Dort, wo in westlicher Richtung die Pfälzergasse endet, zweigt vom Hasseröder Tal der Weg in die Himmelpforte ab. Er führt vorbei am ehemaligen Forsthaus, an sieben Teichen und ist gesäumt von Buchen und Eichen. Schließlich biegt der Weg rechts ab und führt nach Darlingerode. Gegenüber dehnt sich eine große, hügelige Wiese aus, durchflossen von einem Bach. Hier befand sich das Dorf Elbingerode, das im 13. Jahrhundert von seinen Bewohnern verlassen wurde.

Im Dezember 1253 schenkte der Ritter Dietrich von Hartesrode den Augustinermönchen das wüst gewordene Dorf, an dessen Stelle sie das Kloster Himmelpforte errichteten. Außerdem erhielten die Mönche vom Ritter Dietrich verschiedene Ländereien, u. a. das Gelände bis zum Kuhborn.

Die Augustinermönche trugen eine schwarze Kutte mit Kapuze, bei der Arbeit eine weiße. Sie nannten sich nach dem heiligen Augustin und lebten nach dessen Regeln : absolute Armut, jegliche Besitztümer waren verboten, Seelsorge in den umliegenden Orten und harte Arbeit. Sie bewirtschafteten ihre Ländereien, zogen Korn und Gemüse und hielten wahrscheinlich auch Nutztiere. Ab 1. Juli 1279 durften sie bettelnd durch Orte bis zum Goldbach und Heimburg ziehen, da sie einem Bettelorden angehörten. Besonders der Bruder Henning brachte viele milde Gaben ein. Er soll 105 Jahre alt geworden sein. Das geht aus Stadtrechnungen hervor, die ihm bis 1562 für geleistete Arbeit ein Entgelt zuwiesen.

Die Teiche wurden zur Fischzucht betrieben, und auf dem nördlich gelegenen Berg, der noch heute Weinberg heißt, baute man sogar Wein an.

Am " Monkhof " als liebe Nachbarn begrüßt

Vom Kloster bekam die Stadt Wernigerode eine Schule, deren Rektor 1262 der Bruder Johannes war. Die Mönche leisteten in der Stadt Predigtdienste und Seelsorge. 1471 wurden sie als " unsere leven neybere " ( Nachbarn ) angesprochen und gebeten, " de sermone und predikinge in unser Stad " zu halten. Ihr Quartier war der " Monkenhof ", Oberpfarrkirchhof 6, das sie von der Himmelspforte aus über den Möchstieg erreichten.

Das Kloster Himmelpforte stand auf der erwähnten Wiese und war von einer Mauer umgeben. Zwei Bäche, die sich auf dem Klostergelände vereinten, durchströmten die Anlage. Wie man noch heute deutlich erkennen kann, formen sich unter dem Gras Umrisse der Klosteranlange, Hügel und Senken ab. Im Sommer 1924 fand man bei Drainagearbeiten unterhalb des Luthersteins zugeschüttete Gräben, Dachziegel, Mauerreste, Scherben, Wälle und Bruchgestein, außerdem Mauern aus der vorreformatorischen Zeit.

Wie erwiesen ist, hat das Kloster eine Kirche gehabt, und die mündliche Überlieferung besagt, dass die Glocke dieser Kirche in der Laurentiuskirche zu Darlingerode hängen soll. Über einzelne Gebäude ist nichts bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass das Kloster Himmerpforte ein Refektorium ( Speisesaal ), ein Dormitorium ( Schlafsaal ) oder einzelne Zellen, Fremdenzimmer, Küche, Bibliothek, Remisen und Ställe hatte. Ein Friedhof mit Kreuzgang, der auch als Wandelgang und zu Prozessionen genutzt wurde, werden auch vorhanden gewesen sein. Ob ein Brunnen existierte, ist nicht nachzuweisen. Schließlich gab es zwei Bäche mit frischem Wasser.

Papst Alexander VI. konstituierte 1256 eine einheitliche Kongregation ( Vereinigung ) für den Orden der Augustinermönche aus verschiedenen Niederlassungen. Dazu gehörte das Kloster Himmelpforte. Um 1456 lebten dort fast 30 Mönche, deren Zahl bald stieg, um dann durch Abwanderung wieder zu sinken.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich eine Reformbewegung, die von Deutschland ausging. Grundgedanke war die Wiederherstellung des ursprünglichen Christentums. Diese Bewegung richtete sich gegen die Verweltlichung der päpstlichen Herrschaftsansprüche und zahlreiche kirchliche Missstände. In vielen Klöstern lebte man nicht mehr nach der Ordensregel, die Kirche forderte hohe Abgaben und Frondienste, Bischöfe verfügten über Besitztümer, und durch die Lande zog der Mönch Tetzel mit dem Spruch : Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt.

Im Bauernkrieg zerstört und ausgeplündert

Der Augustinermönch Heinrich Zolter nahm im Kloster Himmelpforte 1430 die Reformierung des Ordens in die Hand und gründete eine Vereinigung der reformierten Konvente ( Zusammenschluss, in diesem Fall die Angehörigen eines Klosters ). Andreas Proles, der Vikar, das heisst der Stellvertreter der Reformbewegung, setzte das Werk Zolters fort. Am 5. Februar 1469 wurde er als Prior des Klosters Himmelpforte genannt.

Johann von Staupitz, Generalvikar der sächsisch-thüringischen Kongregation, wollte das Kloster am 6. August 1517 visitieren und beorderte Dr. Martin Luther, der damals Distriktvikar im Augustinerorden war, dorthin. Es wurden reformatorische Bemühungen besprochen ; Luther nahm besonders gegen den Mönch Tetzel Stellung und bestritt die Unfehlbarkeit des Papstes.

Übrigens : Zur 400-Jahrfeier dieses Treffens wurde am 30. Oktober 1917 nördlich der Himmelpfortenwiese der von Graf Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode gestiftete Luther-Gedenkstein enthüllt.

1525 begann der Bauernaufstand. Die Bauern forderten unter Thomas Müntzer Einschränkungen der Frondienste und Lasten gegenüber den Fürsten und der Kirche. Das Kloster Himmelpforte wurde durch eine Truppe von Bauern aus Elbingerode unter Führung von Jakob Schütte und von Wernigeröder Bürgern, geführt von Wilhelm Wiardes, gestürmt. Sie zerstörten und verschleppten Kirchengerät. Aber die Klostergebäude blieben fast unversehrt. Der Konvent der Mönche begab sich nach Wernigerode, wo sie von der gräflichen Herrschaft und den Bürgern wohlwollend aufgenommen wurden. Alle wandten sich der Reformation zu. Der Prior Timan heiratete noch im gleichen Jahr.

Die jungen Brüder erhielten Arbeit, die vier älteren wurden von Graf Botho unterhalten. 1529 übernahm der Rat der Stadt Wernigerode ihre Versorgung. Als Wohnung bekamen sie ein Haus " hinter dem Turm der Oberpfarrkirche " zugewiesen ( Urkunde Himmelpforte vom 29. Dezember 1529 ). Im Jahre 1543 beaufsichtigte Bruder Henning die Stadtbefestigungen.

Als die Klostergebäude verlassen waren, gründete sich dort eine Ziegelei. Nach dem großen Brand in Wernigerode am 5. und 6. August 1528 ( Heideviertel bis Ringstraße ) holten sich die Bürger vom Klostergelände Steine, Balken und Ziegel. In der Mitte des 18. Jahrhunderts sollen nur noch Teile der Kirche gestanden haben.

Es wäre sicher sehr aufschlussreich, wenn an diesem Ort prähistorische Grabungen stattfinden könnten.