Etwa 100 Sachbeschädigungen durch Grafftis werden jährlich in Wernigerode angezeigt. Nur selten werden die Schuldigen tatsächlich gestellt. Anders an der ehemaligen Maxim-Gorki-Schule. Dort ertappte die Polizei zwei Schmierer auf frischer Tat.

Wernigerode. Sie sind ein Ärgernis für viele Hausbesitzer in Wernigerode : Graff ti-Schmierer. Noch viel ärgerlicher : Ihnen ist nur schwer das Handwerk zu legen, verunstalten sie Wände, Fassaden, Türen und Mauern doch oft im Schutze der Dunkelheit. Gibt es keine Zeugen, ist die Polizei fast machtlos, die Geschädigten bleiben auf den Kosten für die aufwändige Renovierung sitzen. Und die Schmierer sprühen einfach weiter.

Anders erging es zwei Graff - ti- " Künstlern ", die ihr Unwesen an der ehemaligen Maxim-Gorki-Schule trieben. " Gegen 19. 15 Uhr rief uns eine Anwohnerin an und informierte, dass sich mehrere Personen auf dem Dach der Schule bef nden ", berichtet Dirk Sparwasser von der Wernigeröder Polizei. Als die Polizisten kurz darauf das Gebäude durchsuchten, ertappten sie zwei Studenten ( 25 und 26 Jahre alt ), die gerade dabei waren, eine Wand zu besprühen. " Als wir reinkamen, tropfte die Farbe noch ", erinnert sich der Kriminaloberkommissar. Bei der Durchsuchung der Schmierer wurden mehrere Sprühf aschen und Sprühvorlagen entdeckt.

Wenig später dann der große Treffer : Bei Wohnungsdurchsuchungen in Wernigerode, Salzgitter und Magdeburg stellten die Beamten insgesamt 61 Spraydosen, elf selbstgefertigte Schablonen, eine Atemmaske und zahlreiche Skizzen sicher. " Der Fund deutet darauf hin, dass die beiden Studenten stark in die Graff ti-Szene involviert sind ", erläutert Sparwasser. Derzeit wird ermittelt, ob die " Schmierf nken " weitere Straftaten in Salzgitter und Magdeburg begangen haben. " Erst dann wissen wir, wie hoch der Gesamtschaden tatsächlich ist. "

100 Anzeigen im Jahr,

Dunkelziffer ist höher

Für die zwei jungen Männer kann es jetzt richtig teuer werden. Die Kreisverwaltung habe als Eigentümerin der ehemaligen Schule inzwischen Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. " Bei einer Verurteilung können die Täter Geldstrafen oder auch Sozialstunden erwarten ", informiert Wernigerodes Kripochef Andreas Haberlag auf Volksstimme-Nachfrage. " Viel schmerzlicher für die Schmierer : die Graffti-Opfer können die kompletten Kosten für die Beseitigen der Krakeleien einklagen. "

Und wie viele Sachbeschädigungen durch Graff tis werden jährlich anzeigt ? " Etwa 100 Anzeigen, das sind nicht einmal ein Prozent aller angezeigten Straftaten ", sagt Haberlag. Die Dunkelziffer sei jedoch deutlich höher, die Aufklärungsquote hingegen gering. " Deshalb appellieren wir an die Geschädigten, sich an die Polizei zu wenden und die Schmierereien erst dann zu entfernen, wenn wir fotografert und Spuren sicher gestellt haben. " Nur so könnten die Grafftis mit anderen verglichen und verdächtige Sprüher dingfest gemacht werden.