Zugewucherte Ziersträucher, mannshoch gewachsenes Unkraut – beschwert sich ein Volksstimme-Leser über den Zustand der Grünf ächen im Wohngebiet Charlottenlust. Harzer Volksstimme hakte beim dafür zuständigen Gartenamt nach.

Wernigerode. " Jetzt reicht ‘ s ", sagt sich Hartmut Fengler beim Frühstück. Seit Wochen stört den Wernigeröder die ungepf egte Grünfäche vor seinem Häuschen im Charlottenring. " Das Unkraut ist mannshoch gewachsen, die Äste der Büsche hängen bis auf den Weg. Das Gelände zwischen den Parkplätzen ist komplett zugewuchert ", berichtet er der Harzer Volksstimme. Mehrfach habe er beim Gartenamt der Stadtverwaltung angerufen, um auf den Schandfeck aufmerksam zu machen. " Ich wurde immer vertröstet,

dass jemand vorbeikommen und sich die Sache anschauen würde ", so Fengler. Das sei bisher nicht geschehen.

Viele Anwohner seien über den " schlampigen Anblick " verärgert. " Doch Meckern allein bringt nichts. Deshalb habe ich spontan entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen – und das obwohl ich blind bin. " Unterstützt wird er dabei von seinem Freund Franko Wichmann.

Mit Trimmer und Gartenschere sagen die Männer dem Unkraut den Kampf an. " Wir stutzen die Sträucher, jäten das Unkraut und schneiden die Büsche frei ", zählt Hartmut Fengler auf. " Es war nicht mehr zu ertragen, dabei wohnen wir sehr idyllisch. Besonders im Frühling, wenn alles anfängt zu blühen, ist es herrlich hier. Doch das Grün muss doch auch gehegt werden. "

Ein Einzelfall ? Harzer Volksstimme konfrontiert Frank Schmidt, Chef des Wernigeröder Gartenamtes, damit. " Das ist in der Tat ein Problem ", sagt Schmidt. " Meine Leute kommen mit der Pfege der städtischen Grünf ächen einfach nicht hinterher. " Einige Arbeiten, wie das Rasenmähen, seien bereits ausgeschrieben wurden, weil das Personal des Gartenamtes nicht ausreicht.

" Aber wir können auch nur das Geld ausgeben, das der Haushalt hergibt. " Es herrsche tatsächlich ein " gewisser Notstand ". Die Grünfächen in der Stadt würden nach einer Art Prioritätenliste abgearbeitet. " Und zentrale Plätze wie zum Beispiel der Bahnhofsvorplatz sind vor den Wohngebieten an der Reihe. " In den letzten Jahren seien sogar noch Pf egef ächen dazugekommen. " Altstadtkreisel, Ilsenburger Straße und nun auch noch der Schierker Kurpark ", zählt der Gartenamtschef auf. " Und das bei gleichbleibender Anzahl von Mitarbeitern. "

Gerade die Charlottenlust sei als sehr pf egeaufwändiges Wohngebiet angelegt worden – mit Rosenbeeten und Lavendel. Und von dort kämen eben auch die meisten Beschwerden, sagt Schmidt. " Deshalb freuen wir uns, wenn Anwohner mit gutem Beispiel vorangehen und die Rabatten vor ihren Häusern selbst in Ordnung bringen. Das ist uns eine große Hilfe. " Selbstverständlich transportieren die Mitarbeiter des Gartenamtes den Grünschnitt in solchen Fällen auch ab.