Wernigerode. Heute vor 55 Jahren, am 15. Juli 1954, wurde Erich Koch, seit Oktober 1947 Waschraumwärter im Elektromotorenwerk Wernigerode, nach einer öffentlichen Verhandlung des Bezirksgerichts Magdeburg zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt.

Erich Koch war Ende April 1954 wegen " Boykotthetze " verhaftet worden. Er habe, so warf ihm die Anklage vor, am 18. und 19. Juni 1953 gemeinsam mit Franz Hoffmann, dem Leiter der Betriebsfeuerwehr, im Werk mit " Hetzreden " zum Streik aufgefordert, höhere Löhne verlangt und durch " Verbreitung tendenziöser Gerüchte " die DDR-Regierung verunglimpft. Dabei wurde Koch erschwerend zur Last gelegt, dass er führende SED-Politiker für den Tod Ernst Thälmanns verantwortlich gemacht hatte. Insbesondere Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht seien, so hieß es, von ihm aufs Schlimmste beleidigt worden. So sollte Koch gesagt haben, Pieck und Ulbricht " hätten sich in der Nazizeit gedrückt ", " heute aber säßen sie in der Regierung und beziehen hohe Gehälter ". Die Anklage gipfelte schließlich in dem Vorwurf, Koch habe " Propaganda für den Nationalsozialismus " betrieben.

Doch warum überhaupt diese Hexenjagd, und wer war eigentlich Erich Koch, der als Waschraumwärter " den Frieden des deutschen Volkes bezw. den Frieden der Welt gefährdet " haben sollte ? Da es den meisten Mitgliedern der Streikleitung gelungen war, nach Westdeutschland zu fiehen und die SED nach Sündenböcken suchte, die sie für den " faschistischen Putsch " im Elmo verantwortlichen machen konnte, kam ihr der " Fall Koch " gerade recht.

Erich Koch wurde am 27. Januar 1900 in Wernigerode als Sohn von Friedrich Koch ( Jahrgang 1872 ) und dessen Ehefrau Minna, geb. Mühlenberg, ( Jg. 1874 ) geboren. In persönlichen Unterlagen heißt es später, er sei das " älteste von 2 Kindern " dieses Ehepaares gewesen. Ab 1914 absolvierte Erich eine Schlosserlehre ; 1917 ging er freiwillig zur Kriegsmarine. Ein Jahr später kämpfte er als Matrose der Volksmarinedivision in Bremen gegen die Truppen der Regierung.

1920 nach Wernigerode zurückgekehrt, trat Erich Koch 1921 der KPD bei. Außerdem gehörte er bis 1933 der Roten Gewerkschafts-Opposition, der Roten Hilfe und dem Rot-Front-Kämpferbund an. Koch war verheiratet mit der aus Wasserleben stammende Minna Bomeier ( geb. am 24. Februar 1901 ). Ihre Ehe blieb kinderlos. Bis 1941 arbeitete Koch als Schlosser, Ofenbauer, Schmied und Zeitungshändler. 1942 zur Kriegsmarine eingezogen, verblieb er nach 1945 für zwei Jahre in französischer Gefangenschaft.

Die SED, deren Mitglied Koch 1947 geworden war, schloss ihn im März 1954 aus. Sein Arbeitsverhältnis wurde gekündigt. Nach der Haftentlassung kehrte Erich Koch ganz offensichtlich nach Wernigerode zurück. Ab August 1964 wohnte er mit seiner Frau in der Pfarrstraße 4. Dort starb er am 25. Juli 1968.

Anmerkung der Redaktion :

Wer kannte Erich Koch oder besitzt ein Foto, das ihn zeigt ? Konrad Breitenborn, der an einem Buch über den Volksaufstand im Juni 1953 arbeitet, sucht nach Angehörigen, Freunden oder Bekannten von Erich Koch, die ihm weitere Auskünfte über diesen Mann geben können. Kontakt über Telefon privat : ( 0 39 43 ) 4 11 14 oder Telefon dienstlich : ( 0 39 43 ) 54 15 30.