Ein neuer Orchestervertrag für das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode wird derzeit in Halberstadt und Wernigerode beraten. Nachdem das Kultusministerium wie angekündigt zugesagt hat, für die Jahre 2010 bis 2012 das Ensemble weiter zu unterstützen, sind jetzt entsprechende Beschlüsse des Kreis- und des Stadtrates notwendig.

Wernigerode / Halberstadt. An den Wernigeröder Stadträten liegt es jetzt, zu beweisen wie lieb und teuer ihnen das Philharmonische Kammerorchester ist, das den Namen ihrer Stadt trägt. Ein neuer Orchestervertrag liegt im Entwurf vor, der eine finanzielle Unterstützung des Ensembles in den Jahren 2010 bis 2012 zusichert.

Der Kontrakt hat es in sich : Der Etat soll sich von derzeit rund einer Million Euro binnen dreier Jahre um 200 000 Euro erhöhen. Unterstellt, alle Vertragspartner unterzeichnen das Papier, so fördern das Orchester insgesamt der Kreis mit 1, 8 Millionen Euro, das Land mit 1, 02 Millionen Euro und der Förderverein mit 30 678 Euro. Aus Wernigerodes Stadtkasse fließen bis zum Jahr 2012 demnach 707 000 Euro.

Grund für diese Steigerung ist das Ziel, die Einkommen der Musiker von derzeit 80 Prozent des ostdeutschen Tarifgehaltes um fünf Prozentpunkte zu erhöhen. Das Ensemble selbst spielt bereits weit über dem Durchschnitt Geld ein. In den Kreistagspapieren heißt es, die sogenannte Eigenerwirtschaftung betrug im Vorjahr 19, 7 Prozent, das sei fast das Doppelte des Branchenüblichen.

Im neuen Vertrag verschieben sich die Finanzgewichte. Das Land zahlt jährlich 60 000 Euro nur dann mehr, wenn die Eigentümer der Orchester GmbH ( Kreis, Stadt und Förderer ) bereit sind, dieselbe Summe zusätzlich aufzubringen. Nach Vorschlag des Landrates soll sich der Kreisanteil pro Jahr um 37 500 Euro erhöhen. " Unter Verweis auf die bisher verhältnismäßig geringen Zahlungen der Stadt in Höhe von 153 400 Euro pro

Jahr wird eine höhere Beteiligung Wernigerodes erwartet ", steht im Papier, das gestern Abend erstmals im städtischen Kulturausschuss beraten wurde. Dort ist auch nachzulesen, dass allein der geplante 2012 er Stadtzuschuss bereits 255 900 Euro beträgt.

Die Ausschüsse des Kreistages ( Kultur, Finanzen und Kreisausschuss ) haben bislang einhellig im Sinne der neuen Vereinbarung votiert. Daher darf erwartet werden, dass auch der Kreistag am Mittwoch dem Vertrag zustimmen wird. Dieses Ja wird den Abgeordneten auch dadurch erleichtert, dass die Wernigeröder mit 30 000 Euro den Kreis aus seinem Mietvertrag für Veranstaltungen im KiK-Saal des Harzer Kongresshotels herauskaufen sollen ( zugleich sollen 10 000 Euro an Veranstaltungszuschüssen gespart werden ).

Christian Fitzner gegenüber der Volksstimme zu den aktuellen Beratungen : " Ich lebe nicht in einem Elfenbeinturm oder als Kulturidealist, die Finanzsorgen in Stadt, Kreis, Land und darüber hinaus kenne ich sehr wohl. " Der künstlerische Leiter und zugleich Geschäftsführer der Orchester GmbH zeigte sich daher zufrieden, dass keiner die Auflösung seines Ensembles fordere, sondern im Gegenteil der Etat leicht aufgestockt werde.

Die von einzelnen Stimmen vorgeschlagene Fusion mit dem Nordharzer Städtebundtheater lehnt der Wernigeröder ab. Die erfolgreiche Praxis mache es deutlich, dass dezentrale Angebote eine größere Flexibilität, mehr Aufführungen in der Fläche und zudem die Möglichkeit biete, das eigene künstlerische Potenzial zu erhöhen. Fitzner : " Ich bin mit dem Intendanten in Halberstadt, meinem Kollegen Johannes Rieger einig, das ist für die Kultur in unserer Harzregion der falsche Weg. "