Der Hartnäckigkeit des ehemaligen Bergmanns Gerhard Rösicke ist zu verdanken, dass seitdem ein Jahrhunderte altes Stück Industriegeschichte im " Hasseröder Revier " nicht in Vergessenheit gerät. Die Volksstimme stellt den Geologischen Lehrweg als Harzperle vor.

Wernigerode. Wer sich vom Bahnhof " Steinerne Renne " auf den nur wenig ansteigenden Bahnparallelweg begibt, kann sie nicht übersehen : die 13 Informationstafeln mit anschaulichen Erklärungen. Nicht zuletzt durch die vielen Grafken oder historischen Fotos wird die Jahrhunderte alte Geschichte der Montanindustrie in der Region auch für jene so allgemeinverständlich aufbereitet, die sich ansonsten wenig mit dem Thema befasst haben. Abgesehen davon wird die Aufmerksamkeit gleichermaßen auf die geologischen Besonderheiten sowie Interessantes aus Flora und Fauna gelenkt. Dabei versteht sich der Lehrpfad als Ergänzung jener Informationen, die man im Harzmuseum bekommen kann.

Für den Bergbau in der Region im oberen Hasserode entlang der Hagenstraße bis fast nach Drei Annen Hohne gibt es Belege etwa ab dem 13. bis zum 18. Jahrhundert. So wurden hier vor allem Schwefelkies und Buntmetalle, also Zinkblende, Bleiglanz sowie Kobalt (" Hasseröder Smalte ") zur Blaufarbenherstellung, gewonnen. Eine verheerende Hochwasserkatastrophe auch im Thumkuhlental ( Grube " Aufgeklärtes Glück " mit Täufen zwischen 30 und 75 Metern ) sollte 1795 das Ende des Bergbaus in der Region besiegeln. Der Grund waren die zerstörten Wasserkünste mit dramatischen Folgen für die gesamte Infrastruktur unter Tage.

Etwa ab 1860 bis 1990 kam mit dem Abbau des Granits eine neue Branche hinzu. Bis zu 600 Menschen fanden in den 40 Brüchen Beschäftigung, so die Recherchen des Wernigeröder Geschichts- und Heimatvereins.

Entlang des " Braunen Wassers ", unweit des Lossen - Denkmals, sorgten früher ABLeute, heute 1-Euro-Jobber unter fachkundiger Anleitung für den Bau dreier Holzbrücken. In diesem Bereich stoßen interessierte Besucher an einem Felshang auch auf einen bemerkenswerten geologischen Aufschluss. Dieser zeugt in beeindruckender Weise von den gewaltigen Kräften während der Entstehungsgeschichte des Harzes.

In anderer Hinsicht beeindruckend in seiner Dimension und Funktionalität ist der Nachbau einer 40 Meter langen Wasserkunst ( es gab auch Wasserkünste mit einer Ausdehnung von bis zu einem Kilometer ). Allein das Wasserrad hat einen Durchmesser von vier Metern. Dieser Nachbau stellt gewissermaßen das Kernstück des Lehrpfades dar, nicht zuletzt wegen ihres vergleichsweise hohen Wartungsaufwandes. Mittels Wasserkraft lässt sich 1 PS erzeugen. Der mittlerweile zweite Nachbau von 2007 ist witterungsbedingt nur über die Wintermonate außer Betrieb.

Besonders sehenswert sind auch die ausgestellten unterschiedlichen Bohrwerkzeuge oberhalb des 17 Meter tiefen Schachtes " Bergmanns Hoffnung ". Dieser war wegen dessen unklaren Verlaufs erst in den 90-er Jahren aufgewältigt worden. Eine Schautafel gibt Aufschluss darüber, dass sich das tiefste Bohrloch mit 2820, 5 Meter in der Harzregion zwischen Westerhausen und Blankenburg bef ndet ( tiefstes Bohrloch der Welt auf der Halbinsel Kola, Russland : 12 260 Meter ).

Auch gegenwärtig sind noch vier Ein-Euro-Jobber mit Pf e- ge- und Erhaltungsaufgaben beschäftigt. Eine Erweiterung des Naturkundlich-Geologischen Lehrpfades ist nicht geplant. Für den gesamten Rundweg wird eine Gehzeit von mindestens drei Stunden empfohlen.