einen kleinen Schritt weit begleitet. Nicht ohne den Versuch zu wagen, mit ihren beruhigenden Klängen Hoffnung zu verbreiten.

Große Emotionen in der kleinen Kirche

Große Emotionen in der kleinen Kirche : ein Repertoire, das unter die Haut geht. " Das Licht erleuchte die Nacht " – " Hambani kahle " zündeten die jungen Sänger aus dem Harz Kerzen an, sangen von Trauer und Freude, die stets nah beieinander liegen und der Vergänglichkeit des Glücks, des Frei- und Daseins zwischen Hoffnung und Sorge, Schicksalsstunden und Bildern, die nur noch in der Erinnerung wach sind, aber auch davon, dass die Nacht bald zu Ende und ein Neubeginn nicht ausgeschlossen ist.

Aber nicht nur mit ihrer aufmunternden Musik sind die Wanderfreunde nach Nachterstedt gereist. Im Gepäck hatten sie auch 700 Euro Spendengeld. 500 Euro davon, erläuterte Ilona Ulrich, seien von der Volkssolidarität Blankenburg gesammelt worden. Für die restlichen 200 Euro hätten die Wandenfreunde die Sammelbüchse herumgereicht. Und einer der größten Spender in diesen Topf war mit 50 Euro der Schützenverein in Wienrode, setzte die Wanderfreunde-Leiterin nach.

" Eigentlich war ja für heute das Gemeindefest geplant, aber zum Feiern ist uns nicht zumute ", wünschte sich Holtz, dass das Benefizkonzert dazu beitrage, Hoffnung und den Glauben an die Zukunft bei allen, die vom Unglück betroffen sind, aufkeimen und wachsen zu lassen.