Halberstadt ( tj ). " Die Zusammenarbeit von Polizei-, Jugend- und Sozialarbeit ist alles andere als normal. " Diese Feststellung von Klaus-Dieter Liebau, Abteilungsleiter Polizei im Innenministerium Sachsen-Anhalt, fasst die Bedeutung der in der Vorwoche im Landratsamt unterzeichneten Kooperationsvereinbarung zusammen.

Die Vereinbarung zwischen Innenministerium, Sozialministerium und dem Landkreis Harz soll die vielzitierten " kurzen Dienstwege " unterstützen. Es geht darum, jungen Menschen, die auf die " schiefe Bahn " geraten sind, Hilfsangebote zu unterbreiten. Bereits seit 1999 haben Sozialarbeiter in den Räumen der Polizei einen eigenen Bereich, in dem sie gleich vor Ort straffällig gewordenen Jugendlichen zur Seite stehen.

" Die Inanspruchnahme der Beratung ist absolut freiwillig. Ob sie angenommen wird oder nicht, hat keinerlei Einf uss auf die Ermittlungsarbeit der Polizei ", unterstreicht Liebau. Trotz der engen Vernetzung würden alle Abteilungen nach wie vor unabhängig voneinander arbeiten. " Wir setzen die Sozialarbeiter nicht für Polizeiarbeit ein ", betont Liebau.

Kriminalität im

weiblichen Bereich ist erstaunlich hoch

Astrid Hintze betreut bereits seit zehn Jahren straffällig gewordene Jugendliche. Etwa 1700 junge Tatverdächtige beraten sie und ihre Kollegen im Jahr. " 70 Prozent aller Tatverdächtigen nutzen diese Möglichkeit, mit uns ins Gespräch zu kommen ", weiß sie zu berichten. Beim Großteil der Jugendlichen bleibt es bei einem Gespräch, mehr als 70 Prozent werden nicht rückfällig. Auffällig im Harzkreis ist der hohe Anteil von weiblichen Straftätern. Mit 30 Prozent sind es deutlich mehr als in anderen Regionen, wo es selten mehr als zehn Prozent sind.

Rainer Bode, Leiter der Jugendberatungsstellen bei der Polizei, sieht es als große Chance, " so früh mit den Jugendlichen zusammenzukommen wie möglich ". Oft sei dies bereits wenige Stunden nach der begangenen Straftat. Auch dank solcher Projekte sei es seit den frühen 1990 er Jahren, als die Jugendkriminalität explosionsartig anstieg, gelungen, den Anteil der jungen Tatverdächtigen am Gesamtkriminalitätsaufkommen von knapp 40 auf nun 20 Prozent zu senken.

" Die Art der Zusammenarbeit, die hier praktiziert wird, sucht bundesweit seinesgleichen ", weiß Klaus-Dieter Liebau. Daher hätte das Projekt auch Modellcharakter, was ähnliche nachahmende Projekte in Dresden, Berlin und Köln beweisen würden.