Zum 20. Mal haben jüngst Finken auf einer Waldlichtung bei Hasselfelde um die Wette gesungen. In den Kategorien Schönheits-, Stark- und Kampfsingen traten die Vögel bei dem sogenannten Finkenmanöver gegeneinander an. Die Leistungen waren beachtlich.

Von Carsten Steinke

Hasselfelde. Sieg mit 300 Schlägen, hat es kürzlich auf einer Waldlichtung bei Hasselfelde geheißen. Und dann noch in der Kampfklasse. Nein, es geht nicht um Boxen, sondern vielmehr um kleine zierliche Finken. Ihr Geschäft ist auch nicht das Verprügeln eines anderen Vogels, sondern das Singen, das in der Sprache der Finkenzüchter Schlagen genannt wird. Übrigens, solche Finkenwettstreite oder Finkenmanöver sind bereits vor langer Zeit im Harz zur Tradition geworden. Und drohen, wenn man den Worten der sogenannten Finker trauen darf, bald zu verschwinden. Der Grund dafür ist schnell gefunden. Es ist der gleiche, der viele andere Vereine auch plagt : Nachwuchsprobleme. Nur wie lange es noch Finkenmanöver früh morgens im Wald geben wird, da gehen die Meinungen der Experten auseinander. Einige schätzen die noch verbleibende Zeit auf fünf Jahre, andere gehen optimistischer heran und prognostizieren zehn oder gar fünfzehn Jahre.

Zurück zum aktuellen Finkenmanöver bei Hasselfelde, dem mittlerweile 20. in der Oberharzgemeinde. Angetreten sind dort zum Kampfsingen 47 Vögel, zum Schönheitssingen noch elf und ebenfalls elf Tiere zum Starksingen, zählte Horst Rieche aus Hasselfelde auf. Die Vögel stammten von Mitgliedern aus Vereinen, beheimatet in Thale, Benneckenstein, Wiede, Sankt Andreasberg, Hohegeiß und Clausthal-Zellerfeld. Auch Horst Rieche selbst stellte drei weißverhangene Vogelkäfge an den Start – in der Schönheits- und der Kampfklasse. Bei letzterer, erklärte Rieche, würden Siegervögel rund 300 bis 350 Schläge von sich geben. Gezählt würden dabei von den Preisrichtern nur die vollständig ausgesungenen. Halbe Gesänge dürften nicht gewertet werden. Von diesen Gesängen gebe es rund 280 unterschiedliche, klärte Klaus Kober, selbst Finker aus Benneckenstein, auf. Wie einige davon heißen, war von einem anderen Vogelexperten zu hören : Kleinwißgrober, tiefer Reiterspazier, grober Bertram und tiefer Putzebart.

Neben der Kampfklasse konnten die Finkenzüchter in diesem Jahr in Hasselfelde ihre Tiere erstmalig beim Starksingen an den Start bringen. Starksingen gab es früher im gesamten Harz, erläuterte Horst Rieche. Im Ostharz wurde diese Tradition eingestellt, im Westteil fortgesetzt. Nun habe sich der ausrichtende Benneckensteiner Verein dazu entschlossen, das Starksingen wieder anzubieten. Dazu gesellte sich noch das Schönsingen. Dabei komme es darauf an, die vorgeschriebenen Silben der einzelnen Gesänge einzuhalten, erklärte ein anderer Finker. " Und darauf, dass es am Ende schnippt. " So bezeichnen die Experten den Abschluss eines Gesangs, die Endsilbe. Ein Finkenzüchter : " Das ist die Krönung. "

Und wie lernen die Tiere die Gesänge ? Vom Züchter ? Nein, er singt den Jungvögeln nicht vor, er spielt ihnen den Gesang vor, mit einem Tonbandgerät oder CD-Player. " Es gibt viele, die es nicht lernen ", erlaubte Klaus Kober einen Blick hinter die Kulissen. Um die Tonfolge zu erlernen, müssten die Tiere so gehalten werden, dass sie keine anderen Vögel hörten. Um einen Gesang zu können, brauchen Finker und Vogel rund drei Jahre. Danach sei das Tier erstmals reif für einen Wettstreit wie den in Hasselfelde, meinte Kober.

Und was soll das weiße Tuch über den Finkenkäf gen ? Kobererklärte : " Der Fink ist ein Kampfvogel. " Ohne Tuch würde er nur an den Stäben sitzen und versuchen, seinen Kontrahenden zu verjagen. " Mit einem Tuch über dem Käf g versucht er dies auch, aber nur mit seinem Gesang. "

Wer nun mehr über die alte Tradition der Finkenmanöver im Harz erfahren möchte, kann beim Heimatverein Benneckenstein eine Dokumentation zu diesem Thema erwerben. Aber Achtung, es gibt nur noch wenige Exemplare. Bestellungen nimmt Manfred Heyder vom Heimatverein unter der Rufnummer ( 03 94 57 ) 25 40 entgegen. Weitere Informationen zum Buch gibt es im Internet unter :

www. heimatvereinbenneckenstein. de

Ergebnisse :

f Schönheitssingen : 1. Werner Börger, Benneckenstein ( 99, 25 Punkte ) 2. Gerhard Oberländer, Benneckenstein ( 98, 75 ) 3. Frank Pluschke, Wiede ( 98, 08 ) f Starksingen : 1. Karl-Heinz Ehrenberg, Altenau ( 47 Schläge ) 2. Helmut Ehrenberg, Altenau ( 35 Schläge ) 3. Dieter Knackstedt, Altenau ( 34 Schläge ) f Kampfsingen : 1. Werner Börger, Benn eckenstein ( 300 Schläge ) 2. Manfred Ehrenberg, Altenau ( 293 Schläge ) 3. Helmut Ehrenberg, Altenau ( 279 Schläge ).