Hitze, Hitze, Hitze ! Die Meteorologen haben Recht behalten. Der heißeste Sommertag hat auch um den Harz keinen Bogen gemacht. Ergebnis der Volksstimme-Umfrage : Ansturm in Freibädern, hitzefrei in Amtsstuben und reichlich Versuche, sich irgendwie abzukühlen.

Wernigerode. Hitzfrei ! Gute Nachrichten für die Sommerferien erprobten Lehrer und Schüler : Für die 5. bis 9. Klassen am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium war nach der vierten Stunde Schluss. Die Kinder der Francke-Grundschule saßen vormittags im kühlen Marstall und sahen sich " Hänsel und Gretel " an. In Timmenrodes Grundschule kam Rosemarie Bertling im Sekretariat kaum zum Luftholen : " Ja, heute ist hitzefrei ", informierte sie die Eltern am Telefon. Statt Unterricht gab es allerhand Spiel und Spaß. Und im Blankenburger Thie-Gymnasium dauert eine Unterrichtsstunde derzeit nur 25 " heiße " Minuten. Auch im Wernigeröder Rathaus gab ‘ s ab 14 Uhr frei. Für Kollegen mit reichlich Überstunden, aber so, dass jede Abteilung mindestens

mit einem Mitarbeiter

besetzt blieb.

Eine schmeckende Erfrischung bieten die Eisdielen an : " Fruchteisbesser lagen voll im Trend und zum Mittag viel Salat ", berichtete Melanie Prescher vom " Eiscafé Venezia ".

Nicht Venedig, dafür Spaniens sonniger Süden wurde gestern kurzfristig im " First Reisebüro " gebucht. Wie Melanie Pungar weiß, machte die Sonne wohl Lust auf Meer. Buchungen gab ‘ s nämlich auch für Weihnachten auf den Kanaren und der " Aida ", nur Vereinzelte würde nach ( kühlendem ) Winterurlaub fragen. Heiß gefragt gestern auch die Kühlschränke an allen HSB-Bahnhöfen. Bahnsprecherin Heide Baumgärtner : " Für unsere Lokbesatzungen stehen darin an solchen Tagen kostenlos Getränke bereit. " Für die Gießer der Firma Nemak sei eigens " zusätzlich zu den ohnehin üblichen isotonischen Erfrischungsgetränken auch reichlich Mineralwasser geordert " worden, berichtete Geschäftsführer Frank Lehmann.

Keine Frage : Die Schwimmmeister strahlten gestern überall mit der Sonne um die Wette : Das Wernigeröder Waldhofbad vermeldete 2128 Tagesgäste – Rekord. Bei maximal 34 Grad an der schattigen Luft und 23 Grad im Nass hätten alle einen tollen Badetag verlebt, so Ina Ulrich. Selbst in dem mit rund 500 Metern über dem Meeresspiegel wohl höchstgelegenen Freibad der hiesigen Region, im Waldbad Elend ( 300 Gäste bedeuten Sommerrekord ), kletterten die Wassertemperaturen auf sagenhafte 22 Grad. Allerdings kümmert man sich dort gewissenhaft, dass das Wasser nicht zu kalt wird. Das Geheimnis, so Bademeister Maik Ehlers : Nachts wird das Becken abgedeckt und kann so die Wärme halten. Im Harzbad Benneckenstein tummelten sich dagegen am frühen Nachmittag

ganze drei Gäste. Trotzdem zeigte sich Bademeister Burkhard Kose zuversichtlich, dass es abend doch etwas mehr werden : " Viele flüchten jetzt vor der Sonne zu uns ins Harzbad. " Das Wasser in Benneckensteins Schwimmhalle ist konstant 30 Grad warm, auch wenn es endlich draußen wieder kühler wird, wie so manche bereits stöhnen und hoffen.

Einen im meteorologischen Sinne waschechten Sommertag erlebte auch Ingo Nitschke : Der Mann des Wetterdienstes auf dem Brocken meldete 25, 5 Grad – Saisonhöchstwert. Aber dennoch fast drei Grad kälter als vor sechs Jahren ( 28, 2 ) und immerhin sieben Grad mehr als im kühlen 2006 er August ( 18, 1 ). Ist es selbst auf dem Berg sommerlich, so stöhnen viele im Tale : In der Notaufnahme des Harz-Klinikums herrschte Dauerbetrieb. Dessen Leiter, Oberarzt Wolfgang Dahrmann, hat Tipps gegen die Bürohitze parat : Wasserbad für die Füße, ein feuchtes Tuch für den Nacken, keine direkte Ventilatorbrise und Vorsicht vor dem Feierabendbier. Der Alkohol entziehe dem Körper zusätzliche Flüssigkeit, warnt der Mediziner. Die Rettungsleitstelle hatte bereits bis gestern Nachmittag 70 Einsätze zu koordinieren, normal sind laut Hennig Möhrig 50 am Tag. Er berichtete, ab sofort herrsche die Waldbrandstufe zwei : Grillen und offenes Feuer in Wald, Feld und Flur sind tabu.

Ein kräftigen Verbrauchsanstieg von mindestens zehn Prozent Trinkwasser registrieren an solch ‘ Hitzetagen die Wernigeröder Stadtwerke. Ihrem Chef, Wenzislaw Stoikow, scheint das Wetter zu behagen, ihn zieht ‘ s gerade zum Urlaub ins italienische Neapel. Dort werden heute 34 Grad erwartet, eine vertraute Temperatur …