Erneuter Schock für die Johannisgemeinde in Wernigerode. Gestern morgen rückte erneut ein Großaufgebot der Feuerwehr an, um die Kirche binnen einer Woche zum zweiten Mal vor einer Brandkatastrophe zu bewahren.

Wernigerode. Gestern morgen heulten gegen 7. 20 Uhr die Sirenen in der Stadt. Die Brandschützer wurden wieder zu einem Einsatz zur Johanniskirche in die Grüne Straße gerufen. Bereits eine Woche zuvor brannten dort auf dem Gelände ein Toilettenhäuschen der Bauarbeiter völlig nieder, Baumaterial wurde in Mitleidenschaft gezogen. Doch diesmal traf der Brandanschlag auch das Kirchgebäude. Die Flammen zerstörten Teile des Daches, das gerade restauriert wird.

" Wir haben noch Riesenglück gehabt ", reagierte Pfarrer Hans-Jürgen Kant, als sich der Schreck in der Morgenstunde gelegt hatte. Zu verdanken hat es die Wernigeröder Kirchgemeinde einem " Flaschensammler ", der bei seiner Suche nach Pfandflaschen das Feuer bemerkte und sofort die Polizei verständigte. Wenig später gingen weitere Meldungen von Anwohnern im Revierkommissariat ein.

Nach ersten Ermittlungen wurde das Feuer an fast der gleichen Stelle entfacht, wo in der Vorwoche das Toilettenhäuschen abbrannte. Die am Brandort eingesetzten Polizeibeamten wollten keine Spekulationen zur Ursache abgeben und forderten einen Brandursachenermittler an. Wahrscheinlich handelt es sich erneut um vorsätzliche Brandstiftung.

Fest steht, die Sichtschutzfolie wurde angezündet, die ebenfalls am Baugerüst montierte Fallrutsche aus Kunststoff geriet dadurch in Brand, die Flammen fraßen sich bis zum Dachstuhl hinauf, Teerpappe, Holzlatten und Balken fingen Feuer. " Zum Glück wurde der Brand so früh entdeckt, dass wir rechtzeitig seine Ausweitung verhindern konnten. Nicht auszudenken, wenn die ganze, gegenwärtig freiliegende Dachpappe gebrannt hätte ", sagte Feuerwehr-Abschnittsleiter Ingo Gericke. Wernigerodes Wehrleiter Torsten Breiting fügte kopfschüttelnd hinzu : " Jetzt vergreifen sie sich schon an Kirchen. " Mit viel Fingerspitzengefühl koordinierten beide den Einsatz, um die Beschädigung der Kirche nicht durch Löschwasser noch zu vergrößern.

" Dafür sind wir sehr dankbar ", sagte Pfarrer Kant. Das Wasser sei nur an den Wänden herunter gelaufen. " Der Altar blieb unversehrt, zumal er vor den Restaurierungsarbeiten zum Schutz eingehaust wurde ", so Kant. Mit ihm am Tatort auch der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Dr. Helmut Burckhardt. Sein Fazit : " Was hier an den beiden letzten Wochenenden passierte, ist ganz schrecklich. " Sollte sich der Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung bestätigen, wolle Burckhardt privat eine Belohnung von 500 Euro für denjenigen aussetzen, " der den entscheidenden Hinweis zum Ermitteln der Verursacher gibt ", erklärte Burckhardt spontan.

Derweil gab es gestern erste Gerüchte, dass es der oder die Täter wohl nicht auf die Kirchgemeinde abgesehen hätten, vielmehr auf eine der Baufirmen. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter Telefon ( 0 39 43 ) 65 30.